Welche Auswirkungen hat Corona auf das Klima?

11. März 2020 um 08:40 , Der AUDITOR
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FRANKFURT. Täglich lesen wir über die negativen Auswirkungen der Covid-19-Epidemie. Doch kann man der Ausbreitung des Virus möglicherweise sogar etwas Positives abgewinnen?

Wie die WHO am Montag, 9.3., erneut bestätigte, hat das Coronavirus sich mittlerweile weltweit so stark ausgebreitet, dass wir kurz vor einer Pandemie stehen. Die negativen Auswirkungen werden uns täglich vor Augen geführt: rasch ansteigende Zahlen der Infizierten, immer mehr Todesopfer, der schwarze Montag an der Börse. All das sind nur die Vorzeichen für das, was uns erwartet, wenn das Virus nicht unter Kontrolle gebracht wird. Doch kann man Covid-19 auch positive Aspekte abgewinnen?

China spart 25% an CO2

Es gibt tatsächlich einen Gewinner, dem die rasche Ausbreitung des Coronavirus in die Hände spielt: das Weltklima. Im Fokus steht hierbei zunächst China, das die weltweite Liste der CO2-Emissionen im negativen Sinne anführt und damit maßgeblich zur Klimaerwärmung beiträgt. Nachdem in den vergangenen Wochen viele Fabriken, unter anderem in der Lebensmittelbranche, stillstanden, wurde die CO2-Emission im Vergleich zu den letzten Jahren um ein Viertel gesenkt. Auf einen Monat umgelegt, wurden damit im Februar etwa 200 Millionen Tonnen CO2 eingespart, wie unter anderem der HR berichtet. Auch die Stickstoffwerte sind deutlich zurückgegangen, nämlich um etwa 30%.

Wie sieht es in Europa aus?

In China war das Aufatmen der Umwelt allerdings nur von kurzer Dauer, denn nachdem die Fabriken von den zuständigen Gesundheitsämtern freigegeben wurden, stiegen die Emissionen bereits wieder an. Jetzt dürfte Europa bald vor demselben Problem stehen: In Italien, das seit Dienstag, 10.3., als Sperrzone gilt, stehen bereits viele Fabriken still, was in erster Linie dem Personalmangel geschuldet ist. Italienische Bürger sollen ihre Häuser nur im Notfall verlassen – das spürt vor allem die Lebensmittelbranche natürlich deutlich. Wie Deutschlands Gesundheitsminister Spahn verlauten ließ, ist Europa mittlerweile „unmittelbar von Fabrikschließungen betroffen“. Welche Auswirkungen kann das auf unser Klima haben? Mit Blick auf die Wirtschaftskrise 2008 werden diese vermutlich eher kurzweilig sein. Damals gingen die CO2-Emissionen das letzte Mal merklich zurück, jedoch nur so lange wie unbedingt nötig. Dann rückte etwas vermeintlich Wichtigeres in den Fokus: das Geld. Denn nach wie vor heißt es „Money makes the World go round“ und bisher gibt es keine überzeugenden Argumente dafür, dass das im Fall des Coronavirus anders verlaufen könnte.

Klimapolitik muss fokussiert werden

Dieser Ansicht ist auch Martin Ittershagen, Experte des Umweltbundesamtes. Auf Nachfrage von Mundus Agri erklärt er: „Es kann die Emissionen sicher drücken, wenn weniger produziert und gereist wird, aber genau kann man das noch nicht einschätzen. Vielleicht gibt es auch gegenläufige Effekte, wenn Menschen den ÖPNV meiden und mit dem eigenen Auto fahren. Das sind aber alles nur Mutmaßungen und es gibt keine Empirik dazu.“ Eine weitreichende und langfristig durchdachte Klimapolitik sei nach wie vor zu fokussieren, da durch die Einschränkungen des Coronavirus vermutlich keine anhaltenden Verbesserungen zu erwarten sind. „Shut-downs infolge von Katastrophen oder Epidemien gab es ja schon früher (etwa nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans). Das ersetzt aber keine geordnete Klimapolitik und auch keinen nachhaltigen Umbau einer Wirtschaft in Richtung Klimafreundlichkeit. Und wenn man die Wirtschaftskrisen ansieht, dann kam es nach den Einbrüchen mit niedrigen Emissionen danach zu einem noch stärkeren Anziehen der Konjunktur und höheren Emissionen. Der Konsum wurde also aufgehoben und dann nachgeholt“, so Martin Ittershagen.

Um zur Ausgangsfrage zurückzukommen: Kann Corona das Klima retten? Ganz klar: Nein. Aber vielleicht besteht die Möglichkeit, aus dieser schwierigen Situation einige sinnvolle Konsequenzen zu ziehen. Viele Arbeitgeber sind aufgrund der Infektionsgefahr auf Home Office umgestiegen – was spricht dagegen, dies bei den Arbeiten, die es ermöglichen auch in Zukunft fortzusetzen und so unnötige Autofahrten und damit CO2 einzusparen? Müssen es wirklich die drei Flugreisen pro Jahr sein, oder reicht vielleicht eine davon und wir erkunden die schönen unbekannten Ecken Deutschlands und unserer Nachbarländer? Und zeigen uns die durch Vorratskäufe leergeräumten Regale nicht, dass es auch mit weniger geht? All das mag nicht die Rettung für unser Weltklima sein, aber es ist ganz bestimmt ein Schritt in die richtige Richtung.

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