Weizen: Alle Augen richten sich auf neue Ernte

5. Mai 2020 um 12:06 , Der AUDITOR
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FRANKFURT. Der Markt schaut auf die Entwicklungen zur neuen Ernte. In Westeuropa zeichnen sich kleinere Ernten vor allem in Frankreich ab. Am Schwarzmeer stieg die Besorgnis über Trockenschäden in südöstlichen Landesteilen der Ukraine. Während Regenvorhersagen für den Schwarzmeerraum die Lage etwas entschärfen könnte, soll laut französischen Meteorologen das Trockenheitsrisiko in Nordeuropa wieder steigen. Insofern sollte das Weizen- und Mehlneugeschäft nicht zu weit nach hinten herausgezögert werden.

In Chicago notierte US-Weizen am Vormittag mit 5,27 USD/Bushel um 2,1 % fester und holte den gestrigen Kursverlust auf. In Paris und am Schwarzmeer legte der Fronttermin um jeweils 0,7 % auf 196,50 EUR/mt bzw. 215,75 USD/mt zu. Die Kursverläufe zur neuen Ernte waren dagegen allesamt rückläufig. So notierte Schwarzmeer-Weizen für den Juli-Termin um 9,7 %, US-Weizen um 2,2 % und EU-Weizen für September um 6,3 % niedriger als beim Fronttermin. Die Matif sieht das Preisniveau für September bei 184 EUR/mt. Ähnlich stufte der Handel die Preiserwartungen im Rheinland und Westfalen mit einer Prämie von 4 EUR/mt und in Hamburg von 3,50 EUR/mt über MATIF ein. Für mehr Druck am Markt spricht derzeit, dass die Nachfrage für Weizen und Mehl in Westeuropa spürbar abgenommen hat, nur der EU-Export den Markt antreibt, weil Russland und Ukraine sich wegen Exportbegrenzungen zurückgezogen haben. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass Indien mit offiziell 106 Mio. mt eine Rekordernte einfahren wird, Handelskreise sogar von 113 Mio. mt Weizen dort ausgehen, aber die Logistik Schwierigkeiten haben dürfte, den Exportüberschuss annähernd zu bewältigen.

 Weizen-Kassamarkt (Fronttermin)

B-Weizen (12/220/76)

Parität

EUR/mt

Veränd.

Rouen FOB

181,00

0,00

Creil FOB

175,00

0,00

Hamburg DDP

202,00

-1,00

Westfalen DDP

199,00

0,00

Rheinland DDP

198,00

0,00

Oberrhein FOB

191,00

0,00

Futterweizen (72/73)

Parität

EUR/mt

Veränd.

Holland CIF

198,00

0,00

Süd-Oldenburg DDP

199,00

-1,00

Westfalen DDP

198,00

0,00

Oberrhein FOB

181,00

0,00

Quelle: Handel

Kehrt trockenheißes Wetter in Nordeuropa zurück?
Für westeuropäische Mühlen und Kraftfutterwerke stand zuallererst die EU-Weizenernte im Fokus. Die EU-Kommission hat ihre Prognose zur Weichweizenernte 2020-21 auf 125,8 Mio. mt zurückgenommen, im Vergleich zu 130,8 Mio. mt im Vorjahr, wofür Frankreichs niedrigere Prognose mit verantwortlich ist. Damit würde das Fünf-Jahresmittel noch unterschritten. Entscheidend ist jetzt das Wetter. Frankreichs Wetterdienste erwarten eine Rückkehr von trockenheißem Wetter über Nordfrankreich und Nordeuropa für die nächsten Tage, was die zuletzt teils ergiebigen Niederschläge wieder aufzehren könnte. Dagegen erwarten Frankreichs Meteorologen intensivere Regenfälle in Südrussland und der Ukraine. Fakt ist, dass der Internationale Getreiderat (IGC) für Russland eine Weizenernte von 79 Mio. mt, gut 5,5 Mio. mt über dem Vorjahr, in der Ukraine von 26,5 Mio. mt, rund 2,5 Mio. mt darunter, erwartet. Die Frage bleibt, wie stark wird die EU-Binnenmarktnachfrage bis im Herbst für mehr Schwung am Markt sorgen, wenn Gastrobereich und Touristikbranche zu alter Stärke zurückfinden. Das Risiko einer zweiten Covid19-Pandemiewelle ist hoch, aber letztlich können die Epidemiologen das Risiko auch nur schwer einschätzen.

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