Sojabohnen: Südamerika geht der Stoff aus

25. März 2020 um 16:11 , Der AUDITOR
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CHICAGO. Der Sojabohnenmarkt dürfte wegen der Covid19-Pandemie weiter steigen, behindern Ausgangssperren, scharfe Transportkontrollen und Lagerarbeiterstreiks in Südamerika massiv den Sojaexport nach China und Westeuropa. Davon profitiert derzeit noch der US-Sojahandel, mit deutlich höheren Preisforderungen, aber wie lange noch. Auch in den USA schreitet die Covid19-Pandemie fort. In Westeuropa gehen jedenfalls die Sojaimporte zurück, was Mischfutterindustrie und Viehhalter in Bredouille bringen könnte.

Der US-Sojabohnenmarkt setzte den Aufwärtstrend fort. In den USA wurde vom US-Senat ein 2 Millionen US-Dollar mächtiges Konjunkturpaket auf den Weg gebracht, welches die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie lindern soll. Dies schließt Hilfen von 500 Mrd. US-Dollar für die am härtesten getroffene Branchen ein, enthält einen Etat von 500 Mrd. US-Dollar mit Direktzahlungen von bis zu 3.000 US-Dollar je US-Familien, sowie Kredite an Kleinunternehmen im Gesamtvolumen von  350 Mrd. US-Dollar, Arbeitslosenhilfen im Wert von 250 Mrd. US-Dollar und Hilfen von 75 Mrd. US-Dollar für Krankenhäuser. Das schaffte Zuversicht in der US-Wirtschaft. Der Dow Jones Index legte um 14 Prozentpunke zu, dass war der größte Aufwärtssprung der jüngeren Geschichte. Auch der US-Sojamarkt erhielt dadurch festere Impulse. Profitierte US-Sojaschrot zunächst vom einbrechenden US-Ethanolmarkt, weil dadurch weniger DDGS zur Verfügung stand, sind es mittlerweile die Corona-Maßnahmen in Argentinien und Brasilien, welche die Kurse in die Höhe treiben. Argentinien ist der weltgrößte Produzent von Sojaschrot. Im Zuge der Corona-Krise leiden viele Ölmühlen dort unter großen Engpässen bei der Rohstoffbeschaffung. Ähnlich in Brasilien: Während Jair Bolsonaro, Präsident von Brasilien, die Covid19-Pandemie als kleine Erkältung herunterspielte, erließ der Bundesstaat Sao Paulo für 40 Millionen Menschen weitgehende Ausgangsbeschränkungen, um die Pandemie einzudämmen. Auch Rio de Janeiro hat sich innerhalb einer Woche weitgehend isoliert. Dies bedeutet, dass die Lieferketten aus Südamerika durch die Covid19-Pandemie erheblich eingeschränkt worden sind. Vor diesem Hintergrund rückt US-Sojaschrot bei den großen Importeuren, allen voran China, verstärkt als Alternative in den Fokus.

Sojaschrot-Kassamarkt

Sojaschrot LP (44/7) FOB

Parität/EUR/t

4/20

5/20

6-7/20

8-10/20

Rotterdam

-

358,00

338,00

319,00

Hamburg

373,00

356,00

336,00

317,00

Mainz

384,00

367,00

340,00

326,00

Straubing

411,00

384,00

362,00

341,00

Quelle: Handel

Mischfutterindustrie anfällig für Lieferunterbrechungen
Bei Sojabohnen und Sojaschrot ist wegen zurückgehender EU-Importe mit kleinerem Angebot in den nächsten Wochen zurechnen, wenn die Pandemie weiterhin anhält, wovon auszugehen ist. Dies wird sich im April in kleineren Schiffsankünften niederschlagen, hieß es beim Handel. Bei vergleichsweise geringen physischen Beständen ist die Mischfutterindustrie anfällig für Lieferunterbrechungen, dies gelte in Deutschland ebenso wie in Frankreich und Spanien. Insofern forderten die EU-Verbände COCERAL und FEDIOL die EU-Kommission auf, angesichts der zunehmenden Logistikprobleme Tierfutter in die Liste der wesentlichen Güter aufzunehmen. Diese Maßnahme wurde in Spanien, Italien und Belgien bereits eingeführt und sollte möglichst EU-weit Anwendung finden. 

Pflanzenöl-Kassamarkt

Pflanzenöl Kassamarkt (EUR/mt) 

Parität

Heute

Vortag

Sojaöl FOB Hbg.

710

705

Rapsöl FOB Hbg.

770

775

Palmöl CIF Rott. USD

600

630

Sonnenblumenöl USD FOB

685

685

Quelle: Handel

 

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