Ingwer: Nachteil für Peru
28. Oktober 2026 um 14:59 ,
Der AUDITOR
Niedrigere Preise trotz höherer Exportmengen
Fresh Fruit Perú, die auf Agrar- und Exportmärkte spezialisierte Informationssparte der peruanischen Unternehmensberatung Preciso Consultoría, erwartet für 2026 peruanische Ingwerexporte von 61.543 mt im Wert von 101 Mio. USD. Damit steigt die Menge gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich um 5%, während der Wert um 5% sinkt. Der durchschnittliche Exportpreis dürfte von 1,81 auf 1,64 USD/kg zurückgehen.
Von Januar bis September wurden 43.328 mt im Wert von 72 Mio. USD ausgeführt. Das waren 10% mehr in der Menge, aber 3% weniger Erlös als im Vorjahreszeitraum. Der Durchschnittspreis sank um 12% auf 1,67 USD/kg. Nach einem starken ersten Halbjahr mit einem Mengenplus von 26% gingen die Exporte im dritten Quartal 2026 um 9% auf 16.246 mt zurück. Der Exportwert verringerte sich in diesem Zeitraum um 12% auf 26,3 Mio. USD.
Frischer Ingwer stellte bis September mit 37.704 mt insgesamt 77% des Exportwerts. Dabei sank der Preis von 1,69 auf 1,48 USD/kg. Ingwersaft erzielte 8,1 Mio. USD und damit 14% weniger als im Vorjahr. Getrockneter und gemahlener Ingwer legte dagegen wertmäßig um 4% auf 5,5 Mio. USD zu; die Preise lagen doppelt so hoch wie bei frischem Ingwer.
China und EU-Vorgaben setzen den Markt unter Druck
Von März bis Mai haben sich die chinesischen Lieferungen nach Europa gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Chinesischer Ingwer wird inzwischen zu nahezu halb so hohen Preisen wie 2025 angeboten. Auch Brasilien steht unter Druck, dort liegen die Preise unter den Produktionskosten. Seit April verlangt die EU eine Zertifizierung, laut der die Rhizome frei vom Bakterium Ralstonia sein müssen. Dadurch verlor Peru Marktanteile in Europa. Im Juli genehmigten die peruanischen Behörden Übergangsmaßnahmen, um die Zertifizierung für Anbau- und Verarbeitungsbetriebe zu erleichtern. Gleichzeitig wurden die Rückverfolgbarkeit verbessert und die Zahl der zugelassenen Exporteure reduziert.
Die für Europa bestimmten, nicht mehr ausgelieferten Mengen wurden in die USA umgeleitet. Dort drückte das zusätzliche Angebot ebenfalls auf die Preise. Von Januar bis September importierten die USA 24.548 mt, 16% mehr als im Vorjahr, während der Importwert um 4% auf 41 Mio. USD sank. Die Niederlande bezogen 8.276 mt, 6% weniger als im Vorjahreszeitraum; der Wert ihrer Importe fiel um 12% auf 13 Mio. USD. Kanada steigerte seine Importmenge um 77%. In Großbritannien nahm der Importwert von 0,5 auf 1,3 Mio. USD zu.
Für das vierte Quartal erwartet Fresh Fruit Perú eine Entlastung in Nordamerika. Seit Oktober hat sich die Nachfrage verstärkt und dürfte aufgrund der Festtage und der Wintersaison bis Februar hoch bleiben. Um eine einseitige Abhängigkeit vom US-Markt zu vermeiden, sei für Peru die vollständige Wiederherstellung des Marktzugangs zur EU entscheidend. Zudem deuteten die Anbaupläne für 2027 auf geringere Mengen und bessere Preise in der kommenden Saison hin.
Neue Chance für Indien
Ingwererzeuger im indischen Distrikt Karbi Anglong im Bundesstaat Assam prüfen indes den Zugang zu europäischen Märkten über Slowenien, wie die Assam Tribune berichtet. Der slowenische Botschafter in Indien, Tomaz Mencin, will demzufolge Kontakte zwischen der regionalen Ingwerbranche, slowenischen Unternehmen und europäischen Vertriebsnetzen fördern.
Die Region erzeugt jährlich mehr als 30.000 mt Ingwer, von dessen Anbau rund 10.000 Bauern abhängig sind. Der Karbi Anglong Autonomous Council (KAAC) arbeitet mit Behörden, Investoren und internationalen Vertretern daran, Exportmöglichkeiten für Ingwer und verarbeitete Produkte auszubauen.
