Corona-Fälle in Schlachthöfen als Argument gegen Fleischkonsum
12. Mai 2020 um 11:19 ,
Der AUDITOR
„In der Fleischindustrie werden Menschen und Tiere unwürdig behandelt. Die Arbeitsbedingungen begünstigen Infektionen“, sagte Lisa Kainz, Fachreferentin der Tierrechtsorganisation Peta, der taz. „Die Fälle zeigen, dass das Ernährungssystem, von dem wir leben, nicht mehr zeitgemäß ist“, ergänzte Alex Grömminger, Sprecher des größten deutschen Vegetarierverbands ProVeg. Sowohl Kainz als auch Grömminger rufen dazu auf, den Fleischkonsum einzustellen.
Kainz kritisiert zudem die Arbeitsbedingungen in den Betrieben: „Die Arbeiter stehen oft dicht gedrängt aneinander. Sie haben keine Möglichkeit, irgendwelche Hygienemaßnahmen einzuhalten.“ Nur durch bessere Kontrollen seien diese Probleme nicht in den Griff zu bekommen, so die Peta-Aktivisten. „Die Ämter haben gar nicht genug Kapazitäten“, sagte Kainz der taz. „Und die Tiere hätten davon nichts.“
Für Kainz ist Antwort auf die Frage, was Verbraucher jetzt tun sollen, eindeutig: „Ganz klar: Kein Fleisch mehr kaufen.“ Das würde auch verhindern, dass die Fleischindustrie ihre Schlachthöfe ins Ausland verlagert, um hier bessere Standards einzuführen, durch die zwangsläufig die Produktionskosten steigen würden. Laut ProVeg-Sprecher Grömminger gebe es schließlich genug pflanzliche Alternativen und die Verbände raten, sich für eine Politik einzusetzen, die vegane Ernährung begünstigt.
Die Umstellung auf Bio-Fleisch ist laut Kainz keine Lösung, denn „die meisten Bio-Tiere werden in den gleichen Schlachthöfen getötet“. Nicht einmal ein Prozent des Öko-Viehs werde von sehr kleinen Metzgereien mit potenziell besseren Arbeitsbedingungen verarbeitet.
Grundsätzlich ist es richtig, dass in unserer Gesellschaft zu viel Fleisch gegessen wird. Zwar zeichnet sich in Deutschland ein positiver Trend ab, noch gehören wir aber zu den Spitzenreitern in der EU. Zudem steigt der Fleischkonsum weltweit weiter an.
Moralisch und ethisch ist der Umgang mit den Tieren in den großen Schlachtbetrieben eindeutig nicht vertretbar. Hinzu kommt die hohe Umweltbelastung durch die steigende Nachfrage nach Futtermitteln und von den Schlachttieren produzierten Verdauungsgasen.
Nicht zuletzt zeigt die aktuelle Situation aber, dass niedrige Fleischpreise, die den Massenkonsum überhaupt erst möglich machen, viel zu oft auch zu Lasten der Angestellten in den Betrieben gehen. Oftmals werden günstige Arbeitskräfte aus dem Ausland engagiert, die für ein paar Monate hier arbeiten und in dieser Zeit auf engstem Raum in Gemeinschaftsunterkünften leben, bis sie wieder zurückreisen.
Der Verzicht oder zumindest der reduzierte, bewusste Konsum von Fleisch sollte daher für alle erstrebenswert sein, um in diesem Bereich bessere Umstände für Tier und Mensch schaffen zu können.