Weizen: Belebung der Mehlnachfrage erwartet

26. Mai 2020 um 12:55 , Der AUDITOR
Bericht als Audio abspielen

FRANKFURT. Die Weizenmärkte standen heute zunächst unter Druck, bedingt durch weitere Regenfälle in Teilen West- und vor allem Osteuropas. US-Anleger rechneten wegen ergiebigeren Regenfällen und Kälteeinbrüchen am Schwarzmeer mit sinkenden Weizenkurse. Trotzdem legten ukrainische Exportpreise bei Weizen zu. APK-Inform senkte seine Prognose zur ukrainischen Weizenernte. Nach guten Handelsumsätzen in Holland und Belgien im Gastrobereich keimen auch in Deutschland Hoffnungen auf eine baldige Erholung bei hiesigen Bäckereien. Mit Bestürzung wurde die wirtschaftliche Schieflage der traditionsreichen Großbäckerei Sternenbäck in Hechingen aufgenommen.

Dabei notierte US-Weizen in Chicago am Mittag mit 5,08 USD/Bushel unverändert zu gestern. In Paris gab Weizen beim Fronttermin um 0,3 % auf 187,75 EUR/mt nach, blieb am Schwarzmeer bei 203,00 EUR/mt stehen. Am Mittag teilten US-Broker mit, dass mit Blick auf den Crop Progress Report der Handel bei der US-Sommerweizen-Aussaat von 70 % Fortschritt ausging, gegenüber 60 % in der Vorwoche und 92 % im vierjährigen Mittel. US-Anleger rechneten wegen ergiebigeren Regenfällen und Kälteeinbrüchen am Schwarzmeer mit sinkenden Weizenkursen. Trotzdem wären ukrainische Exportpreise zur Weizenernte 2020 gestiegen, nachdem Analyst APK-Inform einen Rückgang der ukrainischen Weizenernte auf 24 bis 25 Mio. mt prognostiziert hatte, gegenüber 28,3 Mio. mt im Vorjahr. Dabei galt Analyst IKAR als Preistreiber, weil er Russlands Weizenernte von 77,2 Mio. mt auf 76,2 Mio. mt gesenkt hatte, während SovEcon von 81,2 Mio. mt ausging. Nach Einschätzung des französischen Handels brachten die jüngsten Regenfälle im Süden von Russland und der Ukraine keine Verbesserung der Ernteaussichten wegen irreparabler Schäden durch Trockenheit im März und April. In Polen, Rumänien und auch bei uns verbesserten dagegen die jüngsten Schauer den Zustand der Weizenbestände. In Großbritannien rechnet Frontier Agriculture mit einer Weizenernte von nur 10 Mio. mt gegenüber 16,2 Mio. mt Weizen im Vorjahr. 

Weizen-Kassamarkt (Fronttermin)

B-Weizen (12/220/76)

Parität

EUR/mt

Veränd.

Rouen FOB

191,00

2,00

Creil FOB

179,00

2,00

Hamburg DDP

202,00

0,00

Westfalen DDP

199,00

0,00

Rheinland DDP

199,00

1,00

Oberrhein FOB

191,00

0,00

Futterweizen (72/73)

Parität

EUR/mt

Veränd.

Holland CIF

200,00

1,00

Süd-Oldenburg DDP

201,00

0,00

Westfalen DDP

199,00

0,00

Oberrhein FOB

190,00

0,00

Quelle: Handel

Großbäckerei Sternenbäck in wirtschaftliche Schieflage geraten
Nach zuletzt guten Handelsumsätzen in Holland und Belgien im Gastrobereich keimen auch in Deutschland Hoffnungen auf eine baldige Erholung für den für Bäckereien wichtigen Gastrobereich. Eine Rückfrage beim Verband Deutscher Mühlen in Berlin ergab, dass auch dort mit anziehender Mehlnachfrage gerechnet wird, sobald die Verbraucher wieder Mut schöpften, Cafés und Bistros regelmäßiger zu besuchen. Weil Besucher dabei Name und Adresse hinterlegen müssten, würde diese viele Gäste abhalten, monieren Bäckereien. Aber mit Blick auf die nahende Urlaubssaison könnten mehr Deutsche im Inland verreisen, was die saisonangängige Mehlnachfrage in norddeutschen Urlaubsgebieten und anderswo spürbar unterstützen dürfte. Mit Bestürzung wurde die wirtschaftliche Schieflage der traditionsreichen Großbäckerei Sternenbäck in Hechingen aufgenommen, welches 260 Filialen mit 1.800 Mitarbeitern führt und bekannt gab, dass es ein Schutzschirmverfahren beantragt hat. Seit Corona das öffentliche Leben lahmgelegt hatte, waren die Kundenzahl bei den Filialen heftig gesunken.

Dies könnte Sie ebenfalls interessieren

zur Nachrichten-Übersicht
Getreide
23.09.2026
KYJIW/DALIAN. Ukrainische Bauern erzielen deutlich bessere Hirseerträge als im Vorjahr. Im chinesischen Markt haben die Preise nicht viel Spielraum nach unten. Die EU-Importe sind in dieser Saison um 60% gesunken.
Getreide
23.09.2026
KYJIW/DALIAN. Ukrainische Bauern haben die Buchweizenernte 2026 gut zur Hälfte abgeschlossen. In China stützen geringere Produktionsergebnisse die Rohwarenpreise. EU-Länder haben in den letzten Wochen rund die Hälfte ihrer Buchweizenimporte aus Kasachstan bezogen.
Getreide
01.09.2026
DALIAN/KYJIW. In China legen die Buchweizenpreise deutlich zu. Wetteranfälligkeit sorgt für Unsicherheit im Markt. Chinas Importe aus Russland waren rückläufig.
Getreide
01.09.2026
KYJIW/DALIAN. In der Ukraine wurden bereits 22% der Hirsefelder abgeerntet. In China haben sich die Anbauflächen in diesem Jahr erholt. Marktteilnehmer rechnen mit entsprechendem Druck auf die Preise.