Lebensmittel-Lieferketten: Dachser verurteilt Hamsterkäufe
26. März 2020 um 08:50 ,
Der AUDITOR
LKW-Fahrer weigern sich nach Deutschland zu fahren
Da an den Grenzen umfangreiche Gesundheitskontrollen durchgeführt werden und in fast allen Ländern Reisebeschränkungen gelten, hat der EU-Binnenmarkt eine beispiellose Störung des freien Verkehr von Personen und Waren erlebt. Die Situation eskalierte Ende letzter Woche, als das Rote Kreuz hinzugezogen werden musste, um sich um Fahrer zu kümmern, die stunden- und tagelang an den Grenzen zu Polen im Stau gesteckt haben. Inzwischen hat sich die Lage verbessert. Wie das Hauptzollamt in Frankfurt an der Oder mitteilt, waren die Straßen nach Polen in den letzten Tagen weitgehend leer, nachdem Polen die Gesundheitskontrollen für LKW-Fahrer eingestellt hat.
Die Verzögerungen an den Grenzen und die Quarantänemaßnahmen in allen Mitgliedsstaaten haben sich auf Lieferungen nach Osteuropa ausgewirkt. Händler berichten, dass ein Hochmorphin-Blaumohnlieferant in Spanien vorübergehend schließen musste. Das Problem: es standen keine Lastwagen zur Verfügung. Obwohl das Unternehmen wieder geöffnet hat und die Lastwagen wieder rollen, gibt es keine Möglichkeit zu sagen, wann der Mohn in Russland ankommen wird. Mit Verzögerungen ist zu rechnen. Wie Marktteilnehmer in Deutschland berichten haben Lieferanten von Weizenmehl in Polen Schwierigkeiten, Lastwagen für den Transport nach Deutschland zu finden. Angesichts der Staus der vergangenen Woche weigern sich LKW-Fahrer gar andere Länder zu bereisen.
Dachser Food Logistics kritisiert Hamsterkäufe scharf
Dachser Food Logistics hingegen bestätigt, dass dem Unternehmen, in Deutschland und im Ausland, ausreichend Fahrer zur Verfügung stehen. Christian Auchter, Consultant for Corporate Public Relations gibt Entwarnung. "Grenzüberschreitender Verkehr bzw. damit zusammenhängende Probleme (evtl. Staus, Quarantäne, Einreise/Rückkehr) sind im Food-Geschäft weniger ausgeprägt," so Auchter. Die Nachfrage seitens des Lebensmitteleinzelhandels ist stark gestiegen, insbesondere bei Produkten mit längerer Haltbarkeit, die nicht gekühlt werden müssen. Auch die Nachfrage nach Frischwaren steigt.
Obwohl Lieferverzögerungen in Deutschland kein generelles Problem darstellen, betont Auchter: "Dieses Bild kann sich jedoch täglich ändern, und vereinzelt wird es immer wieder zu Behinderungen kommen. Wir brauchen deshalb auch weiterhin ein Maximum an Flexibilität auf allen Seiten, damit die Lieferkette nicht ins Stocken gerät. Der Handel ist in diesen Tagen zudem sehr großzügig, was die Anlieferzeiten betrifft". Laut Auchter verzerren zudem die Hamsterkäufe das Bild der Versorgungslage: "Von einem Mangel an Lebensmitteln kann man nicht sprechen. Die Läger sind voll, die Logistik ist betriebsbereit und funktioniert. Leere Regale sind die Folge der Hamsterkäufe der letzten Tage, doch die Lieferketten sind intakt."