Mais: Vom normalen Alltag weit entfernt
17. April 2020 um 14:32 ,
Der AUDITOR
In Chicago notierte Mais mit 3,22 USD/Bushel nach gestrigem Tiefgang um 0,6 % fester, in Paris blieb der Fronttermin bei 163,50 EUR/mt stehen. In den USA drängen die Ölraffinerien die Trump-Regierung dazu, den Beimischungszwang von Ethanol zum Benzin wegen zu hoher Kosten während der Covid19-Pandemie auszusetzten. Die Ethanol-Industrie setzt sich zur Wehr und fordert weitergehende Lösungen, um den US-Maisfarmern zu helfen. Die US-Ethanolproduktion brach in der Woche bis 10. April um immerhin 17,5 % auf 570.000 Barrel/Tag ein. Rekordbestände von 27,47 Mio. Barrel Ethanol suchen händeringend Käufer, bisher ohne Erfolg. Der Druck kommt bekanntlich vom Rohöl, wobei die Sorte WTI am Morgen erneut um 4,4 % auf 19,6 USD/Barrel nachgab. Weil mit starken Rückgängen im Verbrauch, besonders in den USA, gerechnet werden muss, hat das USDA den US-Maisbedarf für die Ethanolherstellung im WASDE-Report bereits um über 5 Mio. mt gesenkt und die Endbestände kräftig angehoben. Der zweite wichtige Verbrauchsfaktor ist die Futternachfrage. In China hatte im letzten Jahr die Afrikanische Schweinepest die Schweinebestände um 60 % dahingerafft. Dann folgte die Covid19-Pandemie mit extremen Fleischverbrauchsrückgang von 30 % im März in Nordamerika und sicher zweistelligen Einbrüchen in Südamerika und China.
Mais-Kassakurse (Fronttermin)
|
Körnermmais (handelsüblich) |
||
|
Parität |
EUR/mt |
Veränd. |
|
Bordeaux FOB |
158,00 |
1,00 |
|
La Pallice FOB |
158,00 |
1,00 |
|
Holland CIF |
183,00 |
0,00 |
|
Oldenburg DDP |
190,00 |
0,00 |
|
Brake FOT |
183,00 |
0,00 |
|
Niederrhein DDP |
182,00 |
0,00 |
|
Oberrhein FOB |
180,00 |
0,00 |
|
Ukraine FOB |
- |
- |
Quelle: Handel
Der Maisverbrauchsrückgang könnte höher ausfallen als befürchtet
Wie lang der Verbrauchsrückgang andauern wird, ist kaum zu sagen. Vielmehr muss abgewartet werden, wie schnell Ausgangs- und Kontaktsperren wieder aufgehoben werden. In den USA hat die Trump ein dreiphasiges Lockerungsprogramm zur Corona-Krise verkündet, zunächst mit Öffnung von Restaurants, Kinos und Kirchen. In Phase zwei sollen Schulen wieder geöffnet und es darf gereist werden. In Phase 3 können Arbeitnehmer wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Die US-Gouverneure werden bevollmächtigt, dieses Programm an die jeweiligen Umstände anzupassen. Im Bundesstaat New York dürfte es noch Wochen dauern, bis der Alltag wieder zurückkehrt. In den Metropolen konzentriert sich aber der Verbrauch. Das bedeutet, dass die Maislagerbestände in den USA und Südamerika weiterwachsen und die Maispreise fallen, bis die Pandemie zurückgeht. Dies kann nach Virologen-Einschätzung bis ins kommende Jahr andauern. Dass Südamerikas Maisernten leicht unten revidiert werden könnten, ist deshalb eher Nebensache.