Knoblauch: Große Ernten in China und Spanien
24. Juni 2026 um 15:18 ,
Der AUDITOR
Überwiegend gute Qualität
Der globale Knoblauchmarkt startet mit einer insgesamt guten Versorgungslage in die neue Saison. In vielen wichtigen Anbauländern steigen die Erträge dank günstiger Witterungsbedingungen und größerer Anbauflächen. Gleichzeitig sorgen hohe Verfügbarkeiten, insbesondere aus China, sowie umfangreiche Lagerbestände in zahlreichen Märkten für anhaltenden Preisdruck. Während die Qualität vielerorts als gut bis sehr gut beschrieben wird, bleiben Nachfrage und Vermarktung in mehreren Regionen hinter den Erwartungen zurück; das berichten die Experten von FreshPlaza in ihrem aktuellen Branchenupdate.
Rekorderträge in Spanien
Die Frühknoblauchernte in Spanien steht kurz vor dem Abschluss und fällt sowohl bei Erträgen als auch bei Qualität sehr positiv aus. Auch die Knollengrößen liegen über dem Vorjahresniveau. Die Anbaufläche nahm 2026 laut dem spanischen Landwirtschaftsministerium um 4 bis 5% zu. Begünstigt wurde die Entwicklung durch günstige Wetterbedingungen während der gesamten Ernteperiode.
Die Vermarktung bleibt jedoch schwierig. Hohe Preise in der vergangenen Saison führten zu verstärkten Importen aus China und Ägypten. Aufgrund hoher Lagerbestände wird chinesischer Knoblauch laut einem Vertreter der spanischen Knoblaucherzeuger und -exporteure zu Preisen verkauft, die unter den spanischen Produktionskosten liegen. Gleichzeitig berichtet er, dass bis März noch ungewöhnlich große Mengen aus der Vorjahresernte eingelagert waren. Für die bevorstehende Ernte des violetten Knoblauchs werden erneut sehr große Knollen und eine hohe Qualität erwartet, die Ende des Monats zum Verkauf bereitstehen sollen.
Hohe Lagerbestände bremsen den Absatz in Italien
Auch der italienische Markt leidet unter einem großen Angebot importierter Ware. Ein Erzeuger und Händler aus Süditalien berichtet gegenüber FreshPlaza, dass vor allem Knoblauch aus Ägypten und Argentinien zu sehr niedrigen Preisen angeboten wird. Ägyptischer Knoblauch kostet teilweise weniger als 1,00 EUR/kg. Da die Ware den Verbraucherpräferenzen häufig nicht entspricht, bleiben dennoch große Mengen unverkauft. Zusammen mit Restbeständen spanischer Ware aus der Vorsaison verlangsamt dies den Handel erheblich. Nach Einschätzung des Händlers liegt der Verbrauch derzeit zwei bis drei Monate hinter dem üblichen Niveau zurück. Solange die Bestände nicht abgebaut sind, wird die Vermarktung der neuen italienischen Ernte erschwert, die sich bereits in der Ernte-, Verarbeitungs- und Lagerungsphase befindet.
Der Vorsitzende einer großen Genossenschaft in Norditalien bewertet die Ernteaussichten für 2026 dennoch positiv. Die Pflanzenentwicklung verlief kräftig und die bereits geernteten frühen Sorten erzielten gute Erträge. Gleichzeitig verweist er auf sinkende Anbauflächen infolge von Krankheiten, Arbeitskräftemangel und klimabedingten Produktionsproblemen.
Frankreich, Niederlande und Deutschland: Gute Versorgung belastet die Preise
In Frankreich beginnt die Knoblauchsaison früher als üblich. Warme Frühlingstemperaturen beschleunigten die Entwicklung der Bestände. Die Produktion dürfte insgesamt ein normales Niveau erreichen, bei überwiegend guter Qualität und zufriedenstellenden Erträgen. Gleichzeitig beobachtet die Branche einen wachsenden Anteil preisgünstiger Produkte im Handel, was den Preisdruck entlang der Wertschöpfungskette erhöht.
In den Niederlanden entwickelt sich der Markt saisonüblich ruhig. Das Angebot gilt als ausreichend. Niederländische Erzeuger haben inzwischen mit der Ernte von frischem Knoblauch begonnen. Gleichzeitig beobachten Marktteilnehmer die Wetterentwicklung aufmerksam, da hohe Temperaturen die Lagerfähigkeit der aktuell geernteten Ware beeinträchtigen könnten. Die Preise für frischen Knoblauch befinden sich auf niedrigem Niveau. Deutlich fester zeigen sich dagegen die Preise für geschälten Knoblauch.