Nigeria fördert Erholung des Ingweranbaus
In Nigerias Bundesstaat Kaduna melden Ingwererzeuger nach einer Förderung durch die Bank of Agriculture (BOA) bessere Ernten, wie das Nachrichtenportal PUNCH berichtet. Das Programm unterstützt rund 3.400 Erzeuger in 15 Gruppen mit Pflanzmaterial und Beratungsleistungen. Ein Teil der Ernte soll zur Vermehrung von Pflanzmaterial mittels Gewebekultur genutzt werden.
BOA-Geschäftsführer Ayodeji Sotinrin zufolge hat sich der Ingwersektor auf rund 30% seiner früheren Kapazität erholt. Die Bank plant, in 16 Bundesstaaten Anzuchtstätten für Ingwer einzurichten, und vergibt Agrarkredite zu einem Zinssatz von 9%. Sotinrin erwartet, dass Nigerias Ingwerernte innerhalb von fünf Jahren drei Millionen mt erreichen könnte. Der wirtschaftliche Wert würde dann bei rund 3 Mrd. USD liegen. Pro Hektar könnten Bauern 70 bis 80 Mio. Naira (rund 47.000 bis 54.000 USD) verdienen. Das Programm sieht eine Frauenquote von mindestens 50% vor und schließt zudem mehr als 900 innerhalb Nigerias vertriebene Farmer ein.
Ghana weicht bei Ingwer verstärkt auf Importe aus
Krankheitsausbrüche und eine begrenzte heimische Produktion treiben die Ingwerpreise in Ghana seit fast drei Jahren nach oben. Händler beziehen deshalb zunehmend Ware aus China und Marokko. Die Nachfrage von Lebensmittel- und Getränkeherstellern sowie Exporte in Nachbarländer schränken das lokale Angebot zusätzlich ein; das berichtet Modern Ghana. Händlerin Akua Stella zufolge erreichte der Preis pro Sack zuvor bis zu 8.000 Cedi (688 USD), bevor er zurückging. Aktuell kostet ein Sack zwischen 4.500 und 5.500 Cedi (387-473 USD). Das höhere Preisniveau dämpft die Käufe der Verbraucher und belastet den Absatz der Händler.
Obwohl in diesem Jahr keine neuen Krankheitsausbrüche gemeldet wurden, gelangen bislang nicht genügend Mengen der neuen Ernte auf den Markt. Auch die Nachfrage togolesischer Käufer und Ernteprobleme in der Elfenbeinküste begrenzen das regionale Angebot. Die Händler fordern staatliche Unterstützung, um den heimischen Anbau wiederzubeleben, die Versorgung zu verbessern und die Importabhängigkeit zu verringern.
EU-Importe steigen weiter
Die EU-Ingwerimporte seit Jahresbeginn sind um 9,3% gestiegen und beliefen sich im Zeitraum 01.01.-25.10.2026 auf 7.567 mt im Wert von gut 22,97 Mio. EUR. Der wichtigste Lieferant bleibt mit großem Abstand China, das seine Lieferungen im Jahresvergleich um knapp 18% auf 5.139 mt steigern konnte. Es folgen Indien (+42,8% auf 987 mt), Vietnam (+2,9% auf 541 mt) und die Elfenbeinküste (-2,4% auf 284 mt).
Der größte Abnehmer innerhalb der EU war im genannten Zeitraum mit 2.890 mt und einer Steigerung von 37,6% Deutschland. Platz 2 und 3 belegen die Niederlande (-7,4% auf 2.120 mt) und Belgien (+6,1% auf 1.030 mt). Der durchschnittliche Importpreis lag mit 3,04 EUR/kg um gut 4% unter den 3,17 EUR/kg des Vorjahres.
|
EU-Import Ingwer in mt |
|||
|
Partner |
2025 |
2026 |
Diff. |
|
China |
4.362 |
5.139 |
17,8% |
|
Indien |
691 |
987 |
42,8% |
|
Vietnam |
526 |
541 |
2,9% |
|
Elfenbeinküste |
291 |
284 |
-2,4% |
|
Peru |
179 |
154 |
-14,0% |
|
Indonesien |
87 |
139 |
59,8% |
|
Nigeria |
433 |
132 |
-69,5% |
|
Großbritannien |
142 |
66 |
-53,5% |
|
Brasilien |
42 |
13 |
-69,0% |
|
Nicaragua |
- |
13 |
n.v. |
|
Andere |
171 |
99 |
-42,1% |
|
Gesamt |
6.924 |
7.567 |
9,3% |
|
Quelle: DG AGRI TAXUD Customs Surveillance System, 01.01.-25.10. 09101200 Ingwer, gemahlen oder sonst zerkleinert |
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