Weizen: Der große Ansturm flaut etwas ab

27. März 2020 um 12:16 , Der AUDITOR
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FRANKFURT. Die Weizenmärkte drehten nach kräftigen Preiserhöhungen der letzten Wochen wieder leicht ins Minus. Gewinnmitnahmen an den Terminbörsen und ein gestiegener Eurokurs waren wesentliche Gründe. Aber auch der Kassamarkt reagierte mit Preisrücknahmen, nachdem sich der mächtige Ansturm auf die Lebensmittelgeschäfte nach intensiver Bevorratung der Kunden etwas beruhigte. Von Entspannung der Lage kann aber keine Rede sein, hieß es beim Handel.

In Chicago und in Paris gab Weizen wegen Gewinnmitnahme nach. Auch belasteten astronomisch hohe US-Arbeitslosenzahlen die Notierungen. In der letzten Woche meldeten sich 3,3 US-Amerikaner arbeitslos.Dabei lag der Wochenexport für US-Weizen mit 740.048 mt um 73 % über dem Vierwochenmittel. Die Gesamt-Weizenausfuhren übertrafen mit 19,5 Mio. mt um 9,6 % das Vorjahr. In den USA gab es einen Ansturm auf Mehl- und Backwaren, so dass die Mühlen Weizen nachkaufen mussten, teilte US-Broker Jack Scoville von der Price Futures Group mit. In Russland werden die Exporthäfen eine Woche geschlossen bleiben, nachdem Kremlchef Wladimir Putin Russlands Bevölkerung wegen der Covid19-Pandemie eine Woche Zwangsurlaub verordnete, um die Ausbreitung abzubremsen. Noch sprach niemand von Ernteverlusten in Russland, doch die Trockenheit bleibt unter Beobachtung. Russischer Weizen mit 12 % Protein ist in den letzten sieben Tagen um 13 auf 218 USD/mt fob Novorossiysk gestiegen, ähnlich in der Ukraine. Der IGC ließ seine Prognose zur Welt-Weizenernte mit 768 Mio. mt weitgehend stabil, gut 0,6 % über dem Vorjahr. Dabei soll die EU rund 132,2 Mio. mt einfahren, Frankreich 34,5 und Deutschland 22,4 Mio. mt.

Weizen-Kassamarkt (Fronttermin)

B-Weizen (12/220/76)

Parität

EUR/mt

Veränd.

Rouen FOB

190,00

-4,00

La Pallice FOB

190,00

-4,00

Creil FOB

183,00

-4,00

Hamburg DDP

201,00

1,00

Westfalen DDP

198,00

2,00

Rheinland DDP

198,00

3,00

Oberrhein FOB

190,00

0,00

Futterweizen (72/73)

Parität

EUR/mt

Veränd.

Holland CIF

199,00

1,00

Süd-Oldenburg DDP

196,00

0,00

Westfalen DDP

196,00

0,00

Neuss DDP

192,00

0,00

Oberrhein FOB

187,00

0,00

Quelle: Handel

Leerfrachten nehmen zu
Aus Frankreich meldete der Handel am Morgen Preisrückgänge von gut 4 EUR/mt, was auf den gestiegenen Eurokurs über 1,10 USD/EUR zurückzuführen war. Dabei blieb die Nachfrage bei Mehl hoch, kaufen die Mühlen verstärkt Weizen nach, um die Nachfrage der Backwarenindustrie bedienen zu können. Mühlen berichten über zwei bis dreifach so hohe Mengenabnahmen bei Typen- und Spezialmehlen. Dabei ging die Branche von eineinhalbfach gestiegenen Mehlabnahmen aus, hieß es in Deutschland. Auch die Futtermittelhersteller erhöhen ihre Abdeckung, während die logistischen Probleme zunehmen. Der Personalabbau verringert die Schienen- und Straßentransportkapazität der unter Quarantäne gestellten Länder, insbesondere Frankreichs und Italiens. In Deutschland läuft der Transport noch relativ stabil. Aber es fehlen LKW-Rückfrachten, was Transportkosten erhöht. Laut Handel treffen Backwaren aus EU-Nachbarländern Italien, Spanien und auch Frankreich verspätet beim Lebensmitteleinzelhandel ein. Die Hamsterkäufe haben dagegen im Lebensmitteleinzelhandel etwas abgenommen. Die Regale füllen sich mehr und mehr, weil Produktion und Logistik sich an das veränderte Konsumverhalten angepasst haben, hieße es beim Handel.

 


 

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