Weizen: Licht in zweifelhafte Prognosen am Schwarzmeer

26. Juni 2020 um 10:51 , Der AUDITOR
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FRANKFURT. Die Weizenmärkte zeigten einige Verunsicherung durch widersprüchliche Ernteprognosen am Schwarzmeer. In Russland klaffen Unterschiede von gut 1,5 bis 4,0 Mio. mt bei den Schätzungen zur Weizenernte. Moskaus Regierung ging von 77 Mio. mt Weizen aus, der Analyst Ikar von 79,5 Mio. mt, SovEcon sogar von 81,0 Mio. mt und Frankreichs Handel von 79,5 Mio. mt aus. Ähnlich in der Ukraine....

Die Ukrainian Grain Association (UGA) erwartete zuletzt in der Ukraine eine Weizenernte von 26,8 Mio. mt, nur 4 Mio. mt werden für die heimische Brotherstellung benötigt, gut 5,5 Mio. mt werden als Futterweizen verbraucht. Gut 17 Mio. mt Weizen stehen für den Export zur Verfügung. In Russland werden lediglich 40,5 Mio. mt Weizen verbraucht, gut 17,5 Mio. mt gelangen ins Futter. Russland hat zur kommenden Ernte einen Exportüberschuss von 36 Mio. mt. Die Ankündigungen Moskaus über erneute Exportquoten im zweiten Kampagne-Halbjahr entbehren jeglicher Realität und sind reine Preistreiberei auf überversorgten Märkten, hieß es im Handel. Überhaupt stellt sich die Frage, welchen Wert die Prognosen für den Markt haben, wenn politisch nur Kapital daraus geschlagen wird. In der Ukraine räumte der UGA ein, dass die staatlichen Prognosen über niedrige Ernten eher dem Wunsch, mehr Geld zu verdienen, dienten, als der Sorge um die Ernährungssicherheit. Die ukrainische Regierung hatte die Weizenernte zuletzt auf 23,2 Mio. mt geschätzt, gegenüber 29,2 Mio. mt im Vorjahr. Das erscheint alles sehr fragwürdig.

Terminkurse -Weizen (Fronttermine)

CBoT (USD/bu)

485,50

-0,3 %

Matif  (EUR/mt)

177,25

0,1 %

Black Sea  (USD/mt)

196,25

-0,7 %


Weizen-Kassamarkt

B-Weizen (12/220/76)

Parität

EUR/mt

Veränd.

Rouen FOB

201,60

-1,40

Hamburg DDP

196,00

0,00

Rheinland DDP

198,00

0,00

Neuss DDP

193,00

0,00

Oberrhein FOB

189,00

0,00

Futterweizen (72/73)

Holland CIF

200,00

0,00

Creil FOB

175,00

1,00

Süd-Oldenburg DDP

200,00

0,00

Westfalen DDP

198,00

0,00

Oberrhein FOB

189,00

0,00

Quelle: Handel

IGC hoben Welt-Weizenernte nochmals an
Der Internationale Getreiderat (IGC) hob seine Junischätzung zur Welt-Weizenernte nochmals um 1,5 Mio. mt auf 767,1 Mio. mt an, im Vergleich zu 761,9 Mio. mt im Vorjahr. Dabei erhöhte der IGC die Ernte Australiens um 2,2 auf 26,2 Mio. mt und die der USA um 0,7 auf 51,1 Mio. mt. Die EU-Weizenernte wurde um 3,3 auf 128,4 Mio. mt gesenkt. Die Weizen-Lagerendbestände in der EU wurden um 1,8 auf 12,2 Mio. t niedriger veranschlagt, im Vergleich zu 15,1 Mio. mt im Vorjahr. Aus globaler Sicht änderte sich an den hohen Welt-Weizenlagerbeständen von rund 290 Mio. mt, die 38,5 % des Verbrauchs entsprechen, relativ wenig. Die wöchentlichen Exportverkäufe für US-Weizen erreichten mit 518.700 mt für 2020/21 ein mittleres Ergebnis, was aber keinen Ausschlag im Markt fand. In Deutschland wurde die neue Ernte bei B-Weizen bei 12,0 % RP mit 185 EUR/mt franko Niederrhein, in Hamburg um 180 EUR/mt und am Oberrhein mit 175 EUR/mt bewertet. Futterweizen liegt gut 1 EUR/mt darunter.

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