Lasst uns das Bürokratie-Monster erschlagen!

3. April 2020 um 13:37 , Der AUDITOR
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SEEHEIM-JUGENHEIM. Die Hilfsgelderausschüttung scheitert nicht nur an Bürokratie und Personalmangel – und fehlt vor allem dort, wo sie dringend benötigt wird.

Aufgrund der vielen positiven Rückmeldungen auf den Beitrag vom 23.03. (Darum sollte die Auszahlung von Hilfsgeldern über die Finanzämter erfolgen), zieht CEO Michael Gütlich Bilanz, was sich seither getan und wie Sie selbst zur Umsetzung beitragen können. 

Ich wurde von einem Leser informiert, dass mein Vorschlag an sein zuständiges Ministerium weitergeleitet wurde und dort wohl geprüft werden soll. Meine Empfehlung daher: Wenn Sie ebenfalls meine Meinung teilen, leiten Sie meinen Vorschlag an Ihren zuständigen Abgeordneten weiter, mit der Bitte diesen zu prüfen. 

Hohe bürokratische Hürden und Personalmangel bei den staatlichen Kreditgebern verhindern derzeit, dass die Hilfsgelder in Milliardenhöhe schnell bei den Unternehmen ankommen. Oftmals scheitert es allerdings auch an den Hausbanken, die für 10% des Hilfskredites haften. Berichten zufolge wurden bisher 74% der Kreditanträge von Familienunternehmen abgelehnt, da die Banken dieses Risiko nicht tragen können oder wollen. Hier wurde eine befristete, 100% Haftung des Staates gefordert. Aber das reicht nicht. Zudem sind Kredite nur bedingt hilfreich, wenn sie zurückgezahlt werden müssen. Wenn sich die Situation erst einmal wieder bessert, werden die Gewinne nicht plötzlich verdoppelt, um Altlasten und laufende Kosten abdecken zu können. 

Wir als Dedere Deutschland GmbH haben selbst feststellen können, dass der Server des Landes Hessen unter der Wucht der Anfragen auf Hilfsgelder zusammengebrochen ist. Darüber hinaus hat unsere Bank erhebliche Probleme bei der Bearbeitung der Finanzierungsfragen ihrer Kunden, bei anderen wird es ähnlich sein. Zudem hat sich gezeigt, dass ein Teil der Anträge schon daran scheitert, dass viele Tippfehler bei der Eingabe ihrer Kontonummer im Onlineformular machen. Die Abwicklung der Hilfsgelderausschüttung über das Finanzamt wäre eine elegantere Lösung. Schließlich gibt es keine Behörde in Deutschland, die mehr Informationen über uns besitzt als das Finanzamt. In der Regel liegen dort sogar die Kontonummern vor. So kann Missbrauch vorgebeugt werden. 

Finanzminister Olaf Scholz erklärte am 02.04., wir hätten keine anderen Möglichkeiten und Organe als die KfW und die Banken, um die Hilfszahlungen abzuwickeln. Aber was ist das Finanzamt denn sonst? Hier haben wir zudem mit Profis auf dem Gebiet „Finanzen“ zu tun. 

Es gibt aber durchaus auch schon positive Änderungen. So teilte uns Rechtsanwalt Michael Moser in einem Interview mit: „Die Verpflichtung des Arbeitgebers ist bis zum 30.09.2020 ausgesetzt, einen Insolvenzantrag zu stellen, wenn der Arbeitgeber zum Jahresende 2019 noch nicht zahlungsunfähig war. Dann wird gesetzlich vermutet, dass eine später eingetretene Insolvenzreife auf den Auswirkungen der „Corona-Pandemie“ beruhen und Aussichten bestehen, eine zwischenzeitlich eingetretene Zahlungsunfähigkeit nach dem Abklingen der Pandemie wieder zu beseitigen.“ Das ganze Interview können Sie hier nachlesen

Abschließend kann man nur allen Unternehmen danken, die mit Fleiß und Kreativität dem drohenden Abstieg entgegentreten, alles dafür tun, ihre Mitarbeiter zu halten und an ihre persönlichen und privaten Reserven gehen, um durch diese Krise zu manövrieren. Anders als in den USA gibt es hier im Mittelstand noch eine höhere Solidarität zu seinen Mitarbeitern. Auch das macht uns stark im Vergleich zu anderen Ländern. Der Dank gilt aber auch all denen, die von der aktuellen Situation betroffen sind und trotzdem einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie beispielsweise unsere Landwirte als Erntehelfer unterstützen. 

von Michael Gütlich, CEO Dedere Deutschland GmbH

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