Iran: Lage bei den Agrar- und Lebensmittelexporten
30. April 2026 um 12:02 ,
Der AUDITOR
Lieferungen laufen trotz Verbot weiter
Obwohl der Iran seit dem 3. März 2026 alle Lebensmittel- und Agrarexporte auf unbestimmte Zeit offiziell eingestellt hat, um eine ausreichende Versorgung des heimischen Marktes sicherzustellen, versuchen Exporteure weiterhin ihr Bestes, um Nüsse, Trockenfrüchte, Gewürze und Kräuter zu verkaufen. Tatsache ist, dass die Blockade der Straße von Hormus, die seit Beginn des von den USA und Israel geführten Krieges gegen den Iran am 28. Februar in Kraft ist, die Exporteure dazu veranlasst hat, auf andere Routen auszuweichen. Der Iran ist der weltweit führende Produzent von Safran und der zweitgrößte Produzent von Pistazien. Darüber hinaus spielt das Land eine wichtige Rolle in der internationalen Lieferkette für Rosinen, Feigen und Datteln.
Hohe Abhängigkeit von der Straße von Hormus
Vor dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran und der darauffolgenden Seeblockade, die zu Einschränkungen auf den südlichen Seewegen des Iran führte, stützte sich die Exportinfrastruktur des Landes überwiegend auf den Seetransport. Ein erheblicher Teil der Exportgüter wurde über die südlichen Häfen des Iran verschifft, wobei die Straße von Hormus genutzt wurde, um die Zielmärkte zu erreichen. Gleichzeitig trug auch ein Netz aus Landgrenzen und Eisenbahnstrecken zu den Exportaktivitäten bei, wenn auch mit einem vergleichsweise geringeren Anteil als die Seewege. Zu den wichtigsten Grenzübergängen zählten Bazargan nahe der Türkei, Parviz Khan, Bashmaq und Mehran an der Grenze zum Irak, Astara an der Grenze zur Republik Aserbaidschan sowie Mirjaveh an der pakistanischen Grenze. Diese dienten als Zufahrtswege für einen Teil der iranischen Exporte. Darüber hinaus erleichterten nördliche Korridore über Astara und die Häfen am Kaspischen Meer die Handelsverbindungen mit Russland, dem Kaukasus und Zentralasien. Dennoch blieb die Hauptrolle beim Umschlag des Großteils der Exportgüter den südlichen Seewegen vorbehalten.
Alternatives Transportnetz in Betrieb
Nach Ausbruch des Konflikts nahm die Bedeutung von Land- und Schienenwegen für den Transit iranischer Exportgüter erheblich zu. Ein größerer Anteil der iranischen Exporte wurde folglich über Landgrenzen und regionale Transitstraßen umgeleitet. Im Norden des Iran entwickelte sich der Grenzübergang Astara – der sich durch seine dreifache Anbindung über Straße, Schiene und Seeverkehr über das Kaspische Meer auszeichnet – zu einem zentralen Exportknotenpunkt, der den Iran unter anderem mit eurasischen und europäischen Märkten verbindet. Ebenso werden die nördlichen Häfen am Kaspischen Meer, darunter Anzali, Amirabad und Noshahr, nun für den Versand iranischer Exportgüter nach Russland und in andere Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres genutzt und ergänzen damit die bestehende landgestützte Infrastruktur.
Im Westen des Iran behält der Grenzübergang Bazargan seinen Status als primärer Durchgangsweg für Exporte in die Türkei und damit auch in europäische Märkte. Gleichzeitig spielen die Grenzübergänge Parviz Khan, Bashmaq und Mehran eine wichtige Rolle beim Transport iranischer Exportgüter auf den irakischen Markt und wickeln ein beträchtliches Handelsvolumen ab. Im Osten des Iran fungiert der Grenzübergang Mirjaveh als aktiver Verbindungspunkt zu Pakistan und erleichtert den Warentransfer in dieses Land. Zusammen bilden diese verschiedenen Übergänge ein vernetztes System aus Land- und Schienenwegen, über das ein erheblicher Teil der iranischen Exporte abgewickelt wird.
Die verstärkte Aktivität an diesen Grenzen geht einher mit einer intensiveren Nutzung regionaler Transitkorridore für iranische Exportgüter: Nördliche Routen, die den Iran über Aserbaidschan mit Russland und eurasischen Ländern verbinden, westliche Routen, die über die Türkei und den Irak Zugang zu regionalen und überregionalen Märkten wie Europa bieten, sowie östliche Routen, die Handelsverbindungen mit Pakistan herstellen, wurden alle in den Exportfluss integriert. In diesem Rahmen fungieren die nördlichen und westlichen Grenzen, insbesondere Astara, Bazargan und die irakischen Grenzübergänge, sowie die östliche Grenze bei Mirjaveh als wichtigste Ein- und Ausfuhrpunkte für iranische Exportgüter. Die nördlichen Häfen am Kaspischen Meer tragen zusätzlich zur Robustheit und Vollständigkeit dieses Transportnetzes bei.
Internet-Sperre als großes Problem
Ein weiteres Problem für Exporteure ist die fast vollständige Internet-Sperre, die erstmals im Januar verhängt wurde, als das Regime hart gegen Demonstranten vorging. Am 28. Februar sperrten die Behörden den gesamten Internetzugang vollständig, und seitdem herrscht ein fast vollständiger Blackout, wobei ausgewählte Gruppen eingeschränkten Zugang haben, wie Medienberichte hervorheben. Dies erschwert die internationale Kommunikation für Exporteure extrem. Wie Iran International berichtet, hat sich die Position des Landes auf dem internationalen Markt verschlechtert, und die wirtschaftlichen Verluste sind sehr hoch. Die iranische Handelskammer schätzt die täglichen Verluste auf 30-40 Mio. USD bzw. auf 70-80 Mio. USD, wenn man auch die indirekten Schäden mit einbezieht.
Am Dienstag berichteten lokale Medien zudem, dass die Zollbehörden den Export bestimmter Stahlprodukte, darunter Brammen und Bleche, bis zum 30. Mai verboten haben, nachdem die USA und Israel zwei wichtige Stahlwerke in den Provinzen Isfahan und Khuzestan angegriffen hatten. Zuvor hatte das Land den internationalen Verkauf bestimmter Chemikalien, Petrochemikalien und Polymere verboten, nachdem petrochemische Fabriken getroffen worden waren.
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