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Ingwer: Gemischtes Bild in China

24. März 2026 um 16:02 , Der AUDITOR
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PEKING/BRÜSSEL. Der globale Ingwermarkt befindet sich aktuell in einer Phase struktureller Verschiebungen, wie die Experten von FreshPlaza berichten. China nimmt eine zentrale Rolle ein, da Verfügbarkeiten aus anderen Ursprungsländern vielfach eingeschränkt oder verzögert sind. Die EU-Ingwerimporte sind stark rückläufig.

Hohes Angebot trifft auf steigende Kosten in China

China verzeichnet eine deutlich größere Ernte als in den Vorjahren, begünstigt durch gute Wachstumsbedingungen. Allerdings kam es während der Ernte zu anhaltenden Regenfällen, die Verzögerungen verursachten. Nach der Ernte führten niedrige Temperaturen zu Frostschäden, wodurch ein Teil der Ware qualitativ beeinträchtigt wurde. Dies macht eine strengere Selektion für den Export erforderlich, insbesondere bei Ware aus Shandong, deren Qualität uneinheitlich ist. Parallel dazu steigen die Logistikkosten deutlich an, unter anderem infolge geopolitischer Entwicklungen, was zusätzlichen Aufwärtsdruck auf die Preise ausübt. Gleichzeitig wirkt jedoch das hohe Angebot preisdrückend, sodass sich insgesamt ein gemischtes Bild ergibt.

Fester Markt in Italien

Der italienische Markt befindet sich in einer dynamischen Phase mit insgesamt fester Tendenz. Aufgrund der vorübergehend fehlenden Lieferungen aus Brasilien hat China faktisch die Rolle des Hauptlieferanten übernommen. Erste Container sind eingetroffen, wobei Unsicherheiten hinsichtlich der Qualität bestehen, da die Ware teilweise einen hohen Feuchtigkeitsgehalt aufweist und das Endergebnis stark von Herkunft, Lieferkette und Logistik abhängt. Die Preise bleiben auf einem hohen Niveau, wobei frühere Lieferungen teurer waren als aktuell verschiffte Ware, die in den kommenden Wochen eintreffen dürfte und etwas günstiger ausfallen könnte. Unterschiede ergeben sich zudem je nach Zertifizierung und Produktionsweise. Peru ist mit begrenzten Mengen bei den italienischen Importen präsent und bewegt sich auf einem höheren Preisniveau. Aus Brasilien wird aktuell nur wenig junge Ware per Luftfracht geliefert, während reguläre Seefrachten erst ab Juni erwartet werden. Zusätzliche Mengen aus Thailand könnten den Markt früher erreichen. Insgesamt bleibt die Lage fest, gestützt durch stabile Nachfrage, wobei neue Marktteilnehmer die Preisentwicklung schnell beeinflussen könnten.

Der französische Markt ist durch ein ausgewogenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage gekennzeichnet. Die Preise bleiben weitgehend stabil mit gelegentlichen kleineren Anpassungen nach oben und unten, ohne größere strukturelle Veränderungen. Die Nachfrage wird als konstant, aber ohne besondere Dynamik beschrieben. Ingwer profitiert weiterhin von seiner Verwendung im Gesundheits- und Ernährungsbereich, dennoch agieren Käufer zurückhaltend. Im Vergleich zum Vorjahr bleibt die Situation ähnlich, erscheint jedoch insgesamt etwas ruhiger mit geringerer Marktaktivität und wachsendem Wettbewerbsdruck zwischen den Herkünften, so FreshPlaza.

Deutscher Ingwermarkt unter Druck

In den Niederlanden führt ein begrenztes Angebot zu einer insgesamt festen Marktlage. Die Knappheit wirkt sich auch auf andere europäische Märkte aus. Gleichzeitig beeinträchtigen die Qualitätsprobleme bei chinesischer Ware infolge ungünstiger Witterungsbedingungen während der Ernte das Angebot. Ergänzende Mengen aus Thailand werden qualitativ positiver bewertet. Die Kombination aus begrenzter Verfügbarkeit und Qualitätsunterschieden sorgt für ein anhaltend hohes Preisniveau.

