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Zucker: Düstere Nachfrageprognosen aus Brüssel

29. Juli 2020 15:23, Der AUDITOR
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FRANKFURT/BRÜSSEL. Am westeuropäischen Zuckermarkt ziehen mit Blick auf die kommende Saison dunkle Wolken auf. Brüssel erwartet einen drastischen Konsumrückgang bei Zucker.

Der westeuropäische Zuckermarkt zeigte nach leichter Erholung Mitte Juli zuletzt schwache Preissignale vom Markt. Die Preise für Kristallzucker, EG-Kat. II, mittelfein, lagen auf dem europäischen Spotmarkt bei Lieferung in Big-Bags zuletzt bei 0,43 bis 0,44 EUR/kg DDP Norddeutschland. Ähnlich hoch waren die Offerten in Tschechien und Österreich. Dabei hieß es, dass Zucker nur zögerlich abgenommen wird, da die Nachfrage der Süßmittelhersteller und Bäckereien wegen Corona spürbar zurückgegangen wäre.

Brüssel erwartet 2020-21 um 1,2 % kleine Zuckerrübenernte
Dabei dürfte die kommende EU-Zuckerrübenernte kleiner ausfallen als zu letzten Saison. Die Brüsseler Experten gingen im letzten Short Term Outlook von einer EU-Zuckerrübenproduktion 2020-21 (plus Großbritannien) von 110,3 Mio. mt aus, was 1,4 Mio. mt bzw. 1,2 % unter der letzten Ernte liegen würde. Dabei prognostizierte die EU-Kommission für 2020-21 eine EU-Weißzuckerproduktion von 16,0 Mio. mt gegenüber 17,4 Mio. mt zur letzten Saison. Auch unterstellten die Brüsseler Behörden, dass die EU-Zuckerrübenfläche 2020-21 um 2 % schrumpfen wird. Trockenes Wetter in der ersten Frühlingshälfte führte zu ungleichmäßigem Aufgang bei Zuckerrüben. Nachfolgende Regenfälle hätten nur begrenzte Auswirkungen auf die Erträge gehabt, hieß es. Dabei erwartet Brüssel einen Durchschnittsertrag von 73 t/ha, gut 1 % höher als im Vorjahr, welcher auf dem Niveau des fünfjährigen Mittels läge. In Frankreich soll die Zuckerrübenproduktion um 3,2 % auf 36 Mio. mt, in Deutschland um 2,2 % auf 29,1 Mio. mt zurückgehen, in Polen jedoch um 4,2 % auf 14,3 Mio. mt steigen. 

EU-Zuckerkonsum soll stark zurückgehen
Dabei erwartet Brüssel jedoch EU-Weißzuckerüberhänge von 2 Mio. mt aus der Kampagne 2019-20, die der Produktion 2020-21 von 16,0 Mio. mt zusätzlich zur Verfügung ständen. Deshalb gerieten die Zuckerpreise auch weiter unter Druck. Hinzu kommen 2 Mio. mt Weißzuckerimporte aus privilegierten Ländern mit ermäßigten bzw. befreiten Zollsätzen in die EU. Die Verbrauchsprognosen für Zucker Brüssels zeigen eindeutig nach unten. Wegen Covid-19-Beschränkungen wird ein spürbarer Rückgang des Zuckerkonsums in der EU und Großbritannien erwartet. Geringerer Absatz von Erfrischungsgetränken und Eiskreme, die stark auf Catering-Kanäle angewiesen sind, wären Gründe. Dabei unterstellt Brüssel für 2020-21 einen EU-Weißzuckerverbrauch von nur 16,7 Mio. mt, gut 7,3 % unter der aktuellen Saison. Dabei soll der Zuckerverbrauch in Nahrungsmittel um 8,4 % auf 15,3 Mio. mt, für Industriezwecke um 6,7 % auf 1,4 Mio. mt und für Bioethanol um 14,3 % auf 600.000 mt sinken. Nach bisherigen Berechnungen würde einem EU-Weißzuckerangebot von 20,0 Mio. mt in 2020-21 ein Verbrauch von 18,1 Mio. mt gegenüber stehen. (Fortsetzung im Folgebeitrag).

 

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