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Manner: Herausforderung bei der Rohwarenbeschaffung in der Corona-Krise

2. Juli 2020 13:55, Der AUDITOR
Dr. Alfred Schrott, Vorstand für Marketing und Vertrieb der Josef Manner & Comp. AG in Wien
Dr. Alfred Schrott, Vorstand für Marketing und Vertrieb der Josef Manner & Comp. AG in Wien
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SEEHEIM/WIEN. Die AUDITOR-Redaktion hatte Gelegenheit zu einem Gespräch mit Herrn Dr. Alfred Schrott, Vorstand für Marketing und Vertrieb der Josef Manner & Comp. AG in Wien. Wir wollten wissen, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf den Waffelhersteller hatte und wie sich das Kaufverhalten der Kunden verändert hat und wo die Rohstoffbeschaffung kritisch ist.

AUDITOR: Was war für Sie die größte Herausforderung, den Geschäftsbetrieb trotz Covid19-Pademie aufrechtzuerhalten? Die Rohstoffversorgung, der Produktionsablauf, die Logistik oder die Absatzwege? Gab es in Ihrem Unternehmen auch Kurzarbeit?
Dr. Schrott: Die Corona-Krise hat den Arbeitsalltag von Manner komplett verändert. Die Lebensmittelindustrie zählt auch in Österreich zur kritischen Infrastruktur, damit die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln sichergestellt bleibt. Manner hat kontinuierlich weitergearbeitet, damit die Lager und Regale gefüllt bleiben. Dabei steht der Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer an oberster Stelle. Wir haben bereits in den ersten Wochen der Pandemie umfangreiche Vorbereitungen getroffen, um unseren Kunden, Partnern und Mitarbeitern bestmöglichen Schutz, Sicherheit und eine möglichst unterbrechungsfreie Produktion bieten zu können. Selbstverständlich haben wir dabei jegliche Maßnahmen, die zur Reduzierung des Virus beitragen und reduzieren unterstützt und daher die sozialen Kontakte auf ein Minimum beschränkt. Über 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiteten von einem Tag auf den anderen von zu Hause, Meetings finden nach wie vor über digitale Plattformen statt. Dezentrales Arbeiten musste sozusagen schlagartig funktionieren, alle waren hier sehr diszipliniert. In manchen Bereichen, wie z.B. unseren Shops, hatten wir Kurzarbeit.

Die größte Herausforderung lag und liegt bei der Schichtentkopplung. Vorrangiges Ziel hierbei ist es, bei einem positiven Coronafall nicht die gesamte Produktion schließen zu müssen. Daher haben wir Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, um Personen bestmöglich in den Schichten voneinander zu trennen. Ein ganz zentrales Thema ist auch die enge Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten, um Lieferengpässen entgegenzuwirken. Zucker und Mehl haben wir praktisch „vor unserer Haustüre“, da hoffen wir, dass weiterhin eine Stabilität bei der Versorgung gegeben ist. Bei anderen Rohstoffen wie Haselnüssen oder Kakao sehen wir in der Versorgungskette Herausforderungen. Qualitativ hochwertige Schokolade ist ein zentraler Bestandteil der Manner Produkte, daher verarbeitet Manner die Kakaobohnen selbst zu Schokolade „from bean to bar“. Denn Qualität und Beschaffenheit der Kakaobohnen sind ausschlaggebend für den besonderen und außergewöhnlichen Geschmack der beliebten Manner Produkte. In diesem Jahr ist ein wichtiger Meilenstein bei der Verwendung von Schokolade in der Unternehmensgeschichte von Manner erreicht worden: seit 2020 werden 100% nachhaltig zertifizierte Kakaobohnen für die Markenprodukte von Manner verwendet. Die Umstellung folgte Schritt für Schritt, zusammen mit den Partnern UTZ und FAIRTRADE. Hier setzen wir auf die vertrauensvolle und langjährige Zusammenarbeitmit unseren Lieferanten, zurzeit sieht die Versorgung gut aus. 

AUDITOR: Wie hat sich das Kaufverhalten der Verbraucher verändert? Wo ist der Absatz gestiegen, wo zurückgegangen?
Dr. Schrott: Die größten Auswirkungen der Corona-Krise sehen wir bei drei Punkten: 1) bei unseren Manner-Shops 2) in strukturschwächeren Exportländern sowie 3) bei Artikeln, die als Geschenk oder Mitbringsel gekauft werden. Durch Corona bedingt entfällt der Impulskauf bei den süßen Convenience-Produkten. Der Konsument kauft gerade hier überlegter und auch geplanter. Wir bemerken, dass der Verbraucher in der Krise sämtliche Einkäufe 1-Stop erledigt, er versucht alles in einem Geschäft abzudecken. 

