Weizen: Kontroverse Marktlage

29. Mai 2020 um 10:56 , Der AUDITOR
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FRANKFURT. Die Weizenmärkte legten international an den Terminbörsen zu. Die Kassamärkte taten genau das Gegenteil. In Brüssel hat die EU-Kommission die kommende EU-Weizenernte gegenüber April um 3,5 % gesenkt, damit bliebe das Ergebnis um 7,2 % unter dem Vorjahr. Der IGC erhöhte seine Prognose zur Welt-Weizenernte um 2 auf 766 Mio. mt, die Bestände nehmen bei Hauptexportländern um 6,2 % zu. Die Preispolitik Russlands und auch der Ukraine geriet wegen unklarer Fakten in Kritik. Immer mehr Bäckereien geraten wegen Corona in wirtschaftliche Schieflage. Auch die renommierte Osnabrücker Bäckereikette Brinkhege musste leider Insolvenz anmelden.

Dabei notierte US-Weizen in Chicago am Vormittag mit knapp 5,15 USD/Bushel um 1,5 % fester als gestern. In Paris legte Weizen beim Fronttermin um 0,5 % auf 187,25 EUR/mt zu, am Schwarzmeer stieg Weizen um 0,4 % auf 204,50 EUR/mt. Der Kassamarkt entwickelte sich gegenläufig mit Preisrücknahmen von 1 % in Frankreich und Norddeutschland für Standard-Brotweizen, jedoch 1 % Preisaufschlag für Futterweizen in Süd-Oldenburg. In den USA unterstützte der gefallene US-Dollarkurs den Weizenmarkt. In Brüssel hat die EU-Kommission die kommende EU-Weizenernte (ohne Durum) von 125,8 Mio. mt im April auf 121,5 Mio. mt um 3,5 % revidiert, im Vergleich zu 130,8 Mio. mt im Vorjahr. Die EU-Weizenexporte sollen von 32,5 Mio. mt in der alten auf 26,5 Mio. mt in der kommenden Saison sinken. Der Internationale Getreiderat (IGC) beließ die Schätzung zur EU-Weizenernte (mit Durum) bei 131,7 Mio. mt. Auch die für Russland blieb bei 79,0 Mio. mt, ebenso die für die Ukraine und die für die USA von 50,4 Mio. mt. Weltweit ging der IGC von einer um 2 auf 766 Mio. mt steigenden Welternte und vom um 2 Mio. mt sinkenden Verbrauch auf 750 Mio. mt aus, wodurch die Weizenbestände in den Hauptexportländern um 4 auf 68 Mio. mt zulegen sollen.

Weizen-Kassamarkt (Fronttermin)

B-Weizen (12/220/76)

Parität

EUR/mt

Veränd.

Rouen FOB

189,00

-1,00

Creil FOB

177,00

-1,00

Hamburg DDP

202,00

0,00

Westfalen DDP

199,00

0,00

Rheinland DDP

199,00

0,00

Oberrhein FOB

191,00

0,00

Futterweizen (72/73)

Parität

EUR/mt

Veränd.

Holland CIF

200,00

0,00

Süd-Oldenburg DDP

202,00

1,00

Westfalen DDP

200,00

1,00

Oberrhein FOB

190,00

0,00

Quelle: Handel

Immer mehr Insolvenzen bei Backbetrieben
Der Handel bewertet die Preislage zwischen den Ernten als kontrovers. Vor allem mit Blick auf die Preispolitik Russlands und auch der Ukraine. Wegen angeblich hoher Trockenschäden zur neuen Ernte und Knappheit bei der Inlandsversorgung halten die Exporteure das Preisniveau so hoch, dass selbst die internationale Nachfrage aus Ägypten, Saudi-Arabien und Maghreb-Ländern zurückgegangen ist. Die westeuropäischen Bäckereien kämpfen mit Absatzproblemen wegen des Lockdowns und wegen Kurzarbeit in Deutschland ums Überleben, wie zunehmende Insolvenzfälle selbst mittlerer und großer Bäckereien zeigen. Die renommierte Osnabrücker Bäckereikette Brinkhege hat Insolvenz angemeldet. Das Geschäft in den rund 40 Filialen mit 450 Beschäftigten sei mit dem Herunterfahren des Einzelhandels ebenso eingebrochen wie das mit Großkunden wie Kantinen. Statt neue Schulden zu machen, habe sich die Geschäftsführung für die Insolvenz in Eigenverwaltung entschieden, hieß es. Die fehlende Nachfrage des Gastro-Bereichs kann Mehr-Mehlverbrauch im Lebensmitteleinzelhandel keineswegs kompensieren.

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