Olivenöl: Positive Produktionserwartungen in der Türkei

3. November 2026 um 15:33 , Der AUDITOR
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IZMIR/MADRID. Die Türkei soll in diesem Jahr eine ertragreiche Olivenernte und Olivenölproduktion verzeichnen. Um dies erfolgreich in höhere Exporte zu wandeln, müssen allerdings einige Hürden beseitigt werden.

Weltweite Produktion von 3,25 Mio. mt erwartet

Der International Olive Council (IOC) hatte die weltweite Olivenölproduktion für die Saison 2025/26 auf rund 3,44 Mio. mt geschätzt. Dies entspräche einem Rückgang von 4% gegenüber der vorherigen Saison. Für die Saison 2026/2027 liegen bisher keine verifizierten offiziellen Länderprognosen des IOC vor. Unterdessen nennen verschiedene Marktberichte, die sich auf eine Aktualisierung des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) aus dem August beziehen, eine weltweite Produktionsmenge von rund 3,25 Mio. mt für laufende Saison 2026/2027. Für die Europäische Union wird dabei eine Produktion von etwa 2,10 Mio. mt veranschlagt. 

Teilweise moderate Ernteschätzungen im Mittelmeerraum

In wichtigen Erzeugerländern des Mittelmeerraums fallen die Erwartungen für die Saison 2026/2027 verhalten aus. Für Griechenland rechnet Manolis Giannoulis, Vorsitzender der Nationalen Interprofessionellen Olivenölorganisation, mit einer Produktionsmenge zwischen 280.000 und 330.000 mt. Am wahrscheinlichsten sei ein Ergebnis von rund 300.000 mt. Die Olivenernte dauert in Griechenland üblicherweise von Ende Oktober bis Februar. In Italien wurde die Saison 2025/2026 nach Angaben des Instituts für Dienstleistungen für den Agrar- und Lebensmittelmarkt (ISMEA) mit einer Produktion von 325.000 mt abgeschlossen. Das entspricht einem Zuwachs von 31% gegenüber der vorherigen Saison. Für 2026/2027 hält das Institut konkrete Prognosen allerdings noch für verfrüht.

Tunesien entwickelte sich auf Grundlage der Daten des IOC mit rund 450.000 mt in der Saison 2025/2026 zum weltweit zweitgrößten Olivenölproduzenten. Für die kommende Saison berichten Branchenvertreter von einer guten Blüte und ausreichenden Wasserreserven in den Stauseen. Eine Wiederholung der Rekordmenge aus der Vorsaison wird jedoch nicht erwartet.

Die hohen Ernteerwartungen in Spanien und der Türkei könnten den Preisdruck auf dem Weltmarkt verstärken. Allerdings handelt es sich bei sämtlichen genannten Mengen um vorläufige Schätzungen, die sich im weiteren Verlauf der Ernte noch verändern können. 

Positive Erwartungen in der Türkei

In der Türkei deutet vieles hingegen auf ein ertragsstarkes Olivenjahr hin. Nach der ersten Ernteschätzung des Türkischen Statistikinstituts (TÜİK) vom 21. Mai 2026 wird die Olivenproduktion voraussichtlich rund 3,814 Mio. mt erreichen. Das wäre ein Plus von 55,7% gegenüber den 2,45 Mio. mt des Vorjahres. Zum Vergleich: Mit 3,75 Mio. mt wurde 2024 bereits die bislang höchste Erntemenge verzeichnet.

Die Branche steht nun vor der Aufgabe, das gestiegene Produktionspotenzial in zusätzliche Exporterlöse umzuwandeln. Angesichts hoher Erträge weltweit und des daraus resultierenden Preisdrucks gestaltet sich die Planung für die neue Saison allerdings schwierig. Konkrete Exportziele lassen sich unter diesen Bedingungen nur schwer festlegen. M. Emre Uygun, Vorsitzender des Ägäischen Verbands der Oliven- und Olivenölexporteure, sieht insbesondere steigende Kosten, einen erschwerten Zugang zu Finanzierungen und Handelshemmnisse auf internationalen Märkten als zentrale Herausforderungen. 

Türkische Exporte sinken um 28%

Zwischen Januar und September 2026 sind die Oliven- und Olivenölexporte aus der Türkei gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich zurückgegangen. Der Exportwert sank um 28% von 381 Mio. USD auf 273 Mio. USD. Auch die ausgeführte Menge verringerte sich. In den ersten neun Monaten 2025 waren 121.000 mt ins Ausland geliefert worden, dieses Jahr waren es hingegen lediglich 87.000 mt.

Ein Blick auf die einzelnen Produktgruppen zeigt unterschiedliche Rückgänge. Bei schwarzen Oliven sank das Exportvolumen um 14% auf 48.100 mt, der Ausfuhrwert verringerte sich um 9% auf 127 Mio. USD. Grüne Oliven verzeichneten einen Rückgang der Exportmenge von 19% auf 14.400 mt, so dass der Ausfuhrwert um 11% auf 41,3 Mio. USD zurückging.

