Corona: Kurzarbeit im Backgewerbe

10. Juli 2020 um 09:00 , Der AUDITOR
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SEEHEIM/NÜRNBERG. Zahlreiche Bäckereien standen schon vor Corona nicht gut da, die Krise hat die Situation für viele dieser Betriebe allerdings deutlich verschärft. Mit Kurzarbeit versucht man, Verluste und Entlassungen zu reduzieren.

Im Gespräch mit dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e.V.
„Das Bäckerhandwerk wurde von der Corona-Pandemie hart getroffen“, teilte Susan Hasse, Pressereferentin Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e.V., der AUDITOR-Redaktion mit. „Wir gehen von einem durchschnittlichen Umsatzverlust von rund 60% aus.“ Während einige Betriebe mit einem Umsatzrückgang von bis zu 80% rechneten, hätten andere fast keine Einbußen gehabt. Dabei seien sämtliche Betriebsformen von Umsatzverlusten betroffen, bedingt durch die jeweilige Lage der Standorte und die Umsatzverteilung des Betriebes. „Besonders stark betroffen vom Lockdown waren und sind Bäcker in Innenstadtlagen oder anderen hoch frequentierten Orten, wie Bahnhof und Flughafen“, erklärte Hesse. Nicht zu vergessen seien auch die Bäckereien in touristisch geprägten Orten. „Die kompletten Umsätze aus der Belieferung von Großveranstaltungen, Messen, Hotels, Gaststätten, Kantinen etc. sind weggefallen. Das Ostergeschäft als wichtige Umsatzspitze im Jahr ist stark reduziert gewesen oder teilweise ganz ausgefallen.“

Die verringerten Einnahmen auf der einen Seite und hohe Pachten auf der anderen, brächten die Bäcker zunehmend in finanzielle Schieflage, denn „jedes Frühstück und jede Torte, die in den vergangenen Wochen nicht verzehrt wurden, sind als Einnahmen verloren. Fast jede Bäckerei hat unter der Schließung der Gastro-Bereiche gelitten,“ betonte die Pressereferentin.

Auf die Frage, ob davon auszugehen sei, dass die Corona-Krise die Bäckereienlandschaft nachhaltig verändern könnte, antwortete Hesse: „Die Stärke des Bäckerhandwerks ist, dass es aufgrund seiner Kleingliedrigkeit und dezentralen Strukturen schnell auf sich ändernde Marktbedingungen reagieren kann. Das war vor 300 Jahren so, vor 30 Jahren und ist auch heute so. Das Kundenverhalten hat sich seit März geändert, es ändert sich seit der ersten Lockerungsmaßnahmen und wird sich weiter ändern.“ 

Zwei Drittel der Beschäftigten sollten in Kurzarbeit geschickt werden
Wie die Bundesagentur für Arbeit auf Anfrage der AUDITOR-Redaktion mitteilte, waren für den Zeitraum März bis Juni 2020 für rund 140.000 Personen aus der Backindustrie* Anzeigen für geplante Kurzarbeit eingegangen. Das sind fast zwei Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesem Wirtschaftszweig (Stand Dez. 2019: ca. 220.000).

Auch Zulieferer für die Back- und Gastroindustrie blieben nicht von Kurzarbeit verschont. Betriebe im Wirtschaftszweig Großhandel mit Mehl und Getreideprodukten meldeten für den oben genannten Zeitraum die geplante Kurzarbeit für mehr als 60%** der sv-pflichtig Beschäftigten, aus dem Wirtschaftszweig Großhandel mit Zucker, Süßwaren und Backwaren gingen für rund 45%** Anzeigen ein (Anm. d. Red.: Die BÄKO-Zentrale stand für ein Interview leider nicht zur Verfügung).

*Betriebe zur Herstellung von Backwaren (ohne Dauerbackwaren)

**Die prozentualen Angaben wurden am 10.07.2020 um 15:05 Uhr nachträglich angepasst. 

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