Sojabohnen: Sojaschrot geht durch die Decke

20. März 2020 um 14:52 , Der AUDITOR
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CHICAGO. FRANKFURT. Der Sojabohnenmarkt legte in den USA erneut kräftig zu. Die Sojaschrotpreise stiegen überraschend hoch an. China ist wieder am Markt, dass zeigte in den USA volle Wirkung. Das Desaster bei der US-Ethanolerzeugung stützte zusätzlich den Sojamarkt, ist die Branche dazu gezwungen, den Futterbestandteil DDGS durch Soja zu strecken. Der gefallene Eurokurs katapultierte den Sojaschrotpreis noch zusätzlich nach oben.

Der Sojamarkt zeigte deutlichen Aufwärtstrend. US-Sojabohnen stiegen in Chicago um 2,3 % auf 8,54 USD/Bushel. Den Kauf von 120.000 mt US-Sojabohnen Chinas feierte der US-Handel glatt als Comeback für den Phase-1-Deal. Die Coronavirus-Epidemie scheint sich in China zu stabilisieren. Dort sollen ab Mitte des Jahres die durch die Afrikanische Schweinepest (ASP) um 40 % dezimierten Schweinebestände wieder deutlich ansteigen und für Mehrnachfrage bei Sojabohnen führen. Das klingt in der Branche gut. Die Ankündigung, in den USA ein Konjunkturprogramm von 1 Billion US-Dollar für die krisengeschüttelte Wirtschaft bereitzustellen, findet positive Resonanz in der Wirtschaft. Von der Krise betroffene Unternehmen können innerhalb von zwei Wochen Schecks über 1.000 US-Dollar erhalten, wenn sie Umsatzausfälle durch die Covid-19- Pandemie nachweisen. Zudem profitiert der Sojakomplex von extrem niedrigen Ethanolpreisen, denn es wird wegen der Kursschwäche beim Rohöl weniger Ethanol produziert. Immer mehr Ethanolwerke müssen wegen hoher Verluste die Anlagen schließen. Deshalb sind Futtermittelbranche und viehhaltende Betriebe in den USA dazu gezwungen, den Futterbestandteil DDGS (Dried Distillers Grains with Solubles) durch Sojaschrot zu ersetzen. Dies erhöht die US-Inlandsnachfrage bei Soja.

Sojaschrot-Kassamarkt

Sojaschrot LP (44/7) FOB

Parität/EUR/t

4/20

5/20

6-7/20

8-10/20

Rotterdam

354,00

336,00

314,00

306,00

Hamburg

353,00

336,00

314,00

306,00

Mainz

358,00

344,00

323,00

314,00

Straubing

381,00

362,00

341,00

332,00

Quelle: Handel

Exportangebot Südamerikas und der USA ging temporär zurück
Zudem entwickelte sich beim Konkurrenten Brasilien der Sojabohnenexporte weniger rosig. Der wöchentliche Sojabohnenexport Brasiliens blieb wegen der Covid 19-Pandemie bis 9. März mit 1,9 Mio. mt um 22 % unter der Vorwoche. Offenbar fuhren auch Brasiliens und Argentiniens Sojaexporteure die Lieferungen temporär zurück, weil Hafenarbeiterstreiks wegen der Ansteckungsgefahr beim Covid9-Virus den Betrieb wie im Exporthafen Santos, wo Mais, Kaffee, Zucker und Soja verladen werden, stark beeinträchtigten. Seit gestern soll es Richtlinien im Umgang mit dem Virus geben. Sowohl in den USA, als auch in Brasiliens, brachen im März die Sojaexporte pandemiebedingt stark ein, was zu deutlich höheren Preisforderungen des hiesigen Handels bei Sojaschrot führte. Der auf unter 1,08 USD/EUR gefallene Eurokurs verteuerte zusätzlich die Importpreise für Sojabohnen und Sojaschrot. Dabei legte Sojaschrot (LP) heute in Hamburg tatsächlich um 19 EUR/mt bzw. 5,6 % auf 353 EUR/mt zu. Noch vor wenigen Tagen lag das Preisniveau unter 300 EUR/mt, was einen Preisanstieg von fast 18 % darstellte.

Pflanzenöl-Kassamarkt

Pflanzenöl Kassamarkt (EUR/mt) 

Parität

Heute

Vortag

Sojaöl FOB Hbg.

685

665

Rapsöl FOB Hbg.

790

790

Palmöl CIF Rott. USD

630

622

Sonnenblumenöl USD FOB

690

690

Quelle: Handel

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