Weizen: Die Logistik wird das Problem
20. März 2020 um 11:28 ,
Der AUDITOR
Der Handel sprach gestern in Frankreich von massiven logistischen Problemen im LKW- und Schienenverkehr. Grenzkontrollen und ein drastischer Personalabbau führen zu verspäteten Lieferungen und einem raschen Anstieg der Lieferkosten. Der Shutdown erfolgt jetzt in Westeuropa in großen Schritten, was bereits geringere Personalverfügbarkeit bedeutet. Versorgungsschwierigkeiten bei Backwarenherstellern und Mühlen haben viele Einkäufer dazu veranlasst, so schnell wie möglich nach Liefermöglichkeiten zu suchen. Jetzt rächt sich die überwiegend geringe Vorratshaltung, sagte ein Händler. Weizen und Backwaren profitierten von einem übermäßigen Konsum von Grundprodukten im Zusammenhang mit der Covid19-Pandemie. In Frankreich schnellten die Preise für Mahlweizen um 7 bis 11 EUR/mt nach oben. Auch an der Rheinschiene und in Hamburg machen sich Lieferverzögerungen bemerkbar, in Hamburg stieg der Weizenpreis für B-Weizen mit 12 % Protein um 7 EUR/mt auf 192 EUR/mt. Dabei wird es vermutlich vorerst nicht bleiben. Denn aich in Deutschland droht ab dem Wochenende eine Ausgangssperre wegen der Covid19-Pandemie, was den Bevorratungstrieb von Konsumenten noch einmal steigern könnte. Die Entwicklung am kommenden Samstag wird darüber entscheiden. Heute Morgen gab es 15.305 Covid 19-Infizierte in Deutschland, das sind 25,2 % mehr als gestern. In Italien stieg die Zahl auf 41.035, in Frankreich auf 10.995 und in Spanien auf 18.077 Patienten. Der Handel rechnet mit zunehmenden Problemen in der Logistik.
Weizen-Kassamarkt (Fronttermin)
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B-Weizen (12/220/76) |
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Parität |
EUR/mt |
Veränd. |
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Rouen FOB |
186,00 |
7,00 |
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La Pallice FOB |
189,00 |
9,00 |
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Creil FOB |
179,00 |
11,00 |
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Hamburg DDP |
192,00 |
7,00 |
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Westfalen DDP |
190,00 |
5,00 |
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Rheinland DDP |
189,00 |
6,00 |
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Oberrhein FOB |
185,00 |
5,00 |
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Futterweizen (72/73) |
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Parität |
EUR/mt |
Veränd. |
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Holland CIF |
191,00 |
6,00 |
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Süd-Oldenburg DDP |
190,00 |
4,00 |
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Westfalen DDP |
189,00 |
3,00 |
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Neuss DDP |
184,00 |
3,00 |
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Oberrhein FOB |
182,00 |
4,00 |
Quelle: Handel
China soll mehr Weizen am Schwarzmeer kaufen
Der Weizenmarkt legte international zu. In den USA findet das angekündigte Konjunkturprogramm von 1 Billion US-Dollar positive Resonanz in der Wirtschaft. Auch kaufte Peking 120.000 mt US-Weizen, Südkorea 140.000 mt US-Futterweizen. Saudi-Arabien gab den Kauf eines Futtergersten-Tenders über 720.000 mt bekannt, dies nach gestrigen Käufen Algeriens von 660.000 mt und Tunesiens von 150.000 mt Weizen in Frankreich. Ein auf 1,079 USD/EUR gefallender Eurokurs unterstützt den Export von EU-Getreide. Dabei erwartet der Handel, dass die Nachfrage zunächst anhält, bis eine höhere Bevorratung abgeschlossen ist. Die derzeitigen Versorgungsengpässe sind ausschließlich auf Logistikprobleme zurückzuführen. Daran wird auch höherer Exportdruck Russland wenig ändern. Die Abwertungen bei Rubel und Griwna machten Weizen dort nicht billiger. Russland kann bis Ende Juni noch bis zu 15 Mio. mt Weizen exportieren.