In Deutschland steht der Markt indes unter Druck. Die Preise liegen deutlich unter dem Vorjahresniveau, was auf ein kontinuierliches Angebot aus China und Thailand sowie eine schwächere Nachfrage zurückzuführen ist. Saisonale Effekte und milde Witterung haben den Absatz zusätzlich gebremst. Kurzzeitige Engpässe zu Jahresbeginn wurden inzwischen ausgeglichen. Perspektivisch könnten steigende Transportkosten wieder zu einer Stabilisierung oder leichten Erhöhung der Preise führen.

Höhere Produktion in Peru

In Nordamerika hat sich das Angebot deutlich ausgeweitet, mit Lieferungen aus China, Thailand, Mexiko und Peru. Diese Entwicklung führt zu sinkenden Preisen. Gleichzeitig hat sich die Nachfrage nach einem stärkeren Jahresbeginn abgeschwächt, unter anderem durch verändertes Konsumverhalten. Die steigenden Mengen verstärken den Preisdruck zusätzlich.

In Peru wird ein Produktionsanstieg erwartet, der zusammen mit einer insgesamt steigenden globalen Verfügbarkeit den Druck auf die Preise erhöht. Gleichzeitig verschieben sich Handelsströme, da Europa aufgrund höherer Anforderungen an Bedeutung verliert. Etwa 80% der peruanischen Exporte erfolgen in die USA.

Brasilien befindet sich aktuell in einer Phase niedriger Verfügbarkeit, was insbesondere in Europa die Bedeutung chinesischer Ware erhöht. Gleichzeitig zeigt sich der Markt volatil, da Umleitungen von Handelsströmen zu Preisschwankungen führen können, teilweise sogar unter Kostenniveau. Für die kommende Saison bleibt die Entwicklung unsicher und hängt stark von logistischen Rahmenbedingungen, dem Wettbewerb mit China sowie dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage ab.

Positive Ernteaussichten stabilisieren Markt in Südafrika

Südafrika profitiert von günstigen Witterungsbedingungen und erwartet eine starke Ernte mit hoher Qualität. Die Versorgungsaussichten werden als stabil eingeschätzt, was sich in einer konstanten Preisentwicklung widerspiegelt. Die Möglichkeit der Lagerung verlängert zudem die Verfügbarkeit. Auch im Süden Mosambiks wird verstärkt Ingwer angebaut, wie FreshPlazas Experten angeben.

EU-Importe deutlich gesunken

Die EU-Ingwerimporte dieses Jahres sind bisher im Jahresvergleich um fast 16% zurückgegangen. Fast alle der wichtigsten Lieferanten, darunter China auf Platz 1, Die Elfenbeinküste, Vietnam und Nigeria mussten dabei erhebliche Verluste einstecken, lediglich Indien, das Platz 2 der Hauptlieferanten belegt, konnte seine Ausfuhren in EU-Länder im bisherigen Jahr 2026 um 38,6% steigern. Insgesamt wurden 1.546 mt eingeführt.

Der durchschnittliche Importpreis sank gegenüber dem Vorjahr um moderate 1% auf 2,95 EUR/kg, sodass sich der Importwert auf bisher gut 4,556 Mio. EUR beläuft. Größter Abnehmer innerhalb der EU seit Jahresbeginn sind die Niederlande, gefolgt von Deutschland und Belgien.

EU-Import Ingwer in mt

Partner

2025

2026

Diff.

China

1.147

997

-13,1%

Indien

220

305

38,6%

Elfenbeinküste

107

80

-25,2%

Vietnam

122

49

-59,8%

Nigeria

101

22

-78,2%

Andere

141

93

-34,0%

Gesamt

1.838

1.546

-15,9%

Quelle: DG AGRI TAXUD Customs Surveillance System, 01.01.-22.03.

09101200 Ingwer, gemahlen oder sonst zerkleinert

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Preischart Ingwer, getrocknet, Indien

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