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Leinsaat: „Risiko eines möglichen Einbruchs“

31. Dezember 2025 um 09:00 , Der AUDITOR
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SEEHEIM/PRAG. Das Jahr 2025 hatte wieder einiges zu bieten. Neue Regelungen und Rekordpreise waren in manchen Märkten an der Tagesordnung, klimatische Extreme in vielen Bereichen spürbar. Unser Geschäftspartner aus dem Leinsaatmarkt erklärt, wie die Marktteilnehmer sich diesen Hürden stellten und welche Erwartungen es an das kommende Jahr 2026 gibt. Lesen Sie hier das komplette Interview.

Mit welchen Schwierigkeiten hatte der Leinsaatmarkt im Jahr 2025 hauptsächlich zu kämpfen? Was hat sich im Vergleich zu den letzten beiden Jahren verändert?
Der Leinsaatmarkt hatte in diesem Jahr, wie in jedem anderen Jahr auch, mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. In dieser Saison lag die größte Herausforderung bislang in der Logistik. Die Verzögerung der Ernte war zwar ein Problem, ist aber höchstwahrscheinlich auf die Überkompensation im Vergleich zur letzten Saison zurückzuführen, in der die Ernte durch Regenfälle verzögert und teilweise ruiniert wurde. Die Logistik war in dieser Saison eine unerwartete Herausforderung, die uns die größten Schwierigkeiten bereitete. 

Die geopolitischen Spannungen sind ein fortwährendes Problem. Wie haben sich die Einfuhrzölle auf Lieferungen in die USA auf den Leinsaathandel ausgewirkt?
Im Falle der US-Importzölle gab es überraschenderweise keine langfristigen Auswirkungen auf Unternehmen, die in einer „europäischen Blase“ existieren. Es gab zwar zunächst einen leichten Preisanstieg, der sich jedoch recht schnell wieder ausglich.

Gab es beim Handel mit Russland in Bezug auf Leinsaat nennenswerte Nachteile? Oder haben kasachische Händler tatsächlich von den Handelsbeschränkungen profitiert, die von westlichen Ländern verhängt wurden?
Die Beschränkungen des Handels mit Russland hatten zwar Nachteile, diese betrafen jedoch hauptsächlich die Käufer. Die kasachischen Händler profitierten größtenteils davon, obwohl es in den ersten ein bis zwei Jahren zu Engpässen im Handel kam. 

Erneut sind die Rohwarenpreise in vielen Märkten deutlich gestiegen, einige haben historische Höchststände erreicht oder liegen knapp darunter. Inflation und höhere Produktionskosten hinterlassen ihre Spuren; unterdessen liegen die Leinsaatpreise, mit wenigen Ausnahmen, weitgehend auf dem Niveau des Vorjahres. Glauben Sie, dass die Marktteilnehmer von diesen Entwicklungen profitieren werden?
Wir glauben, dass die Stabilität des Leinsaatmarktes eine Nebenwirkung der oben genannten Sanktionen, Zölle und Beschränkungen ist, die ein ungünstiges Umfeld geschaffen haben, das die Produktion angekurbelt und dazu beigetragen hat, das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage aufrechtzuerhalten. Derzeit profitieren die Marktteilnehmer zwar von diesen Entwicklungen, jedoch nicht ohne das Risiko eines möglichen Einbruchs. 

Mit Blick auf die aktuelle Marktsituation: Vor welchen Herausforderungen könnte der Leinsaatmarkt im kommenden Jahr 2026 stehen?
Angesichts der Tatsache, dass die Herausforderungen der letzten zwei Jahre von niemandem vorhergesehen wurden, ist eine Prognose nahezu unmöglich. Die Wetterbedingungen erweisen sich immer wieder als Schwierigkeit, zumal die Landwirte dazu neigen, Vorhersagen übermäßig positiv zu bewerten, was zu unrealistischen Erwartungen führt. Wie bereits erwähnt, besteht auch die Möglichkeit eines potenziellen Einbruchs, und die logistischen Schwierigkeiten scheinen sich nicht auszugleichen, was ebenfalls eine Rolle bei der Ernte im nächsten Jahr spielen könnte.

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