Corona-Krise: Peking verlangt Corona-Tests bei Agrarimporten

26. Juni 2020 um 08:20 , Der AUDITOR
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FRANKFURT. Chinas Regierung verlangt von Lebensmittellieferanten künftig eine Erklärung, dass die gelieferte Ware frei von Corona-Viren ist, wodurch viele Exporteure in den USA, in Südamerika, aber auch in Westeuropa und am Schwarzmeer beunruhigt sind. Ausgerechnet in...

…dem Land, wo das Coronavirus ausbrach und sich von dort weltweit verbreitete, verlangt jetzt von der übrigen Welt Corona-Tests, damit Chinas Importeure nicht auf kostspieligen Tests beim Import von Agrargütern sitzen bleibt. 

Die Nachricht, dass Chinas Zollbehörde alle inländischen Importeure angewiesen hat, Agrarimporte aus aller Welt nur abzunehmen, wenn diese nicht mit dem Coronavirus kontaminiert sind, verschlug vielen Exporteuren doch den Atem. Auslöser hierfür war der erneute Corona-Ausbruch auf einem Lebensmittelmarkt in Peking, hieß es beim Handel. Dabei befürchtet China eine zweite viel schlimmere Pandemiewelle, die Chinas Wirtschaft lahmlegen könnte. Betroffen von den verschärften Vorschriften sind Fleischlieferanten, Exporteure von Sojabohnen, Getreide, Meeresfrüchten, Obst und Gemüse. Die Erklärung verpflichtet Exporteure, chinesische Gesetze und Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation einzuhalten, um sicherzustellen, dass von China importierte Lebensmittel Virus-frei sind. Hintergrund dabei ist, dass China die zusätzlichen Tests, die es in den letzten Wochen an importierten Lebensmitteln durchgeführt hat, auf Exporteure abwälzen will und Exporteure für die Gewährleistung der Sicherheit ihrer Produkte verantwortlich machen will, sagte ein Fleischexporteur gegenüber dem Nachrichtendienst Reuters.

China will Corona-Tests auf Lieferanten abwälzen
In Tianjin, dem Haupthafen für Peking, testeten die Behörden in der letzten Woche offenbar alle Fleischlieferungen, berichteten Importeure. Zwischen dem 11. und 17. Juni wurden mehr als 30.000 Proben von Fleisch, Meeresfrüchten, Gemüse und Obst untersucht. Alle wurden negativ auf das Coronavirus getestet, hat der chinesische Zoll mitgeteilt. Es wäre für Chinas Importeure jedoch sehr kostspielig und zeitaufwändig, selbst alle Waren zu testen. Deshalb fordern sie alle Lieferanten auf, die Virus-Freiheit für Lieferungen per Dokument zu unterschreiben, hieß es von US-Fleischexporteuren. Welches Gewicht die Erklärung im Streitfall haben wird, blieb unklar. Hafenarbeiter, die etwa Sojabohnen entladen, stellen ein höheres Kontaminationsrisiko dar, als pflanzliche Rohstoffe selbst, da Massenguttransporte mindestens drei Wochen auf See verbringen, länger als das Virus ohne Wirt überleben kann, sagte Charles Hurburgh, Professor an der Iowa State University. Der Fachmann ist sicher, niemand wird dieses Risiko bestätigen. Dabei hat der Experte jedoch den wirtschaftlichen Druck Brasiliens unterschätzt. Einige Fleischverarbeiter in Brasilien und auch in den USA sind ähnlichen Anfragen bereits nachgekommen, war von den Experten des US-Brokerhauses Allendale Inc zu erfahren. Auch bei Brasiliens Sojaexporteuren sind angeblich ähnliche Vereinbarungen vorgekommen. China ist der weltweit größte Importeur von Sojabohnen und importiert gut 94 Mio. mt Bohnen im Jahr, die zu Mehl und Öl verarbeitet und als Sojaschrot verfüttert werden. Dabei wird das Ausmaß klar, welche Zusatzleistungen Exporteure leisten und welche Risiken sie dabei künftig eingehen müssten. Illusorisch, meinten hiesige Großhändler an der Rheinschiene. 

Fleischbranche immens von der Corona-Pandemie betroffen
Besonders die Schlachtbranche hat das Coronavirus kalt erwischt. Letzte Woche hatte Peking den Schweinefleischimport vom größten Schlachthof-Betreiber Deutschlands, der Firma Tönnies, gestoppt, bevor der Standort in Rheda-Wiedenbrück vorübergehend schließen musste. Chinas Zollbehörde hatte letzte Woche die Liste zugelassener Fleischexporteure aktualisiert und mitgeteilt, dass das Tönnies-Werk in Rheda vorerst keine Genehmigung mehr hätte. Auch die in den USA ansässige Fleischfabrik von Tyson wurde am Sonntag auf diese Liste gesetzt. Die britische Tulip, ein Geschäftsbereich von Pilgrim's Pride Corp, hatte freiwillig alle Schweinefleischexporte aus ihrem Tipton-Werk in den West Midlands wegen eines Virusausbruchs ausgesetzt, hieß es im Handel. Chinas Fleischimporte waren bis Ende Mai des Jahres gegenüber dem Vorjahr um immerhin 73% auf 3,85 Mio. mt gestiegen, so Experten. Ganz sicher sind hier Versäumnisse, was die schlechten Arbeitsbedingungen der Angestellten in der Schlachtbranche angeht, zu beklagen. Aber in den USA kochen auch ganz andere Vermutungen bei Fachleuten für die verstärkten Hygiene-Anforderungen hoch. Richard Owen, Vizepräsident der Organisation der US-amerikanischen Frischwarenlieferanten, stellte die Frage, ob China nicht das Thema eher als Handelshemmnis nutze, um das Phase-1-Handelsabkommens mit der Verpflichtung Pekings, mehr US-amerikanische Agrarprodukte zu kaufen, generell aufzuweichen. Hiesige Großhändler nehmen die geforderten Tests sehr wohl ernst, halten aber eine Durchführbarkeit wegen vieler Glieder in der Wertschöpfungskette für kaum durchsetzbar.

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