Ingwer: Sorgen über Krankheiten und schlechtes Wetter
30. September 2026 um 12:42 ,
Der AUDITOR
Preise in Italien stabil bis leicht schwächer
Nach dem ruhiger verlaufenen Sommer zeigen sich die Ingwerpreise in Italien zuletzt stabil bis leicht rückläufig. Ein Großhändler an einem bedeutenden norditalienischen Markt berichtet gegenüber FreshPlaza von insgesamt recht stetigen Verkäufen. Aktuell wird dort hochwertiger Ingwer aus Brasilien zu Großhandelspreisen von rund 2 EUR/kg angeboten. Da die italienische Erzeugung klein und teuer ist, stammt nahezu die gesamte Ware aus Importen, vor allem aus China, Peru, Brasilien und Thailand.
Ein weiterer großer Importeur berichtet von deutlich gestiegenen Liefermengen aus China und Südamerika. Die chinesischen Lieferungen nach Europa haben sich zwischen März und Mai gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Zusammen mit der schwächeren Sommernachfrage hat dies den Markt belastet; die Importpreise für chinesischen Ingwer liegen derzeit fast halb so hoch wie im Vorjahr. Für Ende 2026 und Anfang 2027 sind die Aussichten vielversprechend. Erhebungen zur neuen Ernte in Shandong deuten auf eine gute Wurzelentwicklung hin. Die Ernte soll im Oktober beginnen, erste Lieferungen nach Europa sind ab Mitte Dezember vorgesehen. Erwartet werden viele große, qualitativ hochwertige Wurzeln und moderate Startpreise.
Ungleichgewicht bei Angebot und Nachfrage in den Niederlanden
Nach einem eher schwachen Sommer zieht die Nachfrage auf dem europäischen Ingwermarkt wieder an. Gleichzeitig gehen die Bestände an chinesischem und thailändischem Ingwer zurück. Dadurch wird das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage zunehmend enger, berichtet ein niederländischer Importeur gegenüber FreshPlaza.
Anders stellt sich die Situation bei Ingwer und Kurkuma aus Peru dar. Der Ausbruch von Ralstonia pseudosolanacearum, einem pflanzenpathogenen Bakterium, das bei Ingwer zu Bakterienwelke bzw. Rhizomfäule führen kann, belastet die peruanischen Exporte. Die peruanische Pflanzenschutzbehörde SENASA erlaubt derzeit nur einer begrenzten Zahl von Exporteuren die weitere Ausfuhr. Das Angebot ist dadurch eingeschränkt, während die mit Importen aus Peru verbundenen Risiken gestiegen sind. Die geringere Verfügbarkeit könnte sich in den kommenden Wochen stärker am Markt bemerkbar machen.
China bleibt auch die wichtigste Bezugsquelle für Ingwer in Deutschland. Nach den saisonal ruhigeren Sommermonaten nimmt die Nachfrage mit dem nahenden Herbst wieder zu. Gleichzeitig hat sich die Qualität der verfügbaren Ware nach einer Phase mit rückläufiger Qualität verbessert. Die aktuellen Einkaufspreise im Großhandel liegen bei 28 EUR je 12-kg-Kiste, entsprechend rund 2,33 EUR/kg.
Trockenheit in Indien sorgt für Unsicherheit
Der indische Ingwermarkt zeigt sich weiterhin relativ fest, wobei die Preise zwischen den Anbauregionen deutlich variieren. In Maharashtra lagen die vom Agricultural Produce Market Committee (APMC) gemeldeten Preise Anfang September je nach Markt bei etwa 0,45 bis 1,44 EUR/kg. Unterdessen wächst die Sorge um die neue Ernte. Der Monsun verläuft uneinheitlich; im August lagen die Niederschläge 16% unter dem Normalwert, und auch für September wird mit unterdurchschnittlichen Regenmengen gerechnet. Teile Karnatakas leiden bereits unter einer länger anhaltenden Trockenheit. Wie stark sich dies auf die Ingwerproduktion auswirken wird, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.
Zusätzliches Peru-Angebot belastet nordamerikanischen Spotmarkt
Peru ist die wichtigste Bezugsquelle für den nordamerikanischen Ingwermarkt, während China insbesondere bei konventioneller Ware ebenfalls größere Mengen liefert. Peruanischer Ingwer erreicht derzeit eine besonders gute Qualitätsphase, und die voll ausgereifte Ware trifft in Nordamerika ein.
Gleichzeitig setzt das zusätzliche Angebot aus Peru die Spotmarktpreise in den USA unter Druck. Die veränderten europäischen Importvorschriften im Zusammenhang mit Ralstonia haben die peruanischen Lieferungen nach Europa beeinträchtigt und damit zusätzliche Mengen für den nordamerikanischen Markt verfügbar gemacht. Die Nachfrage ist derzeit stabil, dürfte aber ab Oktober mit kühlerem Wetter und dem Beginn der Feiertagssaison anziehen und üblicherweise bis Februar auf einem guten Niveau bleiben.
