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„Superfoods“ - oft nicht hinreichend untersucht

19. November 2020 14:12, Der AUDITOR
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Chiasamen, Goji-Beeren oder Quinoa. Gut 48 % der Bevölkerung sehen Superfoods als wichtigen Bestandteil einer gesundheitsbewussten Ernährung. Dies zeigt eine aktuelle repräsentative Befragung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). „Superfood-Produkte sind jedoch oft nicht hinreichend untersucht, um sie gesundheitlich bewerten zu können“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Was bedeutet dies für die Praxis?

Eine ungesunde Ernährung wird von vielen Menschen in Deutschland als eines der größten gesundheitlichen Risiken unserer Zeit angesehen. Viele versuchen daher, sich gezielt gesund zu ernähren. Dabei wird vermehrt auf „Superfoods“ zurückgegriffen. Häufig werden damit Lebensmittel bezeichnet, die als besonders vorteilhaft für die menschliche Gesundheit gelten. Der vermutete Vorteil beruht zumeist auf dem Nährstoffgehalt - ein hoher Gehalt an Vitaminen, Antioxidantien, Proteinen, Mineral- oder Ballaststoffen. Insgesamt ist der Superfood-Begriff stark von der Werbebranche geprägt und folgt keiner eindeutigen Definition. Lebensmittel lassen sich aus diesem Grund nicht eindeutig als Superfood einordnen. Der Begriff „Superfood“ ist rechtlich nicht geregelt.

Rund 70 % der Befragten kennen Superfoods
In Deutschland kennen 70 % der Befragten den Begriff “Superfood”. Etwa die Hälfte sieht in diesen Lebensmitteln hohen gesundheitlichen Nutzen. Als Vorteile werden der Gehalt an Vitaminen angeführt, ein allgemein positiver Effekt auf den Körper sowie Stärkung des Immunsystems. Bei einem Drittel der Befragten stehen Superfoods mindestens einmal in der Woche auf dem Speiseplan. Knapp 40 % geben an, gar kein Superfood zu verzehren. Im Vergleich zu heimischen Lebensmitteln bezeichnet die Mehrheit eher importierte Lebensmittel wie Chiasamen, Goji-Beeren und Quinoa als Superfoods. Dabei bieten heimische Lebensmittel oft vergleichbare Vorteile. Beispielsweise stellen schwarze Johannisbeeren aufgrund ihres hohen Vitamin C-Gehalts eine Alternative zu Goji-Beeren dar. Leinsamen weisen mit hohem Gehalt an Proteinen und Omega-3-Fettsäuren Ähnlichkeiten mit dem Nährstoffprofil von Chiasamen auf.

Zwei von fünf Befragten halten gesundheitsfördernden Eigenschaften für erwiesen
Die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Superfoods halten etwa zwei von fünf Befragten für wissenschaftlich nachgewiesen. Ebenso viele gehen davon aus, dass Superfood-Produkte auf gesundheitliche Unbedenklichkeit getestet werden, bevor sie in Deutschland erhältlich sind. Dies gilt vor allem für Superfoods, die vor 1997 in der Europäischen Union kaum zum Verzehr verwendet wurden und damit zu neuartigen Lebensmitteln, „Novel Foods“, zählen. Sie müssen strenge Genehmigungsverfahren durchlaufen, die eine behördliche Bewertung der gesundheitlichen Sicherheit beinhalten.

Fehlende Standards bei Extraktionsverfahren
Manche Superfood-Produkte, wie bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, bestehen jedoch aus Extrakten oder Zubereitungen aus pflanzlichen Superfoods, die gesundheitsschädigende Substanzen in konzentrierter Form enthalten können. Fehlende Standards bei Extraktionsverfahren, teils unzureichende Daten aus Studien, können gesundheitliche Bewertungen dieser Produkte erschweren. Sie sind daher nicht mit pflanzlichen Superfoods gleichzusetzen, aus denen sie gewonnen wurden. Dass Superfoods gesundheitliche Risiken bergen können, glauben lediglich 8 % der Befragten. Auch wenn der positive Effekt dieser Lebensmittel für die Gesundheit meist überwiegt, können bestimmte Inhaltsstoffe und Kontaminanten bei übermäßigem Verzehr der Gesundheit schaden, auch Überempfindlichkeits- oder allergische Reaktionen auslösen.

 

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