Senfsaat: Skeptischer Blick auf Anbauprognose

13. April 2026 um 14:55 , Der AUDITOR
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OTTAWA/BRÜSSEL. Die offizielle Anbauprognose für die kanadische Senfsaatsaison 2026/2027 ist mit einem Plus von 36% gegenüber dem Vorjahr eher positiv. Marktteilnehmer stehen diesen Schätzungen jedoch eher skeptisch gegenüber. Kanada und Russland sind die wichtigsten Senfsaatlieferanten für EU-Abnehmer.

Canola statt Senfsaat?

Marktteilnehmer zeigen sich skeptisch gegenüber den Anbauprognosen für die Saison 2026/2027. Agriculture and Agri-Food Canada hatte in seinem letzten Bericht angegeben, dass in diesem Jahr fast 200.000 ha mit Senfsaat besät werden könnten, das wäre ein Plus von 36% gegenüber dem Vorjahr. Senfsaat ist in Kanada allerdings nur ein Nischenprodukt und Experten wie Rayglen Commodities rechnen aufgrund der vergleichsweise hohen Preise für Canola eher damit, dass in diesem Jahr mehr kanadischer Raps zu Lasten von eben jenen kleineren Rohstoffen angebaut werden könnte. Es bleibt daher abzuwarten, wie groß die Fläche in diesem Jahr tatsächlich ausfällt.

Was hier berücksichtig werden sollte ist allerdings, dass Kanada – nicht zuletzt aufgrund des Krieges in der Ukraine und der Sanktionen gegen Importe aus Russland – für die EU aktuell der wichtigste Senfsaatlieferant ist und zusammen mit Kasachstan mehr als die Hälfte der EU-Gesamtimporte abdeckt. Zudem lägen die potenziellen knapp 200.000 ha in diesem Jahr noch immer weit unter den Anbauflächen der Vorjahre (2022 bis 2024: 224.500-257.800 ha). Die Preise für gelbe Senfsaat bleiben im kanadischen Markt weitgehen stabil und liegen wie in der Vorwoche bei 0,37 CAD/lb, während braune Senfsaat bei 0,30-0,32 CAD/lb notiert. 

Senfsaat, Kanada

2024/25

2025/26

Diff.

2025/26

2026/27

Diff.

Bestellt (ha)

245.000

146.000

-40,4%

146.000

198.000

35,6%

Abgeerntet (ha)

243.000

145.000

-40,3%

145.000

193.000

33,1%

Ertrag (mt/ha)

0,79

0,97

22,8%

0,97

0,79

-18,6%

Produktion (mt)

192.000

140.000

-27,1%

140.000

152.000

8,6%

Importe (mt)

8.000

9.000

12,5%

9.000

9.000

0,0%

Gesamtbestände (mt)

288.000

292.000

1,4%

292.000

306.000

4,8%

Exporte (mt)

91.000

95.000

4,4%

95.000

95.000

0,0%

Inlandsverbrauch (mt)

54.000

52.000

-3,7%

52.000

51.000

-1,9%

Überhangbestände (mt)

143.000

145.000

1,4%

145.000

160.000

10,3%

Ø Preis in CAD/mt

860

890

3,5%

890

900

1,1%

Quelle: Agriculture and Agri-Food Canada

Sorge vor Kreuzkontamination

Die mögliche Zulassung eines neuen, gentechnisch veränderter (GVO) Senf-Canola-Hybrids, welcher auch in heißem, trockenem Wetter gut gedeihen soll, bereitet einigen kanadische Senfbauern derweil Sorge, wie Reuters berichtet. Grund sei die mögliche Kreuzkontamination durch Pollenflug und Bienenbestäubung bei benachbarten Feldern. Die Pflanzen sehen den Senfpflanzen sehr ähnlich und gehören der gleichen Pflanzengattung (Brassica juncea) an, weshalb eine gegenseitige Befruchtung grundsätzlich möglich sei.

