Sorghum: Importzölle aufgrund niedriger Maispreise

27. Mai 2020 um 15:47 , Der AUDITOR
Bericht als Audio abspielen

BUDAPEST/BONN. Das Deutsche Maiskomitee e. V. (DMK) gibt in seinem Junibericht einen Überblick über den europäischen Sorghummarkt. Derweil sorgten niedrige Maispreise im Weltmarkt dafür, dass Importzölle auf Sorghum erhoben wurden.

Sorghumimporte nach Deutschland

Laut den Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden in den ersten sieben Monaten dieser Saison insgesamt 3.873 mt Körner-Sorghum nach Deutschland importiert, ein Plus von 40% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Österreich ist mit 1.539 mt der mit Abstand wichtigste Lieferant. Die Einfuhr aus Russland wurde etwa um das Fünfeinhalbfache auf 861 mt gesteigert und auch Ungarn und die Ukraine exportierten mehr als im gleichen Zeitraum 2018/2019.

Die Exportpreise für weiße Sorghumhirse, 98% Reinheit aus Ungarn liegen aktuell auf einem Niveau von 197 EUR/mt FCA, Lieferung prompt in Big Bags.   

Import Sorghum* nach Deutschland in mt

Land

2018/19

2019/20

Diff.

Österreich

1.473

1.539

4,5%

Russland

131

861

557,3%

Ungarn

339

480

41,6%

Frankreich

477

334

-30,0%

Niederlande

90

284

215,6%

Ukraine

44

283

543,2%

Polen

14

26

85,7%

Belgien

10

12

20,0%

Andere

202

54

-73,3%

Gesamt

2.780

3.873

39,3%

Quelle: Statistisches Bundesamt / Sep-Mrz

*10079000 Körner-Sorghum (ausg. zur Aussaat)

Sorghumlieferungen in die EU

Derweil sind die Sorghumimporte aus Drittländern in die EU im vergangenen Jahr laut den Angaben der Europäischen Kommission um rund 20% auf 480.291 mt zurückgegangen. Sowohl die Lieferungen aus den USA als auch aus Russland und der Ukraine konnten nicht mit den 2018er Exporten mithalten.

Im April 2020 wurde, angesichts eines reichlichen Angebots und weltweit niedriger Preise für Mais der automatische Mechanismus zur Berechnung der Einfuhrzölle ausgelöst. So wurden die Einfuhrzölle für Mais, Sorghum und Roggen am 27. April 2020 auf 5,27 EUR/mt festsetzt. Damit sollte sichergestellt werden, dass die europäischen Erzeuger unter den derzeitigen Marktbedingungen nicht benachteiligt werden. Am 06. Mai 2020 wurden der Importzoll für Mais in die EU ein weiteres Mal erhöht und liegt aktuell bei 10,40 EUR/mt. Die Korrektur erfolgte gemäß der EU-Verordnung 642/2010, in der erläutert wird erläutert, dass der Einfuhrzoll für die drei Getreidearten auf der Differenz zwischen einem europäischen Referenzpreis und der weltweiten Benchmark für Mais basiert - dem US-Preis, berechnet als CIF-Maispreis (d.h. Kosten, Versicherung und Fracht eingeschlossen) im Hafen von Rotterdam. 

EU-Import Sorghum* aus Drittländern in mt

Land

2018

2019

Diff.

USA

519.578

416.555

-19,8%

Ukraine

64.277

57.627

-10,3%

Sudan

2.250

2.551

13,4%

Russland

16.827

2.233

-86,7%

Andere

4.692

1.325

-71,8%

Gesamt

607.624

480.291

-21,0%

Quelle: Europäische Kommission

Sorghumanbau in Europa

Wie das Deutsche Maiskomitee e. V. (DMK) berichtet, listet die jüngste Meldung des branchenübergreifende Verband Sorghum ID mit Sitz in Brüssel zum Anbau im Jahr 2019 für Sorghum zur Silageverwertung (Futter und Biogas) in Gesamteuropa 190.000 ha auf. Das entspricht gegenüber 2018 einer Steigerung um 11% auf 171.000 ha. Russland dominierte 2019 den Anbau mit 80.000 ha, gefolgt von der Ukraine mit 24.000 ha. Die EU kam auf eine Fläche von 86.400, das waren 17% mehr als im Vorjahr (73.400 ha). Frankreich war dabei mit 22.000 ha (+20%) größter EU-Erzeuger, gefolgt von Italien mit 13.000 ha (+30%). Deutschland lag bei konstanten 10.000 ha.

Beim Sorghumanbau zur Körnernutzung hat die gesamteuropäische Anbaufläche dem Bericht zufolge 2019 um ein Viertel abgenommen und lag bei 306.000 ha. Grund dafür waren massive Einbrüche im russischen Anbau. Die europäische Erntemenge 2019 stieg dennoch auf 1,26 Mio. mt (2018: 1,17 Mio mt). In der EU stieg die Körnersorghumfläche gleichzeitig stark an: um 30% auf 172.000 ha. Geerntet wurden 1,03 Mio. mt, rund 30% mehr als 2018 – daher der geringere Rückgang in der gesamteuropäischen Erntemenge. Die größten gesamteuropäischen Erzeugerländer waren Russland mit 99.000 ha, Frankreich mit 70.000 ha, Italien mit 46.000 und die Ukraine mit 35.000 ha. Zudem sollen im vergangenen Jahr 700.000 mt Sorghum aus den USA nach Europa importiert worden sein.

Dies könnte Sie ebenfalls interessieren

zur Nachrichten-Übersicht
Getreide
01.07.2026
DALIAN/KYJIW. Geringe Verfügbarkeit sorgt im chinesischen Markt für eingeschränkte Handelsaktivität. In der Ukraine ist Anbaufläche deutlich kleiner ausgefallen als im Vorjahr. Die EU-Importe sind 2025/2026 um 20% zurückgegangen.
Getreide
01.07.2026
DALIAN/KYJIW. Während der Sommermonate verläuft der Handel im chinesischen Markt üblicherweise etwas zäher. Die neue Ernte soll die Marktlage entspannen. Ukrainische Bauern haben ihr Aussaatziel übertroffen.
Bio-Rohstoffe
11.06.2026
ASUNCIÓN/SUCRE. In Paraguay steht der neuen Ernte die kritischste Zeit des Jahres bevor. Noch erlauben die Wetteraussichten einen zuversichtlichen Ausblick. Boliviens Handel wird durch Straßenblockaden beeinträchtigt.
Getreide
27.05.2026
KYJIW/DALIAN. Die Hirseaussaat in der Ukraine liegt weit hinter den Erwartungen zurück. In China gleichen sich Angebot und Nachfrage aus. Die EU-Importe sind um 16% zurückgegangen.