Weizen: Kaufkraftverlust droht in wichtigen Importländern

23. April 2020 um 12:48 , Der AUDITOR
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FRANKFURT. Die Weizenmärkte tendierten in Westeuropa und am Schwarzmeer seitwärts, erhielten in den USA spürbaren Auftrieb, gestützt durch festere Maiskurse und Kurserholung beim Rohöl. In Europa gewann der Wettermarkt weiterhin an Dynamik, andererseits steigt das Absatzrisiko, da die Kaufkraft in vielen Importländern sinkt, hieß es beim Handel. Die Mehlnachfrage hat sich wegen der unsicheren Marktlage spürbar verringert. Auch fehlt der Kaufanreiz zur neuen Ernte.

Paris notierte Weizen am Vormittag mit 203,25 EUR/mt um 0,3 % schwächer, Chicago mit 5,47 USD/Bushel um 1,2 % fester als gestern. Am Schwarzmeer zog der Fronttermin um 0,3 % auf 227,75 USD/mt leicht an. Die Kursbefestigung für US-Weizen wurde vom Handel auf den Kursanstieg bei Mais zurückgeführt. Um 36 % gestiegene Rohölpreise nach der Eskalation des Marktes in den letzten Tagen, sowie Ankündigungen Chinas, über weitere Zollbefreiungen für Mais nachzudenken, stützten den US-Markt. Druck kam vom Wetter. In weiten Teilen von Oklahoma und Kansas werden in den nächsten fünf Tagen Regenfälle erwartet, die Befürchtungen über Frühjahrstrockenheit relativierten. Die US-Weizenexporte werden bis 350.000 mt erwartet. Der Nachfragerückgang bei Futtergetreide wegen massiver Konsumeinbrüche von 30 % Fleisch in Nordamerika im März, vermutlich auch im April, belastete den US-Weizenmarkt. Bald erschöpfte Exportquoten Russlands und Exportbegrenzungen der Ukraine hielten den europäischen Markt auf stabilem Kurs. Mit Blick auf die kommende Saison bleiben die Ernteerwartungen gemischt. Russland dürfte aus heutiger Sicht mit rund 77 Mio. mt gut 4,7 % mehr, die Ukraine mit knapp 26 Mio. mt rund 9 % weniger Weizen ernten. Die EU-27, ohne Großbritannien, soll mit 124,5 Mio. mt rund 4,1 % weniger Weichweizen einbringen.

Weizen-Kassamarkt (Fronttermin)

B-Weizen (12/220/76)

Parität

EUR/mt

Veränd.

Rouen FOB

198,00

-1,00

Creil FOB

192,00

-1,00

Hamburg DDP

207,00

0,00

Westfalen DDP

202,00

0,00

Rheinland DDP

202,00

0,00

Oberrhein FOB

192,00

0,00

Futterweizen (72/73)

Parität

EUR/mt

Veränd.

Holland CIF

205,00

2,00

Süd-Oldenburg DDP

204,00

0,00

Westfalen DDP

203,00

0,00

Oberrhein FOB

192,00

0,00

Quelle: Handel

Mehlmarktnachfrage stark abgebremst
Trockenes Wetter in weiten Teilen Nordeuropas, sowie in Russland und der Ukraine, stützte die europäischen Weizenpreise. Schon kursieren Pressemeldungen darüber, dass Deutschland die nächste große Dürre drohe. Im April fielen im Bundesmittel laut DWD in der Tat bisher nur 10 mm Niederschlag/qm. Der für die Ertragsbildung wichtigste, meist niederschlagsreichste Monat im Jahr, der Mai, steht allerdings noch bevor. Trotzdem hält die Entwicklung die Erzeuger davon ab, bereits Weizen aus neuer Ernte zu verkaufen, obwohl das Preisniveau im Herbst derzeit nur 4 bis 5 EUR/mt unter dem Aprilpreis liegt. Laut französischem Handel besteht viel Unsicherheit, was die Nachfrage angeht, da die Kaufkraft in vielen Importländern sinkt. Bei den Mühlen ging der Mehlabsatz wegen hoher Bevorratung der Backwarenindustrie spürbar zurück. Die Knappheit bei Mehlhaushaltspackungen war im März durch fehlende Ein-Kilo-Verpackungen bedingt. Bäckereien und Backwarenhersteller zogen sich wegen vorerst unsicherer Marktaussichten beim Mehlgeschäft zurück.

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