Hülsenfrüchte

Hülsenfrüchte: Ungenutztes Potenzial

17. April 2024 um 11:19 , Der AUDITOR
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ANKARA. Marktteilnehmer beschweren sich darüber, dass die Türkei nur etwa ein Drittel ihrer Verarbeitungskapazität nutzt, und das, obwohl die globale Nachfrage nach Hülsenfrüchten hoch ist. Mögliche Lösungen werden hier bereits diskutiert.

Kaufinteresse steigt kontinuierlich an

Während die Nachfrage nach Hülsenfrüchten auf globaler Ebene stetig steigt, beschweren sich türkische Produzenten darüber, dass nur etwa ein Drittel der Verarbeitungskapazität von etwa 4 Mio. mt in der Türkei genutzt wird. Tatsächlich, so ein Marktteilnehmer, entwickle sich die türkische Hülsenfruchtindustrie in eine Richtung, in der die Jahresproduktion von etwa 1,3 Mio. mt im eigenen Land verbraucht wird. Darüber zeigen sich die Exporteure natürlich wenig begeistert, denn die Nachfrage nach türkischen Hülsenfrüchten ist groß, sowohl auf den traditionellen Märkten wie der EU und dem Nahen Osten als auch auf den südamerikanischen und asiatischen Märkten, die sie als hochwertiges Nischenprodukt betrachten.

Nach Angaben des türkischen Statistikinstituts (TÜIK) liegen derzeit 3 Mio. ha landwirtschaftliche Nutzfläche in der Türkei als Brachland trocken. Wissenschaftliche Tests belegen, dass Hülsenfrüchte mit ihren bodennährenden und produktivitätssteigernden Eigenschaften ideal für diese Flächen wären. Sollten diese Felder also mit Hülsenfrüchten bepflanzt werden, könnte die Produktion von 1,3 Mio. mt auf bis zu 3,9 Mio. mt steigen. Dadurch könnten die Exporte erheblich erweitert werden und es würden neue Forschungsbudgets geschaffen. Durch den Anbau von Hülsenfrüchten auf brachliegenden Flächen und die Erhaltung der Produktqualität könnte sich der Sektor auch im Bereich der Saatguterzeugung weiterentwickeln. Die Saatguterzeugung der Türkei ist in den letzten 20 Jahren um das 9-fache und die Saatgutexporte um das 13-fache gestiegen; dieses Bild sollte sich auch bei den Hülsenfrüchten widerspiegeln.

Hohe Exporte wären möglich

Der Verwaltungsratsvorsitzende der Mediterranean Cereals, Pulses, Oilseeds and Products Exporters' Association (AHBİB), Veysel Memiş, erklärte, dass neue Strategien erforderlich sind, um die Hülsenfrüchteproduktion im ganzen Land zu steigern, und sagte: "Es ist eigentlich nicht schwierig, die derzeitige Produktion zu verdreifachen." Er erklärte, dass die Förderung oder sogar die Verpflichtung, alle drei Jahre auf demselben Feld Hülsenfrüchte anzupflanzen, eine deutliche Beschleunigung der Produktionssteigerung und Stabilität bewirken würde, und fügte hinzu: "Wenn wir dies erreichen, kann unsere Industrie mit starken Betriebsmitteln, einer hohen Verarbeitungskapazität und bereitwilligen Abnehmern hohe Exportzahlen erreichen".

Kichererbsen machen den Hauptteil aus

Hasan Gümüş, Vorstandsmitglied des Grains, Pulses, Oilseeds and Products Board der Central Anatolian Exporters' Association (OAIB), betont, dass bei zahlreichen Hülsenfrüchten der Verbrauch über der Produktion liegt und die Türkei deshalb unter anderem bei Trockenbohnen, grünen und roten Linsen auf zusätzliche Importe angewiesen ist. Anders ist die Situation bei Kichererbsen; hier liegt die Türkei weltweit auf dem dritten Platz der wichtigsten Produzenten.

TÜIK zufolge produzierte die Türkei im Jahr 2023 1,308 Mio. mt Hülsenfrüchte. Davon entfielen 44% auf Kichererbsen, 32% auf rote Linsen, 18% auf getrocknete Bohnen und die verbleibenden 6% unter anderem auf grüne Linsen und Saubohnen. Die türkischen Hülsenfruchtexporte sollen sich 2023 auf 774.000 mt belaufen haben.

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