Sojabohnen: Phase-1-Deal steht wohl auf der Kippe

6. Mai 2020 um 15:56 , Der AUDITOR
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CHICAGO. Am US-amerikanischen Sojabohnenmarkt sorgt das vorsichtige Anfahren der US-Schlachtbetriebe für wieder mehr Zuversicht, was die Futtermittennachfrage auch nach Soja angeht. Doch der US-Sojaexport nach China klemmt gewaltig. Im April soll Brasilien über 16 Mio. mt Sojabohnen mit hohem Anteil nach China verladen haben. Die US-Exporteure gingen dabei nahezu leer aus. Argentiniens spät gesäte Sojabohnen fallen beim Ertrag ab.

US-Sojabohnen konnten bis zum Nachmittag in Chicago um 0,7 % auf 8,38 USD/Bushel aufholen. Sojaschrot legte um 1,1 % zu, Sojaöl sank um 1,6 %. Die Nachrichtenlage blieb gemischt. US-amerikanischen Schlachtbetriebe nehmen ihre Arbeit langsam wieder auf. Tyson Foods Inc wird morgen die Produktion im größten US-amerikanischen Schweinefleischwerk in Waterloo (Iowa) wieder anfahren, hieß es. Die US-Großhandelskette Costco Wholesale hatte am Montag mitgeteilt, den Verkauf von Fleischartikel an Kunden begrenzen zu müssen, da massive Engpässe bei der Fleischversorgung drohten. Auch in den USA schwenkt die Trump-Regierung auf Lockerungen beim Lockdown um. Laut US-Handelsministerium stieg das Handelsbilanzdefizit im April um 11,6 % auf 44,4 Mrd. US-Dollar, dem schlechtesten Ergebnis seit Dezember 2018. USA und Großbritannien haben formelle Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen aufgenommen, bei dem auch US-Agrarerzeugnisse im Vordergrund stehen. Schwierig bleibt die Exportentwicklung von US-Sojabohnen nach China. Dabei hatte hat der US-Sojamarkt gestern von Importkäufen Chinas über 136.000 mt für 2019-20 und 242.000 mt für die neue Kampagne profitiert. Aber US-Broker legten dar, dass China im April kaum nennenswerte Mengen an US-Sojabohnen abgenommen hätten, Brasilien hingegen im April mit 16,3 Mio. mt Sojabohnen einen neuen Monatsrekord aufgestellt hätte, wovon ein Großteil in Richtung China ging.

Sojaschrot-Kassamarkt

Sojaschrot LP (44/7) FOB

Parität/EUR/t

5/20

6/20

7/20

8-10/20

Rotterdam

-

302,00

296,00

296,00

Hamburg

310,00

299,00

292,00

290,00

Mainz

331,00

311,00

304,00

306,00

Straubing

347,00

327,00

320,00

319,00

Quelle: Handel

Argentiniens spät gesäte Sojabestände fallen beim Ertrag ab
Für Spannung am Markt sorgten Androhungen der Trump-Regierung, Importzölle auf chinesische Einfuhren zu erhöhen, um China für die zögerliche Erfüllung des Phase1-Abkommens abzustrafen. Fachleute gehen inzwischen davon aus, dass der Phase-1-Deal dadurch bald platzen dürfte. In Argentinien geht die Sojabohnenernte mit gutem Tempo voran, war am vergangenen Freitag die Ernte zu 68 % geborgen. Vom Experten Dr. Michael Cordonnier hieß es, dass die spät gesäten Sojabestände niedrigere Erträge aufwiesen, was auf eine leichte Abwärtskorrektur der Argentinien Sojaernte hindeuten dürfte. Noch immer hat das Land mit historisch niedrigen Wasserständen auf dem Parana-Fluss zu kämpfen, was zu verminderten Ladegewichten zwingt. Die Sojaschrotpreise legten in Holland und Westdeutschland um gut 2 EUR/mt zu.

Pflanzenöl-Kassamarkt

Pflanzenöl Kassamarkt (EUR/mt) 

Parität

Heute

Vortag

Sojaöl FOB Hbg.

685

685

Rapsöl FOB Hbg.

795

795

Palmöl CIF Rott. USD

530

530

Sonnenblumenöl USD FOB

720

720

Quelle: Handel

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