Weizen: Mittagsmärkte laden zum Nachdenken ein
19. Juni 2020 um 13:39 ,
Der AUDITOR
In den USA konnte sich der Kurs für SRW-Weizen leicht stabilisieren, blieb aber niedriger als am Vortag. HRW-Weizen und auch US-Sommerweizen tendierten schwächer. Inzwischen macht sich der Druck der fortgeschrittenen US-Weizenernte mit vorerst guten Erträgen im für Weizen wichtigen US-Bundesstaat Kansas bemerkbar, auch die Ernten am Schwarzmeer haben begonnen. Ebenso drückten Gewinnmitnahmen die Kurse, so wie auch Meldungen über eine zweite Covid19-Pandemie-Welle in Asien, was die Exporteure derzeit anspornt, unter schwierigen Absatzbedingungen noch möglichst hohe Exporte zu realisieren, bevor neue Lockdowns drohen. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich der wöchentliche US-Weizenexport mit 504.800 mt auch nur durchschnittlich, aber angesichts der Lage vielleicht sogar gut. Vor einigen Tagen schlugen US-Broker Alarm, wegen rekordhoher Neuinfektionen in den sechs US-Bundesstaaten Arizona, Florida, Oklahoma, Oregon, Texas und Nevada. Brasilien, wichtiger Abnehmer für US-Weizen, steht bei der Covid19-Pandemie mit fast 980.000 infizierten Menschen und fast 47.750 Toten am Rand einer Katastrophe. Die USA verzeichneten 2,19 Mio. infizierter Menschen und haben laut Erhebung der Johns Hopkins University 118.435 Tote zu beklagen.
Weizen-Kassamarkt
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B-Weizen (12/220/76) |
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Parität |
EUR/mt |
Veränd. |
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Rouen FOB |
181,00 |
0,00 |
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Creil FOB |
171,00 |
0,00 |
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Hamburg DDP |
196,00 |
0,00 |
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Rheinland DDP |
198,00 |
0,00 |
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Neuss DDP |
192,00 |
0,00 |
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Oberrhein FOB |
189,00 |
-1,00 |
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Futterweizen (72/73) |
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Holland CIF |
199,00 |
0,00 |
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Süd-Oldenburg DDP |
199,00 |
0,00 |
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Westfalen DDP |
198,00 |
0,00 |
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Oberrhein FOB |
189,00 |
0,00 |
Quelle: Handel
Weizen-Warenströme werden sich ändern
In Westeuropa treffen drei Faktoren auf die Entwicklung der Weizenmärkte. Die kommende EU-Weizen fällt geringer aus, nach Prognose des USDA bei allem Weizen um 8,9 %, nach Coceral bei Winterweizen um 11,6 %. Dadurch wird EU-Weizen keineswegs knapp, es geht aber weniger in den Export. Dadurch wird der Einfluss des Exportmarkts bei Weizen geringer, der des Importmarktes größer. Die Ernteverteilung ist anders. Da Frankreich gut 19 % weniger Weizen ernten wird, entsteht weniger Verkaufsdruck Richtung Niederrhein. Aber Spanien soll ein Drittel mehr Weizen ernten, kauft daher weniger in Frankreich. EU-Länder mit hohem Exportanteil, wie Litauen, Rumänien und Bulgarien, ernten deutlich weniger Weizen. Dies wird Einfluss auf innergemeinschaftliche Warenströme haben. Der dritte Faktor, die Entwicklung der Covid19-Pandemie, ist am schwersten zu greifen. Laut Destatis war der Umsatz des Gastgewerbes im April um 56,3 % eingebrochen. Seit Juni geht es wieder aufwärts, aber die Pandemie ist nicht vorbei, wie Corona-Hotspots bei Schlachthöfen aktuell zeigen. Die bisherige Pandemie hat gezeigt, dass Umsatzeinbrüche im Gastrobereich nicht nur höhere Umsätze im Lebensmittelhandel kompensiert werden können. Es liegt am Verhalten der Europäer selbst, ob die Umsätze wieder steigen.