Pandemie: COVID-19 hat die selbsternannten Republiken erreicht

2. April 2020 um 07:53 , Der AUDITOR
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LUGANSK. Ein persönlicher Erfahrungsbericht von Mundus Agri Korrespondenten, die in den betroffenen Regionen leben, über die Lage auf dem nicht von der Ukraine kontrollierten Territorium.

Am 28. März 2020 meldete der Staatliche sanitär-epidemiologische Dienst den ersten Infektionsfall mit COVID-19 in der Volksrepublik Lugansk.  Davor hatte die Regierung der Republik keine strengen Maßnahmen ergriffen. Bisher wurden keine drastischen Quarantäne-Maßnahmen eingeleitet, aber die neuen Umstände zwingen die Regierung, schnell zu handeln. 

Seit dem 30. März wurde der Schulunterricht für die Schüler aller Städte auf dem nicht anerkannten Territorium auf Fernunterricht umgestellt, wodurch sich das Ende des Schuljahres vom 25. Mai auf den 1. Juli verschiebt. Cafés, Restaurants und Clubs wurden geschlossen, ebenso bleiben Märkte und Läden, die nicht zum Lebensmittelhandel gehören, einen Monat lang geschlossen. Eine Sonderkommission zur Verhinderung einer Epidemie ließ sogar Notare, Büros für technische Inventur und Standesämter ihre Tätigkeit einstellen. Einige Unternehmen schickten bereits ihre Arbeitnehmer ins Home-Office oder stellten auf Schichtarbeit um, die meisten Einwohner gehen jedoch wie üblich an ihren Arbeitsplatz. 

Landwirte des nicht von der Ukraine kontrollierten Territoriums setzen die Aussaat von Getreide und Hülsenfrüchten fort. Einige Landwirtschaftsbetriebe beginnen, Futterkulturen und Industriepflanzen zu säen. Die Aussaat von Koriander ist bereits abgeschlossen. 

Nach vermehrten Hamsterkäufen kam es in einigen Städten der Republik zu Lebensmittelengpässen. Die Lieferanten passten sich jedoch schnell der neuen Situation an und beschleunigten die Lieferung von Lebensmitteln. Heute gibt es genug Lebensmittel, allerdings sind die Preise aufgrund des Hypes deutlich gestiegen. Die gleiche Situation ist auch in den Apotheken zu beobachten. Mundschutzmasken fehlen entweder ganz oder werden zu überteuerten Preisen von 60 RUB./St. verkauft. Die Regierung arbeitet jedoch an der Lösung für dieses Problem. Einige Fabriken wurden angefragt, in kürzester Zeit genug Mundschutzmasken zum Preis von 20 RUB./St. zu produzieren. Schlaue Unternehmer wollten sich den fetten Happen nicht entgehen lassen und begannen, wiederverwendbare Mundschutzmasken zu nähen, die über 100 RUB./St. kosten. 

Die Einwohner der Republik nehmen unterschiedliche Positionen ein. Einige glauben nicht daran, dass es einen Virus gibt, leben weiterhin im gleichen Rhythmus, ohne die Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten. Einige wiederum bevorzugen es, wachsam zu sein, und halten je nach Möglichkeit alle Sicherheitsmaßnahmen ein. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Regierung der Republik an den Erfahrungen aus Russland orientiert und eine strikte Quarantäne einführt, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. 

Der Güterverkehr mit Russland wurde bislang nicht ausgesetzt und der Vorsitzende des staatlichen Zollausschusses der Republik versichert, dass die Lebensmittel für alle reichen. Die Menschen, die durch die Erfahrungen von 2014 geprägt sind, haben jedoch bereits begonnen, sich mit dem Nötigsten wie Zucker, Grütze, Nudeln, Mehl, Öl usw. einzudecken.

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