Umfrage: LEH rechnet mit einer Krisendauer von 7,3 Monaten

8. Mai 2020 um 08:12 , Der AUDITOR
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MÜNCHEN. Das Institute of Brand Logic hat 200 Entscheider im deutschsprachigen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) nach ihren Einschätzungen zur Corona-Krise und deren Auswirkungen auf die Branche befragt.

„Insgesamt zeigt unsere Umfrage ein relativ homogenes Meinungsbild unter den befragten 200 Unternehmen in Bezug auf die durch die Krise bedingten Herausforderungen“, erklärt Studienautor Markus Webhofer, Gründer und CEO des Institute of Brand Logic. In erster Linie ist die Dauer der Krise für wirtschaftliche und betriebliche Auswirkungen für den Lebensmitteleinzelhandel entscheidend. „Das Szenario mit der absolut größten Wahrscheinlichkeit ist jenes mit einer zeitlich kurzen Dauer, aber intensiver Wirkung. Die Händler erleben für absehbare Zeit deutlich spürbare Veränderungen, halten sie laut Umfrage jedoch mehrheitlich für bewältigbar“, so Webhofer.

Die durchschnittliche Erwartung der Befragten liegt bei einer Krisendauer von 7,3 Monaten. Etwa jeder Vierte rechnet allerdings damit, dass es mehr als ein Jahr dauern wird, bis wieder Normalität eingekehrt ist.

Umfangreiche Hygienemaßahmen werden die gesamte Krise begleiten, davon gehen nahezu alle Teilnehmer der Umfrage aus. Das ist laut Webhofer zwar mit höheren Kosten für die Unternehmen verbunden, wirkt sich aber auch positiv auf die Mitarbeitergesundheit aus. „Die Krankenstände sind dadurch im Moment niedrig“, so Webhofer. 

Die Online-Nachfrage habe seit Beginn der Krise stark zugenommen, das gaben 80% der befragten Lebensmitteleinzelhändler an. Das habe zu einer massiven Überlastung der Online-Lieferlogistik geführt. Zudem scheinen sich auch langfristige Trends abzuzeichnen. Der wöchentliche Einkauf und kurze Anfahrtswege würden laut der überwiegenden Mehrheit der Studienteilnehmer an Relevanz gewinnen. Ähnlich viele erwarten zusätzlich steigende Nachfrage bei regionalen Erzeugnissen und wachsendes Interesse an gesunder Ernährung von Seiten der Konsumenten. 

Dem gegenüber steht die Sorge der meisten Befragten, dass die Kaufkraft und Kaufbereitschaft der Konsumenten aufgrund der Krise sinken wird, und damit der Teil des verfügbaren Haushaltseinkommen, der für Lebensmittel ausgegeben wird. „Das wird preisaggressiven Anbietern in die Hände spielen“, sagt Webhofer. „Unternehmen müssen sich auf einen verstärkten Wettbewerb einstellen und mit neuen Strategien reagieren.“ Daher plant ein Großteil der Befragten, den E-Commerce auszubauen (74%) und das Online-Marketing zu verstärken (69%). Gleichzeitig sollen durch automatisierte Prozesse in Lager und Logistik Kosten eingespart werden. Hinzu kommen Kooperationen im Bereich der Lieferkette. 

Rund drei Viertel der Befragten wollen ihre Organisation besser für künftige Krisen wappnen. Dazu gehören ein leistungsfähiges Krisenmanagement und Digitallösungen für flexiblere Arbeitsstrukturen. Für Webhofer ergibt sich daher trotz der durch die aktuelle Situation bedingten Herausforderungen ein positiver Effekt: „Die Krise hat in den Unternehmen Veränderungen angestoßen oder beschleunigt, die weit über die aktuelle Phase hinaus wirken werden. Wer den Wandel nutzt und die richtigen Schlüsse für seine Strukturen und Prozesse zieht, wird langfristig davon profitieren.“ 

Quelle: INSTITUTE OF BRAND LOGIC GmbH

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