Sojabohnen: Der Sojamarkt hamstert nach oben

24. März 2020 um 16:06 , Der AUDITOR
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CHICAGO. Der Sojabohnenmarkt legte in Chicago zwar eine Verschnaufpause ein. Aber die Marktargumente bleiben bullish, hieß es im Handel. Das Desaster bei der US-Ethanolproduktion lässt die DDGS-Vorräte stark absinken. In der Folge muss die Industrie auf Soja umschwenken. Das geplante 2 Billionen-US-Dollar-Konjunkturpaket fand im Senat bisher keine Zustimmung, was den Druck auf die US-Wirtschaft extrem erhöht. Die Ölmühlen registrieren für Sojaschrot Hamsterkäufe bei Mischfutterunternehmen. Die hiesige Futtermittelindustrie steht vor ähnlichen Problemen wie die Lebensmittelindustrie, für möglichst uneingeschränkte Liefersicherheit zu sorgen. Deshalb fordern COCERAL und FEDIOL die EU-Kommission auf, Tierfutter in die Liste der wesentlichen Güter aufzunehmen.

Der US-Sojabohnenmarkt brach im frühen Handel leicht ein, aber die bullishen Argumente dominierten dann doch die Szene. In den USA registrierte die Bevölkerung einen deutlichen Anstieg der durch Covid19-Virus infizierten Patienten, muss inzwischen jeder dritte Amerikaner zu Hause bleiben, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Dies könnte die Logistik der US-Wirtschaft hart treffen, wenn die Zahlen weiter steigen, mit Folgen auch für den Sojaexport, befürchtet der US-Handel. Sojabohnen profitieren vom Desaster bei der Maisverarbeitung zu Ethanol, weil eingebrochene Rohölpreise die Ethanolverarbeitung unrentabel machen. Der US-amerikanische Ethanolproduzent POET gab bekannt, dass er den Maiskauf an mehreren Standorten aufgrund der schwachen Biokraftstoff-Nachfrage ausgesetzt hat. Dadurch sinkt der Ausstoß von DDGS (Dried Distillers Grains with Solubles) und die Vorräte sinken, was die Kurse für US-Sojaschrot zusätzlich antreibt. Das geplante 2 Billionen-US-Dollar-Konjunkturpaket fand im Senat keine Zustimmung, weil die Maßnahme zu wenig Mittel für US-Bundesstaaten und Krankenhäuser enthielt, dagegen zu wenig Beschränkungen für Fonds, die US-Konzerne unterstützen, hieß es aus US-Brokerkreisen.

Sojaschrot-Kassamarkt

Sojaschrot LP (44/7) FOB

Parität/EUR/t

4/20

5/20

6-7/20

8-10/20

Rotterdam

357,00

357,00

329,00

315,00

Hamburg

370,00

356,00

335,00

317,00

Mainz

385,00

367,00

338,00

324,00

Straubing

411,00

384,00

380,00

366,00

Quelle: Handel

Südamerikas unsichere Exportsituation treibt den Sojamarkt
In Westeuropa registrieren die Ölmühlen inzwischen auch Hamsterkäufe für Sojaschrot bei Mischfutterunternehmen. Das Angebot ist derzeit nicht groß, treffen Schiffsladungen aus Brasilien und Argentinien wegen der Covid19-Pandemie reichlich verzögert ein, hieß es beim Handel. Die Tierbestände in den Veredlungszonen in Nordwestdeutschland, Holland und Dänemark, in Katalonien und in Nordwest-Frankreich, sind auf kontinuierliche Belieferung von Tierfutter angewiesen. Insofern forderten die EU-Verbände COCERAL und FEDIOL die EU-Kommission auf, angesichts der zunehmenden Logistikprobleme Tierfutter in die Liste der wesentlichen Güter aufzunehmen. Diese Maßnahme wurde in Spanien, Italien und Belgien bereits umgesetzt und sollte möglichst EU-weit Anwendung finden. „Die EU-Lebensmittelindustrie ist sich der Notwendigkeit einer strengen Politik zur Eindämmung der Verbreitung von Coronaviren in der EU bewusst. Gleichzeitig ist es notwendig, das Wohlergehen von Nutztieren zu gewährleisten und die Logistik so wichtiger Lebensmittel wie Milch, Fleisch und Eier während der durch COVID-19 verursachten Krise nicht zu stören “, sagte FEFAC-Präsident Nick Major gegenüber der Presse. Zudem treibt die unsichere Exportsituation in Südamerika aufgrund von Hafenarbeiterstreiks die Kurse. Sojaschrot (LP) legte um 17 bis 27 EUR/mt im Nachmittagshandel zu.

Pflanzenöl-Kassamarkt

Pflanzenöl Kassamarkt (EUR/mt) 

Parität

Heute

Vortag

Sojaöl FOB Hbg.

705

705

Rapsöl FOB Hbg.

775

780

Palmöl CIF Rott. USD

630

630

Sonnenblumenöl USD FOB

685

685

Quelle: Handel

 

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