Weizen: Irrationale Hamsterkäufe bei Toastbrot und Pasta

24. März 2020 um 12:38 , Der AUDITOR
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FRANKFURT. Die Weizenmärkte legten in den USA, in Westeuropa und am Schwarzmeer erneut um 2,5 % zu. In den USA und in Westeuropa nehmen die Hamsterkäufe weiter zu, obwohl Landwirtschaftsministerien keine Engpässe bei Nahrungsmitteln sehen. In Deutschland bringen irrationale Hamsterkäufe die Logistik an die Grenzen der Kapazitäten, hieß es beim Handel. Mehr dazu im Beitrag.

Total geräumte Regale bei Toastbrot, Haushaltsmehl, haltbaren Backwaren, Konserven, Drogerieartikeln und Toilettenpapier stellen Produktion und Logistik an die Belastungsgrenzen. Aus dem Lebensmitteleinzelhandel hieß es, die Frequenz der Belieferung von Discountern und Supermärkten wurde deutlich erhöht, freie Lagerraumkapazitäten bei Non-Food-Unternehmen angemietet, um mehr Vorräte von der Straße auf dezentrale Lagerhallen zu konzentrieren. Warenbestellungen hätten für bestimmte Segmente in der KW 12 gut 70 % über dem Vorjahreszeitraum gelegen, letztlich wäre 40 % mehr Ware ausgeliefert worden. Die Anlieferungstage wurden im LEH teils von 3 Tagen auf täglich angehoben. Ein großes Zentrallager in Berlin würde täglich eine Menge von bis zu 700.000 Einheiten konfektionieren, zu Weihnachten wären es nur 250.000 Einheiten. Der Verbrauchsanstieg von Toast und haltbaren Teigwaren dürfte über bisherige Annahmen von 25 bis 35 % hinausgehen, steigert der  eingebrochene Gastrobereich den Brot-, Pasta- und Teigwarenverzehr der Verbraucher erheblich. Der Flaschenhals sei weiterhin die Belieferung über LKW. Es gebe nur eine begrenzte Zahl von geeigneten Fahrzeugen, die Kapazitäten sollen regional schwanken. Das Problem der Superstaus an den Grenzkontrollen zu Polen und Ungarn ist durch vereinfachte Kontrollen entschärft. Die Lage ganz oder teilweiser geschlossener Autobahn-Raststätten mit Nutzung sanitärer Anlagen für den Fernverkehr wäre dagegen vielerorts immer noch ungelöst.

Weizen-Kassamarkt (Fronttermin)

B-Weizen (12/220/76)

Parität

EUR/mt

Veränd.

Rouen FOB

193,00

2,00

La Pallice FOB

193,00

2,00

Creil FOB

186,00

5,00

Hamburg DDP

200,00

5,00

Westfalen DDP

198,00

4,00

Rheinland DDP

197,00

4,00

Oberrhein FOB

190,00

3,00

Futterweizen (72/73)

Parität

EUR/mt

Veränd.

Holland CIF

195,00

0,00

Süd-Oldenburg DDP

197,00

0,00

Westfalen DDP

194,00

0,00

Neuss DDP

190,00

0,00

Oberrhein FOB

185,00

0,00

Quelle: Handel

Mühlen müssen für Mehl-Neugeschäft nachdecken
Die Mühlen decken jedenfalls Mehl-Neugeschäft über Weizenkäufe nach, Backindustrie und Mühlen wurden von deutlich höheren Preisforderungen des Handels überrascht. Heute Morgen legte Weizen in Frankreich erneut um 2 EUR/mt zu, auch an der Rheinschiene dürfte Weizen nachziehen. Immerhin wurde B-Weizen mit 12 % Protein heute Morgen mit 200 bis 202 EUR/mt DDP Hamburg bewertet. Dieser Trend dürfte anhalten. Denn Liefersicherheit hat im Krisenfall der Covid19-Pademie absolute Priorität, hieß es im Handel. Das Exportgeschäft mit einer Ausschreibung von 1,2 Mio. mt Futtergerste nach Saudi-Arabien mutierte schon fast zur Nebensache. Ebenso, dass Marokko die Importzölle bis 15. Juni aussetzt, um die Versorgung im Land sicherzustellen, wo die Getreideernte dürrebedingt von 5,2 Mio. mt im Vorjahr auf 4 Mio. mt zurückfallen soll. Das Thema Trockenheit in Russland und am Schwarzmeer könnte in diesem Jahr noch für weitere Überraschungen sorgen.

 

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