Auch in Deutschland wird der Markt weiterhin von hohen Beständen älterer Ware geprägt, was die Preise unter Druck setzt. Ein deutscher Importeur berichtet zudem, dass bei chinesischem Knoblauch nach starken Niederschlägen vermehrt Schimmelflecken auftreten. Dadurch sind aufwendigere Sortier- und Schälprozesse erforderlich, um die europäischen Qualitätsstandards zu erfüllen. Laut dem Importeur hat dies bereits zu Preissteigerungen von rund 170 EUR/mt geführt. Gleichzeitig sieht er bei der Nachfrage weiterhin Wachstumspotenzial.
Schwache Nachfrage trotz ausreichender Versorgung in Nordamerika
Die Versorgung des nordamerikanischen Marktes ist insgesamt gut. In Mexiko blieben die Erträge trotz großer Anbauflächen hinter den Erwartungen zurück. Als Ursachen werden Probleme bei der Saatgutqualität sowie fehlende Kälteperioden nach der Pflanzung genannt. Die Preise stehen hier unter Druck. Hohe Lagerbestände, zusätzliche Lieferungen aus Südamerika und illegal eingeführter chinesischer Knoblauch erhöhten das Angebot. Gleichzeitig führten hohe Temperaturen zu geringeren heimischen Erträgen.
Die erwarteten Auswirkungen der geringeren mexikanischen Produktion werden durch sehr gute Erträge in Spanien teilweise ausgeglichen. Auch Ägypten und die Türkei liefern Ware in den nordamerikanischen Markt. In Kalifornien beginnt die Ernte, die Erträge sollen auf Vorjahresniveau liegen. Die Nachfrage bleibt indes schwach. Kunden kaufen überwiegend nur die benötigten Mengen. Neben saisonalen Faktoren wirken sich auch hohe Kraftstoffpreise in den USA bremsend auf die Marktaktivität aus, wie die Experten von FreshPlaza angeben.
Südamerika kämpft mit Wetterproblemen und Konkurrenz aus China
In Peru beeinträchtigten ungewöhnlich hohe Temperaturen die Entwicklung der Kulturen. Die Produktion könnte von normalerweise rund 100.000 mt auf 60.000 bis 70.000 mt sinken. Zwar könnte das geringere Angebot die Preise stützen, doch günstiger chinesischer Knoblauch begrenzt diesen Effekt.
Argentinien verzeichnete in der Saison 2024/25 Verluste, vor allem aufgrund der verstärkten Konkurrenz chinesischer Ware in Brasilien, dem wichtigsten Exportmarkt des Landes. Die daraus resultierende Überversorgung setzte auch andere Absatzmärkte unter Druck. In Brasilien ermöglichten Änderungen bei der Berechnung von Antidumpingzöllen seit Oktober 2024 die Einfuhr größerer Mengen chinesischen Knoblauchs zu niedrigen Preisen. Dies wirkte sich auf die gesamte argentinische Exportkette aus.
In Chile fielen die Preise zum Saisonende um 50 bis 80% gegenüber dem Vorjahr. Als Ursachen werden ein überversorgter mexikanischer Markt sowie zusätzliche Konkurrenz aus Peru und China genannt. Die Anbauabsichten für die kommende Saison gingen deshalb deutlich zurück.
Rekordmengen drücken das Preisniveau in Südafrika
Nach Angaben eines Marktanalysten von AMT erreichten die verfügbaren Mengen in Südafrika in den vergangenen drei Monaten Rekordwerte. Dadurch lagen die Preise nahezu 40% unter dem Vorjahresniveau. Auf den Großmärkten bewegen sich die Preise je nach Qualität und Herkunft in unterschiedlichen Spannen. Laut AMT erzielt importierter Knoblauch im Durchschnitt höhere Preise als heimische Ware. Die Nachfrage wird insgesamt als stabil beschrieben und nimmt üblicherweise während der Wintermonate zu.
