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Ukraine-Krise: Das passiert gerade im Handel

7. März 2022 15:16, Der AUDITOR
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AMSTERDAM. Nach einer gemeinsamen Beratung wichtiger Institutionen im Getreide- und Agrarhandel wurde ein Update bezüglich der aktuellen Situation in der Ukraine und der daraus resultierenden Konsequenzen veröffentlicht.

Konsultation mit der GD Santé / GD Agri

Am vergangenen Freitag fand eine Konsultation zwischen Mitgliedern von COCERAL, FEDIOL und FEFAC und Vertretern der GD Santé sowie einem Vertreter der GD AGRI statt. Bei diesem Treffen erklärte die GD Santé, dass die Bedenken klar seien und dass sie eine Lösung anbieten wolle, bei der die Lebensmittelsicherheit nicht beeinträchtigt werde. Die Industrie machte deutlich, dass im Durchschnitt noch Maisvorräte für 4-6 Wochen (3-4 Wochen in Südeuropa) vorhanden sind und dass die Situation sehr kritisch wird. […]

Der Konsultationsteilnehmer aus Kyiv wies darauf hin, dass alle Häfen geschlossen sind und weitere Angriffe auf Odessa zu erwarten seien. Viele Brücken wurden gesprengt, und es ist zu erwarten, dass die Infrastruktur noch lange Zeit beeinträchtigt sein wird. Es gibt keinen Diesel (auch nicht für die Armee) und somit auch keinen Kraftstoff für die Aussaat und/oder Ernte.  Die großen Probleme, die auf lange Sicht zu erwarten sind, wurden von der Wirtschaft ausdrücklich genannt.

Im Rahmen dieser Konsultationen erstellte COCERAL eine Übersicht über die Maisbestände aus Brasilien und Weizen aus Argentinien.  Die GD Santé gab an, dass sie nach Möglichkeiten sucht, alternative Quellen im Rahmen der Lebensmittelsicherheit einzuführen. Hierfür benötigt die GD Santé detailliertere und zusätzliche Daten, die u. a. von COCERAL geliefert werden sollen. Es wird erwartet, dass die GD Santé bis spätestens Dienstag (8. März) einen weiteren Bericht über die Rückstandshöchstwerte vorlegen wird.

Am Ende der Sitzung wurde die Möglichkeit erwähnt, dass die Mitgliedstaaten unter bestimmten Bedingungen eine Überschreitung der MRL-Werte zulassen können.

Ausfuhrverbot

Berichten zufolge gilt in Bulgarien ein "Exportverbot", das aufgehoben wird, sobald das Land 1,5 Millionen Tonnen Weizen gekauft hat. Diese Nachricht wurde noch nicht offiziell bestätigt. Die folgende Meldung aus Ungarn gilt indes als bestätigt:

Die Verordnung sieht vor, dass der Erzeuger/Exporteur im Falle der Ausfuhr strategische landwirtschaftliche Erzeugnisse (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Soja, Sonnenblumenkerne) vorab bei den Behörden für Lebensmittelsicherheit anmelden muss, die die ausgefüllten Unterlagen an den Landwirtschaftsminister weiterleiten. Der Landwirtschaftsminister hat die Möglichkeit, innerhalb von 30 Tagen zu entscheiden, ob er von seinem Recht auf den Ankauf der Waren Gebrauch machen wird. Die "Nationale Treuhandstelle" ist mit der Umsetzung der Verordnung betraut. Der Landwirtschaftsminister ist befugt zu prüfen, ob die geplante Ausfuhr die Versorgung der ungarischen Lebens- und Futtermittelindustrie gefährdet und darf die Ausfuhr nur dann durchführen, wenn die Agentur von ihrem Ankaufsrecht keinen Gebrauch macht. Verbleibt die Ware im Land, wird der Kaufpreis von der Agentur amtlich festgesetzt, und der Hersteller/Ausführer kann etwaige Preisunterschiede vor Gericht geltend machen. Das Gericht muss in solchen Fällen innerhalb von 30 Tagen entscheiden. Verstöße gegen die Registrierungspflicht werden mit Geldstrafen von bis zu 40% des Nettowarenwerts geahndet. Die Verordnung ist am 6. März 2022 in Kraft getreten und gilt bis zum 15. Mai 2022. Ausnahmen werden nur für humanitäre Lieferungen und Transitgüter gemacht.

COCERAL wird bei der Europäischen Kommission energisch Einspruch dagegen erheben.

Der Nachrichtendienst NRC berichtete gestern Abend (6. März), dass die Ukraine die Ausfuhr von Weizen, Mais und Sonnenblumenöl beschränkt. Nach Angaben des ukrainischen Wirtschaftsministeriums müssen u.a. ukrainische Exporteure für diese Produkte nun eine Lizenz besitzen.   

Konsultation des Landwirtschaftsministeriums

Am Mittwochnachmittag (9. März) finden in den Niederlanden Konsultationen mit dem Ministerium für Landwirtschaft, Natur und Lebensmittelqualität und verschiedenen Branchenorganisationen (einschließlich des Ausschusses) statt, um die Situation und die Auswirkungen auf den derzeitigen und künftigen internationalen Agrarhandel und die Rohstoff- und Tierfutter- und Lebensmittellieferungen zu erörtern. Im Rahmen dieser Konsultation prüft der Ausschuss, ob die Mitgliedstaaten von der Möglichkeit einer Ausnahmeregelung für MRL-Werte Gebrauch machen sollen.

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