Sojabohnen: Schwache Nachfrage Chinas verärgert US-Handel

20. Mai 2020 um 17:08 , Der AUDITOR
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CHICAGO. Der US-amerikanische Sojabohnenmarkt tendierte zuletzt schwächer, als sich weitere Importkäufe Chinas in den USA nicht bestätigten und Enttäuschung darüber beim US-Handel auslösten. Der Exportboom Brasiliens, nach 32 % Kurseinbruch des Real gegenüber dem US-Dollar, hinterlässt tiefe Spuren. Unklar bleibt, ob China nicht schon längst genügend Deckung bei Soja bis zum Spätsommer hat, überhaupt das Importtempo für US-Sojabohnen bis dahin aufrechterhalten kann. Die Trump-Regierung gab zusätzliche Finanzhilfen für US-Farmer bekannt. In Deutschland kochte das Thema Werksverträge bei Schlachtstätten hoch.

US-Sojabohnen entwickelten sich in Chicago am Nachmittag mit 8,46 USD/Bushel schwächer als gestern. Sojaschrot stieg um 0,6 %, Sojaöl sank nach Kursanstiegen der letzten Tage um 0,4 %. In den USA gab es neben dem Stand der Sojabohnenaussaat, die zu 53 % abgeschlossen war und einem schwachen Ergebnis der Exportinspektion von nur 352.189 mt, kaum neue Erkenntnisse am Markt. Seit Mitte Februar haben Chinas Händler erst 2,2 Mio. mt US-Sojabohnen gekauft. Damit liegen die Sojakäufe weit unter den Zielvorgaben aus dem Abkommen, hieß es. Das nur leicht verbesserte chinesische Nachfragetempo stütze zwar den Markt, bedarf jedoch einer stärkeren Bestätigung der Exportverkäufe, sagten Experten von TMF Intelligence Solutions. Dabei bewertete der US-Handel Brasiliens Exportdruck bei Soja als enorm. Ein Kurseinbruch des Real zum US-Dollar von 32 % ließ dieses Exporttempo nach China überhaupt zu. Laut Beratungsunternehmen DATAGRO haben brasilianische Farmer bereits 81 % der 2019-20 produzierten Sojabohnen verkauft, gut 20 % mehr als in den letzten Jahren. Auch für 2020-21 wären bereits ein Rekordwert von 28 % verkauft. 

Sojaschrot-Kassamarkt

Sojaschrot LP (44/7) FOB

Parität/EUR/t

5/20

6/20

7/20

8-10/20

Rotterdam

-

299,00

293,00

293,00

Hamburg

299,00

296,00

290,00

288,00

Mainz

311,00

306,00

301,00

301,00

Straubing

329,00

324,00

318,00

319,00

Quelle: Handel

Schluss mit Werksverträgen bei Schlachtunternehmen
In den USA erwäge US-Präsident Donald Trump, Handelsabkommen über Viehimporte in die USA zu beenden, um die US-Agrarwirtschaft zu stärken. Auch gab die Trump-Regierung bekannt, US-Farmer wegen pandemiebedingter Exportnachnachteile über Direkthilfen von 45 Cent/Bushel für Sojabohnen, 32 Cent/Bushel für Mais und 18 Cent/Bushel für Sommerweizen zusätzlich zu den bisherigen Hilfeleistungen zu unterstützen. Zudem erhalten Viehbetriebe über das Coronavirus Food Assistance Programm Zuschüsse für vom 15. Januar bis 15. April verkaufte Tiere. Auch gäbe es Zuschüsse für Tierbestände, die wegen Covid19-Pandemie zwischen 16. April und 14. Mai länger gehalten wurden, pro Schwein von 35 bis 45 US-Dollar, bei Rindern von 125 bis 247 US-Dollar. In Deutschland kochte das Thema Werksverträge bei Schlachtstätten hoch. Geplant ist laut Bundeskabinett unter anderem ein Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in der Fleischindustrie ab dem kommenden Jahr und höhere Bußgelder bei Verstößen gegen Arbeitszeitvorschriften. Das Schlachten und die Verarbeitung von Fleisch in Betrieben der Fleischwirtschaft soll demnach ab 1. Januar 2021 nur noch von Arbeitnehmern des eigenen Betriebes zulässig sein.

Pflanzenöl-Kassamarkt

Pflanzenöl Kassamarkt (EUR/mt) 

Parität

Heute

Vortag

Sojaöl FOB Hbg.

725

720

Rapsöl FOB Hbg.

830

830

Palmöl CIF Rott. USD

537

520

Sonnenblumenöl USD FOB

765

740

Quelle: Handel

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