Sojabohnen: USA stehen massiv unter Druck

15. April 2020 um 16:04 , Der AUDITOR
Bericht als Audio abspielen

CHICAGO. Die Sojabohnenmärkte zeigen sich derzeit stark anfällig gegenüber dem Preisverfall beim Rohöl und komplexer Absatzeinbrüche auf dem US-amerikanischen Fleischsektor. Viele US-Schlachtunternehmen müssen wegen mangelndem Fleischabsatz und Quarantänen ihrer Belegschaft ihren Betrieb einstellen. Der Preisdruck bei Sojaöl ist eine Folge des Rohölpreisverfalls. Chinas Importerwartungen bleiben gedämpft.

Sojabohnen notierten in Chicago mit 8,46 USD/Bushel um 0,8 % niedriger als gestern. US-Sojaschrot tendierte am Mittag um 1,5 % höher, Sojaöl in Chicago um 1,4 % schwächer. In den USA erhielt Sojaschrot durch die Knappheit bei DDGS, welches bei der Ethanol-Herstellung aus Mais anfällt, etwas Kursauftrieb. Dabei sind die US-Maisläger prall gefüllt, aber wegen der Covid19-Pandemie besteht kaum Nachfrage nach Treibstoffen, immer mehr US-Ethanolwerke schließen oder verkürzen die Produktionszeiten. Ein weiteres Problem bleibt aber, dass in den USA schlachtreife Schweine nicht abgenommen werden, da der Fleischkonsum in Nordamerika wegen der Covid19-Pandemie im März laut Experten der Rabobank um 30 % eingebrochen ist und US-Schlachtunternehmen wegen mangelndem Absatz und Quarantänen ihrer Belegschaft ihren Betrieb einstellen müssen. Smithfield Foods, das weltgrößte Schweineschlachtunternehmen, gab Ostern die unbefristete Schließung eines seiner größten US-Werke in der Stadt Sioux Falls in North Dakota bekannt. Die US-Fleischindustrie hatte als Folge der Afrikanischen Schweinepest die Produktion in Erwartung zunehmender Einkäufe Chinas erheblich ausgeweitet. Die Einführung von Quarantänen, zuerst in China, dann in den USA, verringerte jedoch die Nachfrage nach Schweinefleisch in beiden Ländern erheblich.

Sojaschrot-Kassamarkt

Sojaschrot LP (44/7) FOB

Parität/EUR/t

4/20

5/20

6-7/20

8-10/20

Rotterdam

-

-

301,00

298,00

Hamburg

338,00

324,00

299,00

294,00

Mainz

362,00

339,00

308,00

305,00

Straubing

405,00

381,00

345,00

335,00

Quelle: Handel

Exportprognose nach China eher gedämpft
Die setzt die Mastbetriebe in den USA erheblich unter Druck. Der National Pork Producers Council, der US-amerikanische Schweinezüchter vertritt, forderte die Trump-Regierung auf, Schweinefleisch im Wert von über 1 Mrd. US-Dollar zu kaufen, rechnet die Branche mit Verlusten von 5 Mrd. US-Dollar in diesem Jahr, nachdem das Coronavirus die Nachfrage empfindlich gestört hat. In den USA waren die Preise für Schlachtschweine um 9,6 % gegenüber der Vorwoche gesunken. Dies hat Auswirkungen auf den Sojamarkt. Die Exportlage für US-Sojabohnen bewertete der US-Handel mit Skepsis. US-Broker Tom Fritz von International Futures Group erwartet, dass Brasiliens Sojabohnenexporte im April fast 13 Mio. mt erreichen werden. Damit bestünde wenig Spielraum für US-Sojaexporte nach China, kann US-Soja allein wegen der Abwertung des Reals mit brasilianischen Ursprüngen nicht mithalten. Dabei bleiben die Exporterwartungen nach China gedämpft. Tao Wang, UBS Economist, prognostizierte für das zweite Quartal einen Exportrückgang nach China um 20 % gegenüber dem Vorjahr und für das 2020 um 12 %.

Pflanzenöl-Kassamarkt

Pflanzenöl Kassamarkt (EUR/mt) 

Parität

Heute

Vortag

Sojaöl FOB Hbg.

705

715

Rapsöl FOB Hbg.

801

797

Palmöl CIF Rott. USD

608

607

Sonnenblumenöl USD FOB

738

740

Quelle: Handel

Dies könnte Sie ebenfalls interessieren

zur Nachrichten-Übersicht
Ölsaaten
02.07.2026
OTTAWA/BRÜSSEL. In Kanada kam es bei der Leinsaataussaat zu Verzögerungen. Kleinere Anbauflächen als erwartet sind die Folge. EU-Länder haben in der Saison 2025/2026 mehr als 680.000 mt Leinsaat importiert.
Ölsaaten
02.07.2026
NEU-DELHI/BRÜSSEL. Im Juli wird einer weiterer Sesam-Tender erwartet. Das wirkt sich auf die Preise aus. Indiens Exporte sind gegenüber dem Vorjahr gesunken.
Ölsaaten
01.07.2026
OTTAWA. Statistics Canada hat die Anbauprognose für die Aussaat 2026/2027 um 23% reduziert. Niederschläge sorgen für eine positive Entwicklung der Pflanzen. EU-Länder haben ihre Importe 2026/2027 um 4% gesteigert.
Ölsaaten
01.07.2026
DALIAN. Da mittlerweile kaum noch EU-konforme Ware verfügbar ist, richtet sich der Blick zunehmend auf die Entwicklung der neuen Kürbiskernernte. Vor allem die Erträge werden sich als entscheidend für die Preisentwicklung herausstellen.