Getreide - Getreideerzeugnisse / Mehle

Weizen: „Cristobal“ wütet in den USA

9. Juni 2020 12:23, Der AUDITOR
Bericht als Audio abspielen

FRANKFURT. Die Weizenmärkte setzten den Abwärtstrend in den USA und in Westeuropa fort, am Schwarzmeer legte der Kurs zu. In den USA drückten eine schwache Exportkontrolle und zügige US-Weizenernte die Kurse. Ob sich mit Tropensturm „Cristobal“ in den USA die Ernte verzögert, bleibt abzuwarten. Coceral erwartet in der EU eine um 11,7 % geringere EU-Weizenernte. Mühlen und Backindustrie hoffen, dass durch Regenwetter die Weizenpreise noch etwas zurückgehen. Das Weizen- und Mehlgeschäft ist ziemlich zum Erliegen gekommen.

Dabei notierte US-Weizen in Chicago am Vormittag mit 508 USD/Bushel um 1,6 % schwächer als gestern. In Paris sank Weizen beim Fronttermin um 0,9 % auf 185,25 EUR/mt, am Schwarzmeer legte der Kurs um 0,8 % auf 208,75 EUR/mt zu. In den USA überraschte der Tropen-Sturm "Cristobal" auch den Weizenmarkt. Heftige Regenfälle mit Sturm haben in den US-Bundesstaaten Mississippi, Louisiana und Alabama zu Starkregen mit Überschwemmungen geführt, was den Schiffsverkehr am Mississippi-Delta zum Erliegen brachte. Eine Kaltfront in Kansas brachte Hagel und Starkregen. Der Crop Progress Report zeigte aber guten Fortschritt bei der US-Winterweizenernte mit 53 % Fortgang in Texas, 28 % in Arkansas, 19 % in Oklahoma und 17 % in North Carolina, was US-weit 7 % Fortschritt bedeutete und dem Mittel entsprach. Aber die US-Weizenernte könnte jetzt regenbedingt verzögert werden. Die Exportinspektion für US-Weizen lag mit 433.000 mt gut 122.000 mt unter der Vorwoche, was die Kurse in Chicago drückte. Gut 63.000 mt entfielen dabei auf China. Mit Blick auf den WASDE-Report am Donnerstagabend erwartet der Handel eine US-Weizenproduktion von 1,85 Mrd. Bushel, was leicht unter dem Ergebnis des WASDE-Reports von Mai von 1,866 Mrd. Bushel bleiben dürfte.

Coceral erwartet 11,7 % geringere EU-Weizenernte
In Frankreich gab Weizen nur leicht nach. Der europäische Getreidehandelsverband Coceral senkte die EU-Weizenernte von 135,4 Mio. mt im Mai auf 129,7 Mio. mt, im Vergleich zu 146,8 Mio. mt im Vorjahr, was an einer um 6 Mio. mt kleineren Ernte Großbritanniens und über 7 Mio. mt geringeren Frankreichs liegen soll. In Deutschland liegt die Weizenschätzung mit knapp 21,8 Mio. mt um 5,3 % unter dem Vorjahresergebnis von 23,0 Mio. mt. Frankreich soll 32,0 anstatt 39,5 Mio. mt Weizen wie im Vorjahr ernten. Auch die Baltic-Staaten, Bulgarien und Rumänien ernten weniger. Die Ernte Polens dürfte auf Vorjahresniveau liegen. In Russlands sollen bei in der für den Getreideanbau wichtigen Region Stawropol die Erträge bis zu 40 % sinken, andere  Anbaugebiete zeigen jedoch keine schlechteren Erträge als im Vorjahr, hieß es. In der Ukraine wird neuerntiger Mahlweizen mit 11,5 % RP zu 162,00 EUR/mt Fob Odessa offeriert, Futterweizen liegt bei 151,40 EUR/mt. In Deutschland halten sich Mühlen und Back-Industrie mit Weizen- bzw. Mehlkäufen zurück, das Preisniveau von 190 EUR/mt am Niederrhein ist Einkäufern zu hoch und liegt nur knapp unter dem Juni-Preis. Viele Bäckereien werden angesichts Corona sehr vorsichtig disponieren, hat die Krise von März bis Mai viele Backbetriebe mit Cafés in wirtschaftliche Schieflage gestürzt.

Dies könnte Sie ebenfalls interessieren

zur Nachrichten-Übersicht
Getreide
02.12.2021
PEKING. Mit dem Eintreffen der osteuropäischen Ernten auf dem Markt erwarten chinesische Marktteilnehmer einen verstärkten Preisdruck. Bereits im Vergleich zur Vorwoche haben die Preise leicht nachgegeben.
Getreide
22.11.2021
PEKING/MOSKAU. Russland, die Ukraine und Kasachstan konnten in diesem Jahr ihre Buchweizenproduktion steigern. Deutschlands Importe sind im ersten Monat dieser Saison allerdings merklich zurückgegangen. In China blieben die Preise stabil.
Getreide
22.11.2021
PEKING/KIEW. Laut den aktuellen Angaben des US-Agrarministeriums ist die weltweite Hirseproduktion geringer ausgefallen als erwartet. In China haben sich die Marktteilnehmer auf ein Preisniveau einigen können. Derweil drücken die schwachen Hirse-Importe nach Deutschland im September die Gesamtimporte dieses Jahres deutlich nach unten.
Getreide
04.11.2021
PEKING/MOSKAU. Russland und die Ukraine können sich offiziellen Schätzungen zufolge auf ein Produktionsplus einstellen, in beiden Ländern sie mit einer größeren Buchweizenernte zu rechnen. Ukrainische Farmer sollen sogar das beste Ernteergebnis der vergangenen Jahre erzielt haben. In China legten die Buchweizenpreise derweil weiter zu.