Größere Ernte in Ägypten trifft auf schwächere Nachfrage
In Ägypten wurde die Anbaufläche nach den erfolgreichen Vorjahren erneut deutlich ausgeweitet. Ein Erzeuger berichtet, dass die Flächen noch stärker gewachsen seien als im Vorjahr. Die größere Ernte trifft jedoch auf einen bereits gut versorgten Markt, auf dem neben chinesischer Ware auch Lagerbestände aus der Vorsaison verfügbar sind.
Die Nachfrage aus Europa blieb zwar bestehen, konnte das zusätzliche Angebot jedoch nicht vollständig aufnehmen. Im Verlauf der Saison sorgte vor allem Brasilien für zusätzliche Impulse. Dennoch standen die Exportpreise unter erheblichem Druck. Ein Exporteur berichtet, dass die Preise für kleinere Knollen im Juni bei 1.125 EUR/mt CIF Santos lagen und damit rund 60% unter dem Niveau der Vorsaison. Gegen Saisonende ließ auch die Nachfrage aus Brasilien nach.
Nach Angaben der Exporteure bleibt die Vermarktung zwar aktiv, die wachsende Produktion stellt die Branche jedoch vor die Herausforderung, Angebot und Exportnachfrage künftig besser auszubalancieren. Die Saison soll Ende Juli auslaufen, Restmengen werden noch bis Oktober erwartet.
Hohe Verfügbarkeit chinesischer Ware prägt den Weltmarkt
In China begann die Haupternte Anfang Mai. Die Qualität wird insgesamt als zufriedenstellend beschrieben, gleichzeitig ist der Anteil großer Knollen höher als im Vorjahr. Die Ernte der frühen Sorten ist weitgehend abgeschlossen, während die mittleren Sorten derzeit den Großteil des Angebots stellen. Trotz einer stabilen internationalen Nachfrage liegen die Preise unter dem Vorjahresniveau. Für Stammkunden werden bei 5,5-cm-Knollen Preise von 793 bis 818 EUR/mt genannt, was laut Marktteilnehmern deutlich unter den in früheren Jahren üblichen Niveaus liegt. Die hohe Verfügbarkeit von Ware sowie der intensive Wettbewerb setzen die Margen der Exporteure unter Druck.
Während die Nachfrage in vielen Märkten stabil bleibt, gewinnt Afrika als Absatzregion zunehmend an Bedeutung. Nach Angaben von Exporteuren richtet sich der Fokus vieler chinesischer Unternehmen inzwischen verstärkt auf diesen Markt. Gleichzeitig bleiben die Frachtraten zwar auf moderatem Niveau, schwanken jedoch weiterhin von Woche zu Woche, was die Planung erschwert. Diese Kombination aus hoher Produktion, wettbewerbsfähigen Preisen und einer starken Exportorientierung macht China weiterhin zum wichtigsten Taktgeber für die Preisentwicklung am globalen Knoblauchmarkt, so FreshPlaza.
EU-Importe leicht gestiegen
Die EU-Knoblauchimporte im Zeitraum 01.01.-21.06.2026 haben gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 64.358 mt um moderate 2,9% zugelegt. Wichtigster Lieferant bleibt mit großem Abstand China mit 35.617 mt (+6,1%), gefolgt von Argentinien mit 12.628 mt (+24,3%). Die Importe aus Ägypten sind um deutliche 24,4% eingebrochen, wodurch das Land auf Platz 3 der wichtigsten Lieferanten gerutscht ist, während Chiles Lieferungen in die EU um satte 121,6% zulegten.
Der größte Importeur innerhalt der EU sind weiterhin die Niederlande, gefolgt von Spanien – das südeuropäische Land steigerte seine Knoblaucheinfuhren gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 62,1%. Deutschland belegt mit 2.550 mt und einer Steigerung von 129,7% Platz 5 der wichtigsten Importeure.
|
EU-Import Knoblauch in mt |
|||
|
Partner |
2025 |
2026 |
Diff. |
|
China |
33.567 |
35.617 |
6,1% |
|
Argentinien |
10.158 |
12.628 |
24,3% |
|
Ägypten |
16.121 |
12.193 |
-24,4% |
|
Chile |
694 |
1.538 |
121,6% |
|
Albanien |
629 |
950 |
51,0% |
|
Andere |
1.397 |
1.432 |
2,5% |
|
Gesamt |
62.566 |
64.358 |
2,9% |
|
Quelle: DG AGRI TAXUD Customs Surveillance System, 01.01.-21.06. |
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