Kanadische Senfsaathändler fürchten sich nun vor einer Wiederholung des Leinsaatskandals von 2009. Spuren von gentechnisch verändertem Material waren bei Lieferungen in die EU nachgewiesen worden, was den kanadischen Leinsaathandel seine damalige quasi-Monopolstellung in der EU kostete und wovon sich der Markt bis heute nicht erholt hat. Russland und Kasachstan haben die damals entstandene Lücke nur zu gerne gefüllt und ihren Leinsaatanbau über die Jahre drastisch ausgebaut.

Laut Reuters haben sich ausländische Abnehmer bislang nicht dazu geäußert, wie sie reagieren werden, falls Spuren von GVO in Senfsaatlieferungen aus Kanada auftreten sollten. Frankreich beispielsweise bezieht etwa die Hälfte seiner Senfsaatimporte aus Kanada. Die meisten Verträge enthalten eine Verpflichtung zur GVO-Freiheit. Ein französisches Gesetz begrenzt den Anteil von GVO in Lebensmitteln, doch die Festlegung der zulässigen Spuren liegt größtenteils im Ermessen des Abnehmers. 

Stabiler Markt

Im europäischen Spotmarkt liegen die Preise für gelbe Senfsaat aus Moldawien weiterhin auf einem Niveau von etwa 780-800 EUR/mt DDP Deutschland. Für Ware aus Kasachstan liegen die Notierungen derweil bei 760 EUR/mt DAP. 

Senfsaat, 99,95% Reinheit

Sorte/Ursprung

EUR/mt

gelb, Moldawien, DDP Deutschland

780-800

gelb, Kasachstan, DAP Deutschland

760

Quelle: Handel

EU-Importe bleiben deutlich über Vorjahr

Die Senfsaatimporte in die EU legen weiter zu. Zwischen dem 01.07.2025 und dem 05.04.2026 wurden laut den Daten der Europäischen Kommission insgesamt 68.572 mt Senfsaat aus Drittstatten importiert, das sind 14,4% mehr als letztes Jahr um diese Zeit. Der Einfuhrwert belief sich im oben genannten Zeitraum auf 40,734 Mio. EUR (-8%), der durchschnittliche Importpreis ist gegenüber dem Vorjahreszeitrau um 20,3% auf 0,59 EUR/kg gesunken.

Die Importe aus Kanada belaufen sich bislang auf 18.209 mt, das entspricht einem Plus gegenüber dem Vorjahr von 3,8%, und auch die Einfuhren aus weiteren wichtigen Ursprüngen wie Kasachstan und Russland legten um 111,9% auf 16.977 mt bzw. um 22,5% auf 13.271 mt zu. Rückläufig waren hingegen die Lieferungen aus der Ukraine (-43,1% auf 12.143 mt), Moldawien (-41,9% auf 992 mt) und Indien (-37,6% auf 146 mt).

Der wichtigste Abnehmer innerhalb der EU ist derzeit Polen, das Land hat nicht nur seine Einfuhren im Jahresvergleich um 51,1% auf 22.380 mt gesteigert, sondern macht auch knapp ein Drittel der EU-Gesamtimporte aus. Und auch Belgien hat mit 18.800 mt seine Importe um 109,4% erhöht. Im Gegensatz dazu gingen die Lieferungen nach Deutschland (-34,1% auf 13.380 mt) im oben genannten Zeitraum zurück. 

EU-Import Senfsaat in mt

Partner

2024/25

2025/26

Diff.

Kanada

17.535

18.209

3,8%

Kasachstan

8.012

16.977

111,9%

Russland

10.837

13.271

22,5%

Ukraine

21.359

12.143

-43,1%

Brasilien

0

6.695

n.v.

Moldawien

1.706

992

-41,9%

Indien

234

146

-37,6%

Großbritannien

11

90

718,2%

Türkei

3

22

633,3%

Belarus

176

20

-88,6%

Andere

44

7

-84,1%

Gesamt

59.917

68.572

14,4%

Quelle: DG AGRI TAXUD Customs Surveillance System, 01.07.-05.04.

12075090 Senfsamen, auch geschrotet (ausg. zur Aussaat)

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