Sojabohnen: Brasilien bedient Chinas eingebrochene Nachfrage

16. April 2020 um 15:57 , Der AUDITOR
Bericht als Audio abspielen

CHICAGO. Die Sojabohnenmärkte zeigen klare Trends: Erstens geht die Nachfrage nach Sojabohnen in China deutlich zurück. Zweitens kauft China preiswerter Bohnen in Brasilien als in den USA. Drittens bricht gerade die Sojanachfrage auch in den USA durch geringeren Fleischkonsum erheblich ein. Viertens verbessert Argentinien gerade die Logistik, um wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Die Covid19-Pandemie hinterlässt tiefe Spuren auf den US-amerikanischen und brasilianischen Fleischexportmärkten. Der Nachfragerückgang in China lässt nur vermuten, dass die Covid19-Pandemie dort viel schlimmer ist, als dort zugegeben wird.

Der Sojakomplex tendierte mit Ausnahme von Sojaschrot schwächer. Sojabohnen sanken in Chicago um 0,6 % auf 8,43 USD/Bushel. US-Sojaschrot stieg am Mittag um 0,8 %, Sojaöl verlor in Chicago um 1,2 %.Der NOPA-Crush wurde mit 181,37 Mio. Bushel deutlich über der Handelsschätzung von 175,16 Mio. Bushel gemeldet und übertraf den bisherigen Rekord von 176,94 Mio. Bushel. Der Wochenexport lag für 2019-20 mit 244.700 mt US-Sojabohnen um 68 % unter, für 2020-21 mit 525.000 mt um 9 % über dem vierwöchigen Mittel. Für mächtigen Druck sorgte die Misere beim US-Fleischabsatz, der im März um 30 % wegen Covid19 zurückgegangen war. Schlachtreife Schweine werden in den USA nicht abgenommen, da der Fleischkonsum fehlt. Smithfield Foods, das weltgrößte Schweineschlachtunternehmen, gab Ostern die unbefristete Schließung eines seiner größten US-Werke in North Dakota bekannt. Die US-Fleischindustrie hatte aufgrund der Afrikanischen Schweinepest in China die Produktion in Erwartung zunehmender Einkäufe dorthin erheblich ausgeweitet. Massive Quarantäneauflagen, zuerst in China, dann in den USA, verringerte jedoch die Nachfrage nach Schweinefleisch in beiden Ländern. So hat die Einschränkung der US-Fleischproduktion unmittelbare Auswirkungen auch auf Sojaschrot.

Sojaschrot-Kassamarkt

Sojaschrot LP (44/7) FOB

Parität/EUR/t

4/20

5/20

6-7/20

8-10/20

Rotterdam

-

-

304,00

299,00

Hamburg

341,00

327,00

302,00

298,00

Mainz

365,00

342,00

311,00

307,00

Straubing

405,00

381,00

345,00

335,00

Quelle: Handel

China wird weniger Soja importieren
Dabei importiert China viel weniger Sojabohnen als erwartet. Im März sind Pekings Sojaimporte zum Vorjahresmonat um 13 % auf 4,28 Mio. mt gesunken. Tao Wang, UBS Economist, prognostizierte für das zweite Quartal einen Exportrückgang nach China um 20 % gegenüber dem Vorjahr und für das 2020 um 12 %, weil die Folgen der Covid19-Pandemie noch lange nicht überwunden wären. Aber Brasiliens Sojaexport boomt, erwarten US-Broker, dass Brasiliens Sojabohnenexporte im April fast 13 Mio. mt erreichen werden. In den ersten beiden Aprilwochen exportierte Brasilien 6,3 Mio. mt Sojabohnen. Niedrige Exportpreise von 340,70 USD/mt Fob Santos für brasilianische Bohnen im Vergleich zu 349,50 USD/mt Fob US-Golf für US-Bohnen waren zuletzt die Gründe, hieß es. In Argentinien wurde durch die Vertiefung von Flüssen und Wiederherstellung des Binnenschifffahrtsverkehrs die Logistik der Sojabohnenlieferungen an Häfen verbessert, was die Exporte von Sojabohnen und Sojabohnenmehl auch von dort wieder erhöhen wird. In der Ukraine lagen die Preise für Sojabohnen bei 360 bis 365 USD/mt.

Pflanzenöl-Kassamarkt

Pflanzenöl Kassamarkt (EUR/mt) 

Parität

Heute

Vortag

Sojaöl FOB Hbg.

705

705

Rapsöl FOB Hbg.

798

801

Palmöl CIF Rott. USD

608

608

Sonnenblumenöl USD FOB

738

738

Quelle: Handel

Dies könnte Sie ebenfalls interessieren

zur Nachrichten-Übersicht
Ölsaaten
10.06.2026
KYJIW/SOFIA. In der Ukraine haben die Bauern die Aussaat für die kommende Ernte nahezu abgeschlossen. In Bulgarien bleiben die Preise stabil. EU-Länder haben in dieser Saison mehr als eine halbe Million Tonnen Sonnenblumenkerne aus Argentinien importiert.
Ölsaaten
10.06.2026
PRAG/BRÜSSEL. In Anbetracht der tschechischen Mohnernte 2026 zeigen sich Marktteilnehmer vorsichtig optimistisch. Geringe Bestände stützen die Preise. Die EU-Exporte legten zum Ende der Saison noch einmal zu.
Nüsse
08.06.2026
NEU-DELHI/WASHINGTON. Indische Händler wollen sich von ihren Beständen trennen. In den USA ist die Aussaat für die Ernte 2026 fast abgeschlossen, es wird eine geringere Ernte erwartet.
Ölsaaten
04.06.2026
NEU-DELHI/ADDIS ABEBA. In Indien bleibt der Sesammarkt weitgehend fest. In Äthiopien steht indes die Aussaat der neuen Ernte bevor. Südkoreas Importe gingen leicht zurück, die Preise bleiben nahezu stabil.