Moderate Preise bremsen Anbaupläne in Peru
Die peruanische Ernte schreitet mit guten Mengen voran, allerdings liegen die Preise unter dem Niveau des Vorjahres. Dies veranlasst die Erzeuger zu einer vorsichtigeren Anbauplanung für die Saison 2027/28. Der größte Teil der Lieferungen geht in die USA, während die Exporte nach Europa aufgrund der deutlich verschärften phytosanitären Kontrollen im Zusammenhang mit Ralstonia pseudosolanacearum zurückgegangen sind.
Auch die Nachfrage aus den USA ist während des Sommers schwächer, entsprechend bewegen sich die FOB-Preise auf moderatem Niveau. Die noch junge Branche professionalisiert sich weiter und steht zugleich in zunehmendem Wettbewerb mit Brasilien und China. Mit Blick auf 2027 sorgen insbesondere ein mögliches El-Niño-Ereignis und die geringeren Anbauabsichten für Unsicherheit.
Brasilianische Verkaufspreise unter den Anbaukosten
Brasilien erlebt eines der schwierigsten Jahre für den Ingwersektor. Die Verkaufspreise liegen unter den Anbaukosten, während günstigere chinesische Ware zusätzlichen Druck ausübt. Unterstützt wird deren Preisvorteil durch niedrigere Arbeitskosten.
Zusätzliche Belastungen entstehen durch die seit April geltenden neuen europäischen phytosanitären Vorschriften. Nach einer Übergangsphase in diesem Jahr müssen Exporteure die Abwesenheit von Ralstonia pseudosolanacearum zertifizieren. Das Bakterium kommt in Peru, bisher aber nicht in Brasilien vor. Die Einhaltung der Vorgaben verteuert insbesondere für Familienbetriebe den Export. Die daraus resultierende Verringerung des Angebots könnte zusammen mit den besseren Wetterbedingungen in Europa zu einer ausgeglicheneren Marktlage beitragen und die Preise sowie Margen stützen.
Importe setzen südafrikanische Erzeuger unter Druck
Die südafrikanischen Ingwererzeuger bleiben stark von den schwankenden Importmengen abhängig. Nach Angaben eines Erzeugers werden importierte Mengen von den Importeuren nicht gestaffelt, sondern auf einmal auf den Markt gebracht. Dies setzt die Preise für alle Marktteilnehmer unter Druck.
Die heimische Versorgung wurde auf vorhersehbare Mengen stabilisiert, um den Markt zu beruhigen. Angesichts der Importmengen werden diese Bemühungen jedoch teilweise durch Lieferungen aus China und Vietnam unterlaufen. Auf dem städtischen Markt in Johannesburg bewegen sich die Ingwerpreise laut FreshPlaza zwischen 1,80 und 2,40 EUR/kg.
Höhere EU-Importe
Die EU-Importe seit Jahresbeginn sind gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,5% gestiegen. Wichtigster Lieferant bleibt mit großem Abstand China, das seine Ausfuhren in EU-Länder um 14,7% steigern konnte, gefolgt von Indien (+51,2% auf 927 mt) und Vietnam (+6,1% auf 505 mt). Indonesien konnte seine Lieferungen in die EU um satte 117,2% steigern, während Peru Verluste von 24,6% einstecken musste.
Der größte Abnehmer innerhalb der EU ist Deutschland, das seine Einfuhren im Zeitraum 01.01.-27.09.2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 42,8% auf 2.770 mt steigern konnte. Die Folgeplätze der größten Importeure belegen die Niederlande, Belgien, Spanien und Frankreich. Der durchschnittliche Importpreis lag mit 3,05 EUR/kg um knapp 2% unter dem Vorjahreswert, der gesamte Importwert im genannten Zeitraum lag damit bei knapp 21,26 Mio. EUR.
|
EU-Import Ingwer in mt |
|||
|
Partner |
2025 |
2026 |
Diff. |
|
China |
4.110 |
4.715 |
14,7% |
|
Indien |
613 |
927 |
51,2% |
|
Vietnam |
476 |
505 |
6,1% |
|
Elfenbeinküste |
283 |
259 |
-8,5% |
|
Indonesien |
64 |
139 |
117,2% |
|
Peru |
179 |
135 |
-24,6% |
|
Nigeria |
384 |
131 |
-65,9% |
|
Großbritannien |
130 |
66 |
-49,2% |
|
Andere |
195 |
104 |
-46,7% |
|
Gesamt |
6.434 |
6.981 |
8,5% |
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Quelle: DG AGRI TAXUD Customs Surveillance System, 01.01.-27.09. 09101200 Ingwer, gemahlen oder sonst zerkleinert |
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