„Pandemie duldet keinen Aufschub“

8. Juni 2020 um 11:15 , Der AUDITOR
Solana-Geschäftsführer Torsten Spill auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin (Foto: GAA)
Solana-Geschäftsführer Torsten Spill auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin (Foto: GAA)
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BERLIN. Ortsgespräch mit Torsten Spill, Geschäftsführer der Solana Gruppe und Co-Vorsitzender der German Agribusiness Alliance

Herr Spill, Sie sind Geschäftsführer der Solana Gruppe und damit im internationalen Handel mit Kartoffelpflanzgut unterwegs – was gab es heute zum Frühstück?
Es kann nicht jeden Morgen Bauernfrühstück mit Knusperkruste unserer festkochenden Sorte Jule geben – deswegen stand heute früh das Einseiter-Toast mit Zitrusmarmelade neben Kaffee und Saft auf dem Tisch. 

Vergeht Ihnen angesichts der aktuellen Entwicklung der Agrarmärkte nicht gelegentlich der Appetit?
Die Corona-Pandemie stellt in der Tat alles auf den Kopf: Lieferketten stehen unter Druck, weil der freie Waren- und Personenverkehr nicht mehr gilt. Viele Länder führen Agrarexportbeschränkungen ein, um Handlungsfähigkeit zu demonstrieren – solche Exporte fehlen an anderer Stelle. Und es ist wirklich schmerzhaft zu sehen, wie etwa Landwirte in den USA ihre Milch auf die Felder ausbringen müssen, weil deren Absatzmärkte zusammengebrochen sind. 

Wie sieht Ihre Prognose aus?
Ich bin Co-Vorsitzender der German Agribusiness Alliance, deren Motto lautet: „Ernährungssicherheit geht uns alle an.“ Darin steckt mehr Aufbruch als auf den ersten Blick sichtbar. Zunächst einmal werden wir eine Verkürzung von Lieferketten beobachten – sicherlich keine Abkehr von der Globalisierung, aber doch eine Suche nach zusätzlichen Produktionswegen, die geografisch kürzer sein werden. Länder werden stärker auf die Produktion vor Ort setzen, wollen weniger anfällig für zukünftige Großereignisse wie die Corona-Pandemie werden und gleichzeitig Ernährungssicherheit gewährleisten. 

Wo ist der Aufbruch?
Die jetzige Konstellation bietet viele Chancen für Deutschlands Agribusiness: Kann ein Land wie beispielsweise Kasachstan seine Position auf den Weltgetreidemärkten sichern ohne moderne Landtechnik? Kann es die Versorgung seiner Bevölkerung gewährleisten ohne leistungsstarkes Milchvieh und robustes Kartoffelpflanzgut? In der jetzigen Situation, in der viele Länder ihre heimische Produktion stärken wollen, sind effiziente Agrartechnologien sinnvoller denn je – Deutschland kann liefern und dabei helfen, die neue agrarpolitische Agenda vieler Länder zu erfüllen. Diese Perspektive ist umso wichtiger, weil viele Häuser derzeit vor allem Geschäftseinbußen sehen. Wir aber sorgen für neues Wachstum – auf dem Acker, im Stall und damit schließlich in den Jahresbilanzen von Politik und Wirtschaft! 

Ist das die Aufgabe der German Agribusiness Alliance?
Wir sind ein Zusammenschluss von rund dreißig Verbänden, Großunternehmen und Mittelständlern im Agrarbereich und gemeinsam bringen wir die Modernisierung des Agrarsektors in internationalen Märkten voran: Mit Blick auf unsere drei Regionalschwerpunkte Osteuropa/Zentralasien, Asien und Afrika war für Osteuropa sicherlich das Gespräch mit Russlands Präsident Putin zur erleichterten Saatguteinfuhr das Highlight 2019; mit den Vizeagrarministern der Ukraine, Usbekistans und Russlands haben wir im Rahmen unserer Veranstaltungen auf der Grünen Woche in diesem Jahr persönlich die Aussichten für weitere Modernisierung ihrer Agrarwirtschaften diskutiert. Und mit etwas Glück treffen wir auch 2020 wieder persönlich mit dem Präsidenten Kasachstans zusammen. 

Mit anderen Worten: Deutsche Entscheidungsträger interessieren Sie nicht?
Ganz im Gegenteil: Unsere internationalen Aktivitäten führen wir im Dialog mit der deutschen Politik – vor allem mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Wir haben aber auch schon die Kanzlerin in den Kaukasus und den Bundespräsidenten nach Kasachstan begleitet. Wir wollen vor allem zu besseren politischen Rahmenbedingungen in unseren Schwerpunktregionen beitragen – dies tun wir im Schulterschluss mit der Politik und mit Hilfe eines engen Netzwerks. 

Klingt exklusiv und nach „kleiner Kreis“!
Unsere Gesprächsformate sind das Ergebnis langjähriger Arbeit – aber für jedes unserer Mitglieder offen! Viele Mitglieder sehen uns zu Recht als eine Art „Internationale Abteilung“ ihres Unternehmens, die für besondere Außenkontakte und erweiterte politische Netzwerkarbeit zuständig ist. Das heißt auch: Je mehr wir sind, desto besser können wir für die Belange der deutschen Agrarwirtschaft eintreten. Insofern: Willkommen in einem offenen und wachsenden Kreis! 

Herr Spill, gerade zum Abschluss nochmal Hand aufs Herz: Was kommt für das Agribusiness nach Corona?
Ich bin kein Hellseher – sicher ist aber, dass sich die bisherigen Herausforderungen an das Agribusiness durch die Pandemie nicht in Luft aufgelöst haben: Wachsender Protektionismus als politische Leitlinie, ausgreifender Fachkräftemangel in vielen Regionen und nicht zuletzt der Klimawandel mit seinen großen Anforderungen an die Landwirtschaft dulden kaum Aufschub in unserer Arbeit!



Torsten Spill
ist einer der drei Co-Vorsitzenden der German Agribusiness Alliance - in dieser Funktion ist er u.a. für den Regionalschwerpunkt Osteuropa/Zentralasien verantwortlich und Mitglied des Präsidiums des Ost-Ausschuss – Osteuropavereins der Deutschen Wirtschaft e.V.

Die German Agribusiness Alliance (GAA) ist eine Initiative führender Verbände und Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Sie dient als Plattform für den Austausch und die Bündelung wirtschaftlicher Interessen bei der Zusammenarbeit mit Transformations-, Schwellen- und Entwicklungsländern (Partnerländer) im Agrar- und Ernährungssektor Osteuropas/Zentralasiens, Asiens und Afrikas.

Weitere Informationen über die Vorteile einer Unternehmensmitgliedschaft in der German Agribusiness Alliance erhalten Sie bei der Geschäftsführung:
- Dr. Per Brodersen (p.brodersen@bdi.eu; 030/206167-124)
- Alina Gumpert (a.gumpert@apa.bdi.eu; 030/2028-1549)

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