Besonders deutlich fiel der Rückgang bei Olivenöl aus. Beeinflusst durch Preisschwankungen im internationalen Markt und Exportbeschränkungen aus früheren Zeiträumen gingen die Ausfuhren mengenmäßig um 53% auf 15.700 mt zurück. Der Exportwert sank gleichzeitig um 48% auf 82,1 Mio. USD. Auch Oliventresteröl war von rückläufigen Exporten betroffen. Sowohl die ausgeführte Menge als auch der Warenwert lagen jeweils 40% unter dem Vorjahresniveau. Damit beliefen sich die Exporte auf 8.600 mt beziehungsweise 22,8 Mio. USD. 

Zölle und Quoten schränken türkische Exporte ein

Uygun sieht in den Zöllen USA und den Quoten der Europäischen Union wesentliche Hindernisse für das Wachstum der türkischen Oliven- und Olivenölexporte. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu stärken, seien entsprechende Anpassungen der handelspolitischen Rahmenbedingungen erforderlich. Für den US-Markt fordert er die Abschaffung des derzeit geltenden zusätzlichen Zollsatzes von 12,5% auf türkische Produkte. Mit Blick auf die Europäische Union spricht er sich dafür aus, das bestehende Quote von 100 mt auf mindestens 60.000 mt anzuheben.

Auch die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Großbritannien seien für die Branche von Bedeutung. Uygun erwarte, dass Oliven und Olivenöl aus der Türkei künftig zollfrei auf den britischen Markt gelangen könnten. Um die hohe Erntemenge der kommenden Saison in steigende Exportzahlen umzusetzen, müsse die Türkei ihren Marktzugang verbessern und insbesondere die Ausfuhren abgepackter Produkte mit höherer Wertschöpfung ausbauen. 

EU-Exporte bleiben rückläufig

In den ersten vier Wochen der EU-Exportsaison 2026/2027 blieben die Olivenöllieferungen rückläufig. Zwischen dem 01.10. und dem 25.10.2026 exportierten EU-Länder insgesamt 44.050 mt Olivenöl (EU-Kategorien 1 bis 5, behandelt und unbehandelt), das entspricht einem Rückgang um 5% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Exportwert hingegen ging aufgrund günstigerer Preise um 10,3% zurück und lag bei 229,418 Mio. EUR. Der durchschnittliche Exportpreis kam im oben genannten Zeitraum auf 5,21 EUR/kg, während er im Vorjahr bei 5,52 EUR/kg lag.

Mit 25.620 mt stammten rund 58% der EU-Exporte aus Spanien (+1,7% ggü. Vj.), es folgen Italien (+14% auf 15.300 mt), Portugal (-63,3% auf 1.800 mt) und Belgien (+55,4% auf 491 mt). Aus Griechenland wurden hingegen bislang noch keine Exporte verzeichnet, während das Land im ersten Monat der Saison 2025/2026 rund 1.620 exportierte. Knapp 22% der EU-Lieferungen erfolgten mit 9.513 mt in die USA (-18,8% ggü. Vj.), weitere wichtige Abnehmerländer waren China (+62,6% auf 5.233 mt), Großbritannien (-1% auf 4.539 mt) und Kanada (+64,4% auf 2.646 mt). 

EU-Export Olivenöl in mt

Destination

2025/26

2026/27

Diff.

USA

11.721

9.513

-18,8%

China

3.219

5.233

62,6%

Großbritannien

4.585

4.539

-1,0%

Kanada

1.609

2.646

64,4%

Japan

2.177

2.603

19,6%

Brasilien

4.977

2.298

-53,8%

Australien

1.963

2.193

11,7%

Mexiko

1.754

2.005

14,3%

Südkorea

2.819

1.495

-47,0%

Israel

397

1.142

187,7%

Andere

11.148

10.383

-6,9%

Gesamt

46.369

44.050

-5,0%

Quelle: DG AGRI TAXUD Customs Surveillance System, 01.10.-25.10.

15092000+15093000+15094000+15099000 Olivenöl

EU-Importe starten positiv in neue Saison

Derweil beliefen sich die EU-Importe im oben genannten Zeitraum auf 3.561 mt Olivenöl (+22,5% ggü. Vj.) im Wert von 12,826 Mio. EUR (+8,2% ggü. Vj.). Mit 3.561 mt stammen 41,8% der Lieferungen aus Marokko, weitere 27,5% stammen aus Tunesien, während die Türkei lediglich 40 mt Olivenöl im Wert von 309.379 EUR in die EU exportierte – rund 24,5% bzw. 1% weniger als im Vorjahreszeitraum. Fast 60% der Importe erfolgte mit 2.110 mt nach Spanien und Italien importierte 633 mt aus Drittstaaten. 

EU-Import Olivenöl in mt

Partner

2025/26

2026/27

Diff.

Marokko

487

1.490

206,0%

Tunesien

1.114

978

-12,2%

Argentinien

2

739

36.850,0%

Chile

557

98

-82,4%

Großbritannien

14

54

285,7%

Andere

732

202

-72,4%

Gesamt

2.906

3.561

22,5%

Quelle: DG AGRI TAXUD Customs Surveillance System, 01.10.-25.10. 15092000+15093000+15094000+15099000 Olivenöl

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