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Pistazien und Safran: „Der Inlandsverbrauch ist um mehr als 50% gesunken“

1. Januar 2024 um 07:29 , Der AUDITOR
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SEEHEIM/TEHERAN. 2023 war ein Jahr voller Hürden, aber auch neuer Möglichkeiten. Unser Geschäftspartner aus dem iranischen Pistazien- und Safranmarkt erklärt, wie die Marktteilnehmer sich Hürden wie den Kriegen in der Ukraine und Israel, der globalen Inflation und dem Klimawandel stellten und was sie von der Saison 2024/2025 erwarten. Lesen Sie hier das komplette Interview.

Welches waren die größten Schwierigkeiten, die der Pistazien- und Safranmarkt im Jahr 2023 zu bewältigen hatte? Was hat sich gegenüber den letzten zwei Jahren verändert?

Zu den größten Herausforderungen beim Export von iranischem Safran und Pistazien gehören die jüngsten klimatischen Störungen, die Abschaffung der Devisenpflicht und die Anforderung, Devisen über das NIMA-System abzuwickeln. Darüber hinaus behindern die Sanktionen gegen den Iran in Verbindung mit seiner Nichtmitgliedschaft in der Financial Action Task Force (FATF) den Zugang zu Devisen aus dem Export, was den Devisentransfer erschwert. Schmuggel und erhöhte Transportkosten verschärfen diese Probleme zusätzlich. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse des Iran, insbesondere Pistazien, Safran und Rosinen, sind weltweit bekannt. Länder wie die USA, Griechenland, Spanien und die Türkei haben sich jedoch durch Produktions- und Qualitätssteigerungen als ernstzunehmende Konkurrenten erwiesen.

Die iranischen Pistazienproduzenten hatten zwei Jahre in Folge mit Frostschäden zu kämpfen, was zu einem erheblichen Produktionsrückgang führte. Der iranische Pistazienverband meldete einen Rückgang von 220.000 mt im Jahr 2022 auf 150.000 mt im Jahr 2023. In ähnlicher Weise haben sich Dürren negativ auf die Safranproduktion ausgewirkt, und die Prognosen deuten auf einen weiteren Rückgang hin.

Exporteure stehen vor Hürden bei der Erfüllung von Devisenverträgen und der Aufhebung von Umtauschverpflichtungen. Seit 2020 schreibt die iranische Regierung den Exporteuren vor, die erwirtschafteten Devisen ins NIMA-System einzuführen, was zu erheblichen finanziellen Verlusten aufgrund von Diskrepanzen im Währungswert führt. Diese Politik hat die Exporteure abgeschreckt, obwohl reichlich Produkte verfügbar sind. Die US-Sanktionen, insbesondere die Finanz- und Bankenbeschränkungen, stellen zusätzliche Hürden dar, schrecken Käufer ab und erschweren den Geldverkehr. Der Ausschluss des Irans aus der FATF schränkt die Bankgeschäfte mit globalen Finanzinstituten weiter ein.

Darüber hinaus untergräbt der Schmuggel von iranischen Pistazien und Safran die legalen Exporte, da Schmuggler aufgrund der fehlenden Zölle und Steuern niedrigere Preise anbieten können. 

Welche Auswirkungen haben die Kriege in der Ukraine und Israel auf den Pistazien- und Safranmarkt? Geben hier auch die politischen Spannungen in verschiedenen afrikanischen Ländern Anlass zur Sorge?

Der anhaltende Konflikt zwischen der Ukraine und Russland hat sich auf die iranischen Agrarexporte ausgewirkt, vor allem in die GUS-Länder. Obwohl die Exporte in diese Regionen im Jahr 2023 im Vergleich zum Beginn des Konflikts leicht gestiegen sind, ist das Gesamtvolumen erheblich zurückgegangen. Der iranische Agrarhandel mit Israel und der Gaza-Region ist aufgrund politischer Spannungen vernachlässigbar, so dass sich die jüngsten Entwicklungen in diesen Gebieten nicht wesentlich auf die iranischen Exporte ausgewirkt haben. Die politische Instabilität in afrikanischen Ländern hat die iranischen Agrarexporte jedoch nur geringfügig beeinträchtigt, da das Handelsvolumen mit diesen Regionen gering ist. 

Im Jahr 2023 waren der Klimawandel und seine Auswirkungen auf die globale Rohstoffproduktion spürbar wie nie. Worauf müssen sich Erzeuger und Marktteilnehmer in den kommenden Jahren gefasst machen?

Die klimatischen Bedingungen, einschließlich Dürren und Frösten, haben die iranische Agrarproduktion, insbesondere Pistazien und Safran, stark beeinträchtigt. Der Iran ist vom führenden Pistazienproduzenten auf den dritten Platz in der Weltrangliste zurückgefallen. Die anhaltende Dürre droht diesen Rückgang noch zu verschärfen. Die Dürre hat auch den iranischen Safrankrokus erheblich geschwächt, was zu einem Produktionsrückgang geführt hat. 

Ein weiteres Jahr in Folge sind die Rohwarenpreise auf vielen Märkten erheblich gestiegen. Inflation und höhere Produktionskosten hinterlassen ihre Spuren. Das galt auch für Pistazien und Safran. Glauben Sie, dass sich die Verbraucher langfristig nach günstigeren Alternativen umsehen werden?

Der Inlandsverbrauch von Pistazien und Safran im Iran ist im vergangenen Jahr um mehr als 50% gesunken, was vor allem auf die gestiegenen Preise und die geringere Kaufkraft zurückzuführen ist. Trotzdem sind die globalen Exportmärkte für diese Produkte unterschiedlich. Die relative Abwertung des iranischen Rial gegenüber ausländischen Währungen hat diese Produkte international erschwinglicher gemacht und die gestiegenen Produktionskosten und die Inflation im Inland ausgeglichen. 

Mit Blick auf die aktuelle Marktsituation, mit welchen Herausforderungen könnte sich der Pistazien- und Safranmarkt in der Saison 2024/2025 konfrontiert sehen?

Zu den drängendsten Problemen für die Produktion von Pistazien und Safran in den Jahren 2024-2025 gehören geringere Erträge aufgrund von Klimastress und Dürre. Darüber hinaus werden sich regionale Konflikte, anhaltende Sanktionen und Probleme bei Bank- und Finanztransfers weiterhin auf den iranischen Exportmarkt auswirken. Die Aussetzung der Atomverhandlungen und die ungewisse Zukunft des Atomabkommens verschärfen diese Herausforderungen noch. Inländische Exportgesetze, wie Devisenverträge und Beschränkungen für bestimmte Agrarexporte, werden die Handelsdynamik ebenfalls beeinflussen. Die europäischen Vorschriften über den Aflatoxin- und Mykotoxingehalt in importierten Pistazien könnten die Ausfuhren nach Europa ab 2024 spürbar beeinträchtigen.

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