VGMS rügt Bewertungssysteme bei Öko-Test

8. Oktober 2020 um 14:58 , Der AUDITOR
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BERLIN. Ein Streit zwischen dem Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft VGMS e.V. und der Zeitung Öko-Test ist darüber entbrannt, weil die Redaktion Produkte abgewertet hat, obwohl diese die Sicherheitsstandards des deutschen und europäischen Lebensmittelrechts vollends erfüllen. Öko-Test bezeichnet dies als starken Tobak und verweist auf eigene Bewertungsmaßstäbe, die Orientierungswerte wären veraltet.

Der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft VGMS e.V. ist aufgebracht. Öko-Test habe Mehl und Haferflocken getestet und einzelne Produkte abgewertet, dies selbst dann, wenn die Produkte die Sicherheitsstandards des deutschen und europäischen Lebensmittelrechts erfüllen. Es sei unverantwortlich, „wenn der Handel von Öko-Test abgewertete Produkte automatisch auslistet: Gute und sichere Lebensmittel für die Tonne! Langfristig sorgt eine solche Bewertungspraxis nicht für die Stärkung der Ernährungskompetenz beim Verbraucher“, so der Verband.

VGMS rügte ungenügende Bewertungssysteme bei Öko-Test
Der VGMS wirft Öko-Test konkret ungenügende Bewertungssysteme, eigenwillige Interpretation von gesetzten Standards und eine „lenkende Sprache“ bei der Interpretation der Untersuchungsergebnisse vor. Das Geschäftsmodell von Öko-Test wirft Fragen auf, impliziert es doch, dass es ein sicherer als sicher gibt, dass Lebensmitteln die die gesetzlichen Standards einhalten, nicht ausreichend sicher sind. Öko-Test schreibt im aktuellen Hafertest: „Für T2 HT2-Toxine gibt es einen Richtwert, den alle Hersteller einhalten.“ Damit wäre alles gesagt. Nicht für Öko-Test. Alle von Öko-Test gemessenen Nickelwerte liegen in einer für die Haferpflanze vollkommen normalen Bandbreite, wie Nährwerttabellen (Souci, Fachmann Kraut 2016) zeigen. Diese Erkenntnisse fließen nicht in Öko-Testergebnisse ein. Stattdessen wird eine theoretische Gefahr für Nickelallergiker konstruiert. Mineralölkohlenwasserstoffe kommen ubiquitär vor. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) halten die Verbindungen für „kein akutes Lebensmittelsicherheitsproblem“. Öko-Test wertet dennoch pauschal ab, obwohl der anerkannte MOSH-Orientierungswert von allen getesteten Produkten deutlich unterschritten wird.

Starker Tobak?
Starker Tobak, den die Redaktion des Öko-Test nicht auf sich sitzen lassen will. ÖKO-TEST sei grundsätzlich keine Aufsichtsbehörde, die die Einhaltung von gesetzlichen Grenzwerten kontrolliert, sondern ein Testanbieter mit eigenem Bewertungssystem, das über gesetzliche Grenzwerte hinausgeht, auch bei selbstverständlich verkehrsfähigen Produkten. Man verstehe sich als kritisches Verbrauchermagazin. So habe man bei der Kontamination mit Nickel, die von der VGMS als Beispiel für eine Fehleinschätzung angeführt wird, „die gemessenen Gehalte in den Produkten abgestuft bewertet, also je nachdem, ob sie die Aufnahmemengen mit einer Portion zu mehr als 50 oder 100 Prozent ausschöpfen.“ Dabei orientiere man sich an toxikologisch abgeleiteten tolerierbaren täglichen Aufnahmemengen (TDI), welche die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit festlegt. Die Beanstandung von Mineralölverbindungen der MOSH-Gruppe (gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe) hatte die VGMS abgelehnt mit der Begründung, Öko-Test habe nicht die von Lebensmittelüberwachungsbehörden und Lebensmittelwirtschaft festgelegten Orientierungswerte als Maßstab verwendet. Öko-Test sieht hingegen die Orientierungswerte als veraltet an. Die Zeitschrift dazu: „Etliche Produkte sind gar nicht (mehr) oder nur in Spuren belastet. Anders ausgedrückt: Die Herstellungspraxis ist schon viel weiter.“

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