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Die ungewisse Zukunft des Zuckerrübenanbaus

17. Juni 2020 16:23, Der AUDITOR
Quelle: Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e. V.
Quelle: Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e. V.
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FRANKFURT/BERLIN. In einem gemeinsamen Pressegespräch erläutern die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e. V. (WVZ) und der Industrieverband Agrar e. V. (IVA) die Zukunft des Zuckerrübenanbaus aufgrund strengerer Auflagen bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln.

In der Meldung gehen sie darauf ein, wie extrem niedrige Zuckerpreise bei steigenden Kosten und Wettbewerbsverzerrungen auf dem EU- und Weltmarkt zu Lasten der deutschen Zuckerwirtschaft den Anbau von Zuckerrüben hierzulande für immer weniger Landwirte attraktiv macht. Die Zahl der Betriebe, die Zuckerrüben anbauen, sei im vergangenen Jahrzehnt um über 20% geschrumpft und belief sich zuletzt auf gut 25.000. Die absehbar immer schlechtere Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln zur Kontrolle von Schädlingen, Pilzen und Unkräutern trübe die Perspektiven für den heimischen Zuckerrübenanbau weiter ein. 

Eine Projektgruppe des IVA hatte dazu Datensätze aus der Zulassungsliste des für Pflanzenschutzmittel zuständigen Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ausgewertet und ermittelt, wie viele unterschiedliche Pflanzenschutz-Wirkstoffe und Wirkmechanismen im Rübenanbau verfügbar sind und künftig zur Verfügung stehen werden. Für ein wirksames Resistenzmanagement gilt als unverzichtbar, dass mindestens drei verschiedene Mechanismen zur Verfügung stehen, damit die Landwirte die Produkte variieren können.

Diese Mindestanforderung sei im Zuckerrübenanbau in vielen Bereichen aber kaum noch zu erfüllen. Von den Bei den fünf Wirkstoffe, die künftig bei Spritzanwendungen mit Insektiziden noch verfügbar sind, haben vier denselben Wirkmechanismus. Zur insektiziden Saatgutbehandlung ist nur noch ein Wirkstoff genehmigt. 

Das 2018 erlassene Verbot der neonicotinoiden Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam hat den Sektor besonders hart getroffen. Einen guten Ersatz gäbe es nicht und alternative Mittel seien weniger wirksam, kostenintensiv und nur flächendeckend auszubringen. Zudem wurden bereits gegen einen Großteil dieser Insektizide Resistenzen bei Blattläusen nachgewiesen. „Diese Entscheidung wiegt für deutsche Landwirte doppelt schwer. Nicht nur wurde beim Verbot entgegen wissenschaftlicher Erkenntnisse entschieden. Es wurde auch völlig ausgeblendet, dass zahlreiche andere europäische Länder Notfallzulassungen genehmigt haben“, so Helmut Bleckwenn, Vorsitzender des Dachverbands Norddeutscher Zuckerrübenanbauer e. V. (DNZ) und Vorstandsmitglied der WVZ. 

Derweil stehen bei den Fungiziden zur Spritzanwendung sechs Wirkstoffe und drei Mechanismen zur Verfügung, darunter zwei biologische Mittel mit geringerer Wirksamkeit; nur bei der fungiziden Saatgutbehandlung ist das Minimum von drei Mechanismen noch gegeben. Der zunehmende Wirkstoffverlust sei auch deshalb problematisch, weil die reale Gefahr einer Resistenzbildung gegenüber den verbleibenden Wirkstoffen bestehe. 

Bei den Herbiziden sieht es auf den ersten Blick etwas besser aus. Insgesamt stehen zur Unkrautkontrolle im Zuckerrübenanbau rund 16 Wirkstoffe mit sieben verschiedenen Wirkmechanismen zur Verfügung. Was zunächst nach einer komfortablen Wirkstoffpalette klingt, birgt bei genauerer Betrachtung zwei weitere Wirkstoffe, die gerade in diesem Jahr wieder wegfallen. 

„Am Ende wird auf dem Feld entschieden, ob es eine deutsche Zuckerwirtschaft weiterhin geben kann. Für uns Landwirte stellt sich die Frage, wie wir im europäischen und internationalen Wettbewerb bestehen können. Weiter zunehmende Wirkstoffverluste bedeuten immer höheren Kostendruck in einer ohnehin schon schwierigen wirtschaftlichen Lage, in der sich der Rübenanbau seit einigen Jahren befindet“, sagte Helmut Bleckwenn. 

„Wenn der Anbau von Zuckerrüben in Deutschland für die Landwirte an Attraktivität verliert, schaffen wir uns Probleme für den heimischen Ackerbau insgesamt. Nach dem Raps wäre die Rübe die nächste rückläufige Kultur, die jedoch gerade in Fruchtfolgen mit hohem Getreideanteil gebraucht wird. Hier klafft eine Lücke zwischen dem, was von der Agrarpolitik gefordert wird, und den pflanzenbaulichen Möglichkeiten, die dem Landwirt zum Pflanzenschutz noch verbleiben", erläuterte IVA-Präsident Dr. Manfred Hudetz.

Quelle: Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e. V.; Industrieverband Agrar e. V.

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