Sojabohnen: Gestiegener Eurokurs setzt Soja unter Druck

2. Juni 2020 um 15:36 , Der AUDITOR
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CHICAGO. Der US-amerikanische Sojabohnenmarkt bröckelte weiter ab. Die Bedingungen für die US-Sojabohnenaussaat waren nahezu optimal, jetzt soll trockenwarme Witterung das Pflanzenwachstum beschleunigen. Der NOPA-Crush-Report zeigte ein gutes Ergebnis. Das Gesprächsklima zwischen USA und China im Konflikt über die Sonderverwaltungszone Hongkong hat sich verschärft, was US-Sojaexporte nach China schwieriger macht. EU-Importe an Sojabohnen und Sojaschrot profitieren vom gestiegenen Eurokurs.

US-Sojabohnen tendierten in Chicago am Nachmittag mit 8,44 USD/Bushel nahezu unverändert zu letztem Freitag. Sojaschrot blieb nahezu stehen, Sojaöl stieg um 2,0 %, was der Kassamarkt bei Sojaöl in Hamburg jedoch nicht wiedergab. In den USA war die Sojaaussaat zu 75 % abgeschlossen, gut 7 % über dem vierjährigen Mittel. Dabei profitierten die jungen US-Sojabohnenbestände insbesondere im westlichen Teil des Corn Belts von trockenwarmem Wetter. Der NOPA-Crush-Report zeigte, dass der Soja-Crush im April bei 183,4 Mio. Bushel lag, was über die Handelserwartungen hinausging und den Vorjahreswert um 6,8 % überstieg. Weil sich das Gesprächsklima zwischen USA und China im Konflikt über die Sonderverwaltungszone Hongkong verschärft hatte, Washington die Liefervereinbarungen mit Peking einschränken und mehr Zollkontrollen einleiten will, Peking zuletzt US-Schweinefleisch-Bestellungen stornierte, könnte der US-Sojamarkt weiter unter Druck geraten. Die Käufe Chinas letzte Woche über 10 Schiffs-Ladungen brasilianischer Sojabohnen hatte ohnehin die Situation belastet. Dass China gestern trotzdem 180.000 mt US-Sojabohnen gekauft hat, obwohl Peking den Handel angewiesen hatte, keine Sojabohnen und auch nicht Sojabohnen in den USA mehr zu kaufen, steht wohl auf einem anderen Blatt.

Sojaschrot-Kassamarkt

Sojaschrot LP (44/7) FOB

Parität/EUR/t

6/20

7/20

8/20

9-10/20

Rotterdam

-

290,00

287,00

288,00

Hamburg

290,00

284,00

284,00

286,00

Mainz

301,00

299,00

296,00

297,00

Straubing

321,00

318,00

315,00

316,00

Quelle: Handel

Soja-Exportboom Brasiliens dürfte etwas abflachen
Sojaimporteure in der EU profitieren derzeit von durchgängig niedrigem Preisniveau bei Soja, was durch hohe Ernteerwartungen in den USA, begrenzter Nachfrage Chinas für US-Sojabohne und einem gestiegenen Eurokurs zunehmen günstiger angeboten werden kann. Ob der Preis noch weiter fällt, hängt vorerst vor allem mit der Kursentwicklung vom Eurokurs zum US-Dollar ab. Experten gehen davon aus, dass Brasilien von Januar bis Mai insgesamt 40 Mio. mt Sojabohnen exportiert hat. Dies wäre ein neuer Rekord, besonders dem schwachen Real-Kurs geschuldet. Die letzten Tage hat der Real jedoch wieder deutlich im Wert gewonnen. Für lebhaftere Sojanachfrage  sprechen gute Preise für Schweine- und gestiegene für Rindfleisch, die wieder höhere Vieh-Aufstallungen unterstützen, hieß es aus Nordwestdeutschland. Die nahende Sommer-Urlaubssaison dürfte die Umsätze im Gastro-Bereich langsam steigern, wollen viele Deutsche diesmal mehr Urlaub zuhause oder im eigenen Land machen.

Pflanzenöl-Kassamarkt

Pflanzenöl Kassamarkt (EUR/mt) 

Parität

Heute

Vortag

Sojaöl FOB Hbg.

720

725

Rapsöl FOB Hbg.

825

836

Palmöl CIF Rott. USD

565

565

Sonnenblumenöl USD FOB

775

785

Quelle: Handel

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