Südzucker: Wütende Proteste in Frankreich

14. März 2019 um 11:08 , Der AUDITOR
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MANNHEIM. Wie das Handelsblatt berichtet, will sich die Südzucker AG aufgrund der dauerhaft niedrigen Zuckerpreise vom Weltmarkt zurückziehen. Geplant ist, sich ausschließlich auf Europa zu konzentrieren.

Dominic Risser, der Sprecher des Unternehmens, erklärte am Dienstag, dass der globale Wettbewerb verzerrt ist, was zum Teil auf die Subventionen in Indien und Thailand zurückzuführen ist. Die Südzucker AG hat ihren Unternehmenssitz in Mannheim. Mit einer Produktion von weit über fünf Millionen Tonnen ist sie der bisher weltweit führende Rübenzuckerproduzent. 

Proteste in Frankreich
Mehrere Fabriken werden der neuen Strategie zum Opfer fallen, zwei in Frankreich, zwei in Deutschland und eine in Polen. Am Dienstag protestierten die Zuckerrübenanbauer aus Cagny (Normandie) und Eppeville (Hauts-de-France) gegen die Schließung der beiden französischen Werke. Bei Umsetzung der Pläne würden rund 2.500 Landwirte bis zu 40% ihres Einkommens verlieren, erklärte Franck Sander, Präsident des Verbandes der Rübenanbauer, auf einer Kundgebung vor der Unternehmenszentrale.

Darüber hinaus werden 250 Arbeitsplätze in den Fabriken selbst betroffen sein, und viele Menschen wären auch indirekt betroffen. Sander plant der Südzucker-Geschäftsführung vorzuschlagen, dass die Bauern die bedrohten Fabriken übernehmen, wenn der Betrieb im nächsten Jahr wirklich eingestellt wird. „Wir haben die feste Absicht, diese Fabriken zu schließen“, betonte Risser. Ziel ist es, die Überkapazitäten abzubauen.

Südzucker hatte Anfang des Jahres die Schließung von Werken angekündigt. Die Jahresproduktion soll um 700.000 Tonnen reduziert werden. Die jährlichen Einsparungen sollen sich dabei auf bis zu 100 Mio. EUR belaufen. Für das Geschäftsjahr 2018/19 erwartet das Unternehmen aufgrund des Preisverfalls einen Umsatzrückgang von 100 bis 200 Mio. EUR.

Die Zuckerpreise in Deutschland sind in den letzten Wochen massiv gefallen. Kristallzucker, EU Kat. II wird derzeit für rund 0,45 EUR/kg DDP Deutschland gehandelt.

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