Unsere Manner-Shops sind dort, wo entweder der Österreicher die Manner-Süßware als Mitbringsel auf seine Reise mitnimmt oder der Tourist als Erinnerung an den Urlaub kauft. Beides war über Wochen nicht möglich. Unsere Umsätze gehen in diesem Bereich verloren, aber wir dürfen nicht vergessen, dass anderen Unternehmen die Geschäftsgrundlage völlig wegbricht. Dadurch, dass sich Konsumenten auch zu Hause kleine Glücksmomente gönnen, sehen wir trotzdem Potenzial für die kommenden Monate. Man möchte sich auch in schwierigen Zeiten etwas Gutes tun, da liegt das kleine rosa Glück der Manner Produkte sehr nahe – und ist auch leistbar. Zum Beziehungswert von Manner gehört ein schöner Urlaub, das Unbeschwertsein und damit ein kleiner glücklicher Moment. Manner verbindet man Österreich, Manner ist die rosa Visitenkarte des Alpenlandes. Genau da setzen wir auch an.

Im Export merken wir, dass in einigen Märkten die Konsumenten gerade an Importartikel in der Krise einsparen, aufgrund der höheren Preisgestaltung. Viele Konsumenten befürchten finanzielle Einbußen durch die Corona-Krise und werden daher auch ihr  Konsumverhalten einschränken. Dennoch verzeichnen wir einen Zuwachs bei Online-Bestellungen von Manner Produkten. Bislang hat sich der Umsatz im Onlineshop um ca. 40% erhöht.  

AUDITOR: Was bedeutet dies für Ihr Unternehmen, die Produktion wieder hochzufahren? Was ändert sich durch die sicher noch andauernde Corona-Virus-Pandemie? Für Ihre Belegschaft, für Ihre Handelspartner bei der Rohstoffversorgung, für Ihre Vertriebswege. Gibt es Pläne zur Verkaufsförderung Ihrer Produkte? Verändern Sie womöglich Verkaufsgebinde oder stellen neue Produktinnovationen vor?
Dr. Schrott: Für alle Unternehmen ist diese neue Situation eine enorme Herausforderung und bedeutet strukturelle Veränderungsprozesse dynamisch voranzutreiben. Es ist auch eine Chance, Unternehmensabläufe zu überdenken und neu auszurichten. Zudem gewinnen gerade jetzt Werte wie Solidarität, Rücksichtnahme und Nachhaltigkeit in der Zusammenarbeit miteinander und auch Wirtschaftspartnern an Bedeutung.

Die Manner Schnitte hat eine enorme Symbolkraft und wird als Herzmarke im In- wie Ausland gesehen. Es wäre sicherlich ein schlechtes Zeichen, wenn das Produkt im Handel ausgeht. Handel und Industrie arbeiten im Moment sehr gut zusammen, um die Versorgung zu gewährleisten. Verändert hat sich sicherlich das WIE – man sieht sich per Skype, persönliche Kontakte finden nicht statt. Vermutlich wurde dabei auch das eine oder andere Digitalisierungs-Projekt schneller vorangetrieben. 

Interessante Pluspunkte für den Handel sind sowohl die beliebten Manner Klassiker als auch die zeitgemäßen Produktinnovationen – damit punkten wir aktuell in der Krise. Zentraler Faktor für die dynamischen Wachstumsraten von Manner ist das breit gefächerte, attraktive Produktsortiment. Manner ist im Top 15 Produktranking aller Waffelartikel mit drei starken rosa Produkten vertreten. 

Die Poleposition hierbei hat der klassische Manner Neapolitaner 400 g Beutel, der ein Wachstum von 24 Prozent Zuwachs verzeichnet. Gefolgt von den Manner Waffeln Zitronencreme im 400 g Beutel, mit einem Plus von 48,7 Prozent. Die eigens für den deutschen Markt entwickelte Produktrange Manner Knuspino Waffeln, in den Sorten Haselnuss, Vanille und Schokolade, erobern seit 2018 erfolgeich den Handel und sind weiterhin mit einem Plus von 75,2 Prozent die Manner Shootingstars.  

Starke Unterstützung erhält die Marke Manner wie gewohnt durch ein umfassendes Paket an Marketingmaßnahmen – von TV- und Plakatwerbung, Online und Social Media Kampagnen, über aufmerksamkeitsstarke POS Aktivitäten, starke Promotions in Kombination mit attraktiven Konsumentengewinnspielen, Sampling, PR und Events. Und natürlich halten wir an unserem Sponsoring für die Skispringer fest, dass eine enorme Strahlkraft für die Marke Manner hat. Nächstes Jahr sind wir Hauptsponsor der WM in Oberstdorf, darum wird es bei unserer Winterpromotion und bei zahlreichen Maßnahmen gehen.

In der Kommunikation mit den Verbrauchern werden wir aber auch neue Wege gehen. In den nächsten Jahren werden wir in Deutschland und Österreich attraktive Manner Kundenclubs aufbauen. Starke Marken haben dabei einen klaren Vorteil. Wir können damit eine zeitgemäße Word of Mouth Strategie umsetzen. Ziel ist es, dass Verbraucher aktiv an der Marke „teilhaben“, bei Produkttests, speziellen Aktionen und Gewinnspielen mitmachen und Rezepte und Tipps etc. erhalten. Der Manner Club ist ein dynamischer, Zielgruppen orientierter Prozess mit einem aktiven Austausch zum Konsumenten. 

AUDITOR: Vielen Dank für Ihre Zeit, Herr Dr. Schrott.

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