Kartoffeln: Dem Pommes-Frites-Markt geht die Puste aus

30. Juni 2020 um 07:31 , Der AUDITOR
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FRANKFURT. Der westeuropäische Kartoffelmarkt muss in diesem Jahr den starken Absatzeinbruch bei Pommes Frites und anderen Kartoffeltrockenprodukten aushalten. Jetzt zieht zusätzlich Druck auf vom Wetter, haben kräftige Niederschläge in den Benelux-Ländern und auch am Niederrhein für höhere Ernteerwartungen bei Speise- und Industriekartoffeln gesorgt. Was gibt der Markt her? Mehr dazu im Beitrag.

Der westeuropäische Kartoffelmarkt zeigte im Saisonverlauf einen katastrophalen Absatzeinbruch von tiefgekühlten, gekühlten und Kartoffeltrockenprodukten. Hauptsächlich in den Bereichen Gastronomie, Kantinenversorgung und im Export, konnten nicht nur europaweit, sondern auch in Deutschland mehrere 100.000 mt Verarbeitungskartoffeln nicht verwertet werden, mussten der Verfütterung, Biogasanlagen und anderer Entsorgung zugeführt werden. Die Schäden hierfür gehen in die Millionen, so Horst-Peter Karos, Geschäftsführer des Bundesverbandes der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie. Anders am Speisekartoffelmarkt. Zunächst liefen die Geschäfte wie üblich Anfang Februar langsam an. Dann überraschte ein Nachfrageboom das Kartoffelgeschäft, als viele Verbraucher wegen der Corona-Pandemie vermehrt zu Hause speisten. Das förderte die Importe von Frühkartoffeln aus Ägypten. Jedoch zeigte sich, dass im April vermehrt Lagerware abgenommen wurde, was das Frühkartoffelgeschäft einbremste, im Vergleich zum guten Vorjahresabsatz. Im Mai belebte sich der Frühkartoffelabsatz, Programmware wurde gut geräumt. Der Preisanstieg hatte die Importe jedoch im Übermaß stimuliert, insbesondere aus Ägypten, die über die Niederlande preiswert angeboten, aber vom Markt nicht abgenommen wurden. Auch aus Israel verspätet gelieferte Frühkartoffeln ab der zweiten Maihälfte hatten im festkochenden Segment Probleme. Spaniens Frühkartoffelangebote kamen durch Kälte und Nässe verspätet an den Markt. Das deutsche Frühkartoffelangebot geriet wegen nasskühler Witterung im Mai ins Stocken. Die Vermarktung von gesackter Ware lief seit Mai im Südwesten lebhaft.

Kassamarkt - Industriekartoffeln

Notierung

EUR/100 kg

Veränderung

Belgapom (B)

 

 

Binte

3,00

0,00

Challenger

3,00

0,00

Fontane

3,00

0,00

PotatoNL (NL)

 

 

Kat. 1

nicht notiert

 

Kat. 2

nicht notiert

 

Fritten lang

nicht notiert

 

Export

3,50

0,00

RNM (F)

 

 

Binte

3,00

0,00

Fontane

3,00

0,00

Quelle: Handel

Belgiens Pommes-Markt im Keller
Die Nachfrage am belgischen Fritten-Markt litt heftig unter eingebrochener Nachfrage im Gastrobereich. Mit der Kampagne „SOS Patat: Rote Pommes, Pommes essen", schlossen sich Too Good To Go und wichtige Handelspartner zusammen, um den Verlust von 750.000 mt belgischen Kartoffeln zu vermeiden. Die aktuelle Situation hat das Konsummuster von Tiefkühlkartoffelprodukten auf verschiedenen Ebenen erschüttert. Mit Rückgang der Exporte und Schließung eines großen Teils des Catering-Sektors in Belgien, aber auch weltweit, sind die Mengen der verkauften Tiefkühlprodukte stark gesunken. Daher sind die Kühlzellen der Kartoffelverarbeiter überfüllt. In der Folge gab die Belgapom eine unveränderte Notierung bekannt. Sortenübergreifend wurden 3 EUR/100 kg aufgerufen. Freie Mengen werden am Spotmarkt mit 5 bis 6 EUR/100 kg vergütet. Jedoch sah es zuletzt am Niederrhein, im Westen Niedersachsens sowie in Flandern und Belgien nicht nach einer frühen Ernte aus. Möglichweise könnten Doppelnutzungssorten den Speisekartoffelmarkt zusätzlich belasten, wenn bis die Pommes-Nachfrage nicht nieder wieder anspringt.

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