Almond Board of California: Hohe Nachfrage und kaum Exportprobleme
9. April 2020 um 08:31 ,
Der AUDITOR
Covid-19 hält derzeit die Welt in Atem, einschließlich des Handels und der Märkte. Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf die kalifornische Mandelproduktion?
Richard Waycott: Bislang können wir nicht wirklich sagen, dass die Covid-19-Pandemie ernsthafte Auswirkungen auf die Mandelproduktion hat. Es gibt viele Familienunternehmen, die im Allgemeinen nicht viele Mitarbeiter haben. Die Arbeiter sind immer noch auf den Feldern und machen ihre Arbeit; da sie nicht eng zusammenbleiben müssen, ist eine Verbreitung des Virus hier sehr unwahrscheinlich.
Auch in den Mandelverarbeitungsanlagen arbeiten nicht viele Menschen am gleichen Ort. Vor einigen Jahren waren es viel mehr Leute, da sie die Qualität der Mandeln vor dem Verpacken überprüfen mussten. Heutzutage wird dies von Maschinen erledigt, es werden nicht mehr viele Menschen für diese Arbeit benötigt. Es gibt immer noch eine kleine Gruppe von Arbeitern, die einen letzten Blick auf die Mandeln werfen, aber man das können sie getrennt erledigen. Dasselbe gilt für den Versand. Es gibt einen LKW-Fahrer, der die Mandeln zum Hafen bringt, eine Person, die sie in einen Container verlädt... die Anzahl der Menschen ist sehr begrenzt und daher ist es immer noch sicher, dort zu arbeiten.
Was können Sie uns über die Entwicklung der Nachfrage sagen? Wird sie merklich geringer und werden viele Aufträge storniert, wie wir bereits von anderen Marktteilnehmern gehört haben?
Richard Waycott: Ich kann bestätigen, dass es definitiv eine große Unsicherheit in der Welt und auch auf den Märkten gibt. Dennoch war die Nachfrage nach kalifornischen Mandeln in letzter Zeit sehr gut, und die Fabriken sind voll ausgelastet. Einige Märkte wie Japan und Südkorea haben sogar darum gebeten, ihre Bestellungen frühzeitig zu versenden, was sehr ungewöhnlich ist. Auch die Inlandsnachfrage ist nach wie vor sehr hoch - etwa 30% unserer Produktion wird innerhalb der USA konsumiert. Im Moment können die Menschen nicht zum Mittagessen ausgehen oder sich schnell etwas Fast Food besorgen, sie müssen zu Hause bleiben und deshalb viel mehr frisch kochen. Was unsere Exporte betrifft, so gibt es jedoch einige Schwierigkeiten mit Indien.
Apropos Logistik und Export: Mit welchen Problemen haben Sie im Moment zu kämpfen, zum Beispiel, wie Sie gerade gesagt haben, in Bezug auf Indien? Führen strenge Kontrollen dazu, dass die Exporte stagnieren oder spürbar erschwert werden?
Richard Waycott: Das Problem mit Indien ist, dass es dort zurzeit die komplette Ausgangssperre gibt, die es den Menschen normalerweise nicht einmal erlaubt, zur Arbeit zu gehen. Es gibt natürlich ein paar Ausnahmen. In den Häfen dürfen die Schiffe derzeit nicht anlegen, und da 12% unserer Produkte nach Indien exportiert werden, hat dies sicherlich auch Auswirkungen auf unsere Industrie. Dennoch gibt es keine Probleme mit anderen Ländern, was die Grenzkontrollen betrifft. Ein Problem, mit dem einige Länder zu kämpfen haben, ist, dass ihre Währungen gegenüber dem USD an Wert verlieren, was zu höheren Preisen führt.
Welche Maßnahmen ergreifen Landwirte und Produzenten, um ihre Angestellten und Kunden in der gegenwärtigen Situation zu schützen? Werden besondere Hygienemaßnahmen getroffen?
Richard Waycott: Zunächst einmal praktizieren alle Arbeiter das Social Distancing und halten den vorgegebenen Abstand ein. Mitarbeiter, die in der Verwaltung arbeiten oder andere Bürotätigkeiten ausführen, werden entweder getrennt oder arbeiten, wenn möglich, von zu Hause aus, so dass nie zu viele Menschen an einem Ort sind. LKW-Fahrer, die Waren ausliefern oder abholen, dürfen nicht mehr ins Büro kommen. Das ist keine schöne Situation, aber es ist zweifellos notwendig.
Marktteilnehmer schätzen die neue Ernte auf etwa 2,8 Milliarden lbs. Würden Sie diese Schätzungen bestätigen?
Richard Waycott: Es gibt zwei offizielle Schätzungen, die das Almond Board of California veröffentlicht - eine am 12. Mai und die andere im Juli, und beide werden durch Schätzungen des USDA gestützt. Das bedeutet, dass es aktuell noch keine offiziellen Schätzungen über die neue Ernte gibt, aber was ich bestätigen kann, ist, dass wir eine sehr gute Blütezeit im Februar und März und eine reichliche Bestäubung hatten, die hauptsächlich von europäischen Honigbienen durchgeführt wird. Wir hatten letztes Jahr eine Ernte von 2,55 Milliarden lbs und erwarten dieses Jahr eine größere Menge, so dass wir im Jahr 2020 definitiv mit einer sehr guten Ernte rechnen können.
In Europa haben viele landwirtschaftliche Betriebe derzeit Probleme mit Erntehelfern, die in der Regel aus dem Ausland kommen. Die Einreise ist in vielen Ländern verboten, und auch die Grenzen der USA sind weitgehend geschlossen. Könnte ein Mangel an Erntehelfern auch zu einem Problem für die kalifornische Mandelernte werden?
Richard Waycott: Da der Ernteprozess für Mandeln sehr mechanisch ist und alles automatisiert abläuft, brauchen wir dafür nicht viele Zeitarbeiter. Es gibt andere Ackerkulturen wie Erdbeeren, bei denen die Arbeiter die Früchte von Hand pflücken, und dafür werden normalerweise Erntehelfer eingestellt. Unsere Ernte beginnt ohnehin erst im August, also würde ich Stand jetzt nicht sagen, dass dies für kalifornische Mandelbauern ein Problem darstellen wird. Im Allgemeinen ist die Situation der Zeitarbeiter aus dem Ausland in den USA nicht gut, und das seit vielen Jahren. Versuche, die Migrationspolitik vernünftig zu regeln, waren bisher nicht erfolgreich, und selbst wenn mexikanische Aushilfsarbeiter gebraucht werden, ist es für sie fast unmöglich, Visa zu erhalten. Aber auch davon ist die Mandelindustrie so gut wie nicht betroffen, es ist eher ein allgemeines Problem, das gelöst werden muss.
Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Gespräch genommen haben.
Lesen Sie auch das Statement des Almond Board of California über die Covid-19-Situation.