Sojabohnen: Peking überrascht den Markt

3. Juni 2020 um 15:51 , Der AUDITOR
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CHICAGO. Der US-amerikanische Sojabohnenmarkt zeigte einen unerwartet hohen Kursanstieg in Chicago. Obwohl Peking seinen Handel aufgefordert hatte, wegen des Hongkong-Konflikts keine Sojabohnen mehr in den USA zu kaufen, kam es doch anders. Die US-Dollarschwäche machte US-Sojabohnen selbst in China wieder konkurrenzfähig. Auch EU-Importeure profitieren von niedrigen Preisen für Sojabohnen und Sojaschrot.

US-Sojabohnen tendierten in Chicago am Nachmittag mit 8,54 USD/Bushel um 1,1 % fester als gestern. Sojaschrot legte um 0,1 % zu, Sojaöl stieg um 1,6 %. Der Kursanstieg bei US-Sojabohnen kam heute doch etwas überraschend, nachdem Peking auf die Aberkennung des Handel­ssonderstatus in Hongkong durch die USA den chinesischen Handel aufforderte, keine Sojabohnen und auch kein Mais, Weizen und Schweinefleisch mehr aus den USA zu importieren. Nun kam es aber trotzdem am letzten Freitag und Dienstag zu Sojakäufen Chinas. Heute wurde bekannt, dass China noch drei bis fünf Sojabohnen-Schiffsladungen in den USA bestellt hatte, was die Terminkurse in Chicago nach oben trieb. Ähnliche Käufe hatte es auch vor dem Zoll-Konflikt mit China gegeben. Dabei blieb der US-Handel zuversichtlich, dass die Nachfrage nach US-Sojabohnen stabil bleibt. Brasiliens Real wäre deutlich gestiegen, die Schwäche beim US-Dollar mache US-Sojabohnen gegenüber südamerikanischer Konkurrenz sehr wettbewerbsfähig. Zuletzt kursierten Gerüchte darüber, dass Brasilien im Mai wegen des Kurseinbruchs beim Real gut 15,5 Mio. mt Sojabohnen exportiert hätte, was 55 % über dem Vorjahr liegen würde, sagten Experten von Brugler Marketing & Management. Entsprechende Zolldaten aus Brasilien lagen aber noch nicht vor. Das würde bedeuten, dass Brasilien von Januar bis Mai insgesamt 45 Mio t Sojabohnen exportiert hat. Brasilien erntete 124 Mio. mt Sojabohnen, zur kommenden Ernte 2021 werden 131 Mio. erwartet.

Sojaschrot-Kassamarkt

Sojaschrot LP (44/7) FOB

Parität/EUR/t

6/20

7/20

8/20

9-10/20

Rotterdam

-

288,00

286,00

288,00

Hamburg

289,00

286,00

283,00

284,00

Mainz

297,00

296,00

293,00

295,00

Straubing

319,00

317,00

314,00

314,00

Quelle: Handel

US-Dollar-Schwäche verbilligt US-Sojaschrot
In den USA steht die neue Sojabohnen-Ernte im Fokus, die mit 112,3 Mio. mt das Vorjahresergebnis von nur 96,8 Mio. mt um 16 % übertreffen dürfte, wenn das Wetter mitspielt. Für den Handel ist das Kursverhältnis von US-Dollar zum Eurokurs wichtig. Sojaimporteure in der EU profitieren derzeit von einem gestiegenen Eurokurs, wodurch Sojaschrot sehr günstig angeboten werden kann. Ob der Preis noch weiter fällt, hängt auch von der Kursentwicklung des Eurokurses ab. Die Frage bleibt dabei, ob sich die Wirtschaft in den USA oder in der EU nach der ersten Corona-Welle wieder schneller erholen kann. Derzeit verspricht die EU eine schnellere Genesung, aber auch nur dann, wenn die Infektionsraten bei Covid19 niedrig bleiben.

Pflanzenöl-Kassamarkt

Pflanzenöl Kassamarkt (EUR/mt) 

Parität

Heute

Vortag

Sojaöl FOB Hbg.

740

720

Rapsöl FOB Hbg.

833

825

Palmöl CIF Rott. USD

595

565

Sonnenblumenöl USD FOB

785

775

Quelle: Handel

 

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