Kostenfrei

Paranüsse: Ernte könnte deutlich kleiner ausfallen

11. März 2026 um 12:10 , Der AUDITOR
Bericht als Audio abspielen

SUCRE/REUS. In seinem aktuellen Bericht zeigen sich die Schätzungen des INC für die globale Paranussproduktion 2026 unverändert zu den Prognosen im November 2025. Die Ernte für die Saison 2025/26 dürfte demnach erheblich kleiner ausfallen als im Vorjahr.

Volatilität durch knappe Rohware und verzögerte Lieferungen

Laut Branchenberichten geriet der Markt für Paranüsse gegen Ende des vergangenen Jahres in eine Phase erhöhter Schwankungen. Hauptursache war die eingeschränkte Verfügbarkeit von Rohware infolge der schwachen Ernte der vorherigen Saison. Da Verarbeitungsbetriebe ihre Aktivitäten damals frühzeitig einstellen mussten, entstand eine starke Nachfrage nach frühen Mengen der Ernte 2026, was die Rohwarenpreise deutlich steigen ließ; das gibt der International Nut and Dried Fruit Council (INC) in seinem aktuellen Bericht an.

Mit Beginn der neuen Saison versuchten viele Verarbeiter, ihre Produktion rasch wieder hochzufahren und beschafften aktiv Rohware. Gleichzeitig waren die Bestände in den Absatzmärkten bereits stark geschrumpft. Einige Käufer, die Paranüsse weiterhin in ihrem Sortiment führen, deckten sich frühzeitig ein, was zusätzlichen Druck auf den Markt zu Saisonbeginn ausübte. Darüber hinaus verliefen die ersten Lieferungen aus der Ernte 2026 langsamer als erwartet, wodurch sich die Angebotslage lokal weiter verengte.

Auch die Währungsdynamik trug zur Unsicherheit bei. Nach der Wahl eines neuen Präsidenten in Bolivien im Oktober und der Bildung einer neuen Regierung im November wertete der Boliviano auf. Dadurch verlor der Export in US-Dollar an Wettbewerbsfähigkeit, weshalb einige Anbieter ihre Terminverkäufe vorübergehend aussetzten.

Nachfrageentwicklung und Ernteaussichten

Die Nachfrage nach kurzfristigen Lieferungen blieb stabil. Für das zweite Quartal und die Zeit danach galt die Nachfrageperspektive zum Zeitpunkt des INC-Berichts jedoch als unsicher und hing vor allem von der Entwicklung im Einzelhandel ab. Entscheidend wird sein, inwieweit die Konsumentenmärkte die derzeit hohen Preise akzeptieren können.

Auch die mittelfristige Nachfrage wird davon beeinflusst, ob traditionelle Käufer – von denen einige sich ähnlich wie 2017 zeitweise aus dem Paranussgeschäft zurückgezogen haben – wieder in den Markt zurückkehren. Gleichzeitig sorgt ein wachsendes Interesse aus asiatischen Märkten für zusätzliche Impulse auf der Nachfrageseite.

Bei den Angebotsaussichten ist eine verlässliche Bewertung der Ernte 2026 noch nicht möglich. Aktuell gehen Marktteilnehmer jedoch von einer durchschnittlichen Ernte sowohl hinsichtlich Menge als auch Qualität aus, was perspektivisch zu einer Entspannung der Preise führen könnte. Die INC-Schätzung zeigt sich unverändert zur letzten Prognose im November 2025. Dabei bleibt Bolivien mit einer Ernte von 46.800 mt das mit Abstand wichtigste Produktionsland, gefolgt von Peru mit 11.760 mt und Brasilien mit 4.500 mt.

Globale Paranussproduktion, in der Schale, in mt

Ursprung

2024/25

2025/26

Diff.

Bolivien

78.000

46.800

-40,0%

Peru

14.700

11.760

-20,0%

Brasilien

7.500

4.500

-40,0%

Gesamt

100.200

63.060

-37,1%

Quelle: INC, März 2026

EU-Importe stark rückläufig

Die EU-Paranussimporte 2025 sind gegenüber 2024 um fast 33% zurückgegangen. Wichtigster Lieferant bleibt mit großem Abstand Bolivien, das allerdings einen Rückgang von 32,6% auf nur noch 8.621 mt einstecken musste. Es folgen Peru, dessen Lieferungen in die EU mit 854 mt weitgehend denen des Vorjahres entsprachen, und Brasilien, das einen starken Rückgang von 65,2% auf 302 mt verzeichnete.

Obwohl die Liefermengen so stark zurückgingen, konnte der Importwert im Jahr 2025 um 15,5% auf gut 108 Mio. EUR zulegen. Grund dafür war der deutlich höhere durchschnittliche Importpreis von 10,93 EUR/kg, der 2024 noch bei 6,37 EUR/kg lag. Das entspricht einer Steigerung von satten 71,6%. Als wichtigster Abnehmer innerhalb der EU haben die Niederlande Deutschland abgelöst, Platz 3 belegt Spanien.

EU-Import Paranüsse in mt

Partner

2024

2025

Diff.

Bolivien

12.796

8.621

-32,6%

Peru

853

854

0,1%

Brasilien

869

302

-65,2%

USA

48

52

8,3%

Chile

101

32

-68,3%

Andere

46

48

4,3%

Gesamt

14.713

9.909

-32,7%

Quelle: DG AGRI TAXUD Customs Surveillance System, 01.01.-31.12.

08012100+08012200 Paranüsse, mit und ohne Schale

Für mehr Informationen gehen Sie zu: 
- weitere Preischarts

Dies könnte Sie ebenfalls interessieren

zur Nachrichten-Übersicht
Nüsse
02.11.2026
NEU-DELHI/HO-CHI-MINH-STADT. In Mosambik herrschen gute Wetterbedingungen für den Cashew-Anbau. Verarbeitungsbetriebe in Vietnam zeigen wenig Interesse am Kauf von rohen Cashewnüssen. Sie sind mit der aktuellen Marktlage nicht gerade zufrieden. Vietnams Exporte von Cashewkernen sind im Vergleich zum Vorjahr relativ stabil. Die US-Importe sind stark angestiegen. In Indien werden derzeit kurzfristige Einkäufe getätigt.
Nüsse
02.11.2026
NEU-DELHI. Die Anlieferungen in Indien nehmen zu, wobei die Landwirte dazu angehalten werden, nicht zu viele Erdnüsse zu verkaufen. Auf dem internationalen Markt gewinnt die Qualität zunehmend an Bedeutung.
Nüsse
29.10.2026
ORDU. Die Einkaufsbedingungen von Ferrero für Haselnüsse haben den Markt überrascht. Qualitäts- und Liquiditätsprobleme stehen im Vordergrund.
Nüsse
28.10.2026
BRÜSSEL. Die EU-Importe von Nüssen haben in den ersten drei Quartalen des Jahres 2026 ein Rekordniveau erreicht. Am höchsten sind die Ausgaben für Pistazien und Mandeln. Haselnüsse haben Cashewnüsse in den Top 3 abgelöst. Bei Walnüssen, Erdnüssen und Pekannüssen sowie bei Pinienkernen, Macadamias, Paranüssen und Kolanüssen zeigt sich eine unterschiedliche